«Man fühlt sich vorgeführt»

Filialleiter Jörg Caluori im Rösslitor.
Filialleiter Jörg Caluori im Rösslitor. © Sandro Zulian / FM1Today
«Fotografieren verboten», heisst es in der Buchhandlung Rösslitor in der St.Galler Innenstadt. Damit wehrt sich der Buchhändler gegen die wachsende Konkurrenz aus dem Internet.

«Fotografieren in unseren Räumlichkeiten insbesondere aus den Büchern ist verboten! Wir danken für Ihr Verständnis». Dieser Hinweis steht schon seit einiger Zeit im ersten Stock der Buchhandlung Rösslitor am Bärenplatz in St.Gallen. Für Filialleiter Jörg Caluori hat das bestehende Verbot mehrere Gründe.

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Abknipsen, dann im Internet bestellen

«Ich habe schon Leute gesehen, die haben ganze Kapitel abfotografiert», sagt Jörg Caluori. Auch Rezepte aus Kochbüchern seien so schon «geklaut» worden. «Das geht einfach nicht in einer Buchhandlung.» Es sei vorgekommen, dass jemand eine Etikette eines Buches fotografiert und sich das gewünschte Buch später im Internet bestellt hat. Weil vielfach der Zwischenbuchhandel und der Buchhandel bei der Internetbestellung wegfällt, kann ein digitaler Grosshändler das Werk durchaus günstiger anbieten als der Sortimentsbuchhandel. Caluori spricht stellvertretend auch für seine Mitarbeiter, wenn er sagt: «Wir finden das nicht die feine Art.» Er findet es nicht fair, wenn sich jemand in der Buchhandlung schlau macht, sich vielleicht sogar vom Personal beraten lässt, nur um das gewünschte Werk dann anderswo zu kaufen.

Keine Bussen

«Ein anständiger Mensch macht das nicht», stellt Caluori fest. Wenn jemand dabei erwischt wird, wie er oder sie eine Etikette oder eine Buchseite fotografiert, informiert das Personal die Kundin oder den Kunden über das Verbot. «Bussen oder gar eine polizeiliche Verfolgung gibt es aber selbstverständlich nicht», sagt Caluori und lacht. Wie viele Fälle es pro Monat oder Jahr gibt, kann er nicht sagen. Nur: «Es ist oft vorgekommen, darum haben wir uns irgendwann entschieden, den Hinweis aufzustellen.» Für ihn und sein Team sind solche Fälle ein Verdruss: «Manchmal fühlen wir uns vorgeführt.»

(saz)


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