«Rauchä isch nebis guäts»

Von Fabienne Engbers
Einmal im Jahr dürfen die Kinder in Appenzell rauchen - während der Viehschau.
Einmal im Jahr dürfen die Kinder in Appenzell rauchen - während der Viehschau. © FM1Today/Fabienne Engbers
In Appenzell traf sich heute jung und alt an der Viehschau. Nicht nur die Alten zogen an ihren Krummen, auch die Jungen eifern ihren Väter und Grossvätern nach. Schlecht wird ihnen vom Rauchen nicht, sagen zumindest die Kinder.

Mara ist vier Jahre alt und steht neben ihrer grossen Schwester und zwei gleichaltrigen Jungen. Im Kinderkreis geht heute statt einem Spielzeug eine kleine Pfeife um. Die Jungen sind bereits erfahrene Raucher und ziehen kräftig an der Pfeife. Mara raucht heute zum ersten Mal und spuckt den Tabak sofort wieder aus. Doch statt «iiiih» oder «wäääh» sagt sie: «isch fein gsi».

Einmal im Jahr dürfen die Kinder rauchen

Das Ganze wäre ein ziemlich skurriles Bild, wären wir nicht an der Viehschau in Appenzell. Hier rauchen die Kinder neben ihren Eltern. Die grösseren Buben haben sogar ihr eigenes «Stumpen-Päckli». «Das ist schon meine fünfte heute», sagt der neunjährige Ruben kurz vor dem Mittag und bietet mir auch einen Stumpen an. «Das schmeckt gut», sagt er überzeugt. Dass die Stumpen gut schmecken, darin sind sich die Kinder einig. Auch Mario und Patrick, beide sechs Jahr alt, finden so ein Stümpli «nebis feins».

«Früher oder später wird ihnen schlecht»

Die Eltern nehmen das Ganze locker. Dass die Kinder rauchen, hat in Appenzell Tradition. «Die Kinder hören mit dem Rauchen schon wieder auf. Denen wird von alleine schlecht», sagt Vater Sepp. «Das ist das erste Mal, die lernen das heute. Aber dass sie deshalb Kettenraucher werden, das bezweifle ich», sagt der Senn. «Nächstes Jahr versuchen sie’s vielleicht nochmal, aber irgendwann merken sie, dass Rauchen eigentlich nicht gut ist und dann ist das Thema erledigt.» Auch die älteren Buben haben fast alle einen Stumpen im Mundwinkel. Egal ob sie gerade die Kühe putzen oder unterwegs in den Kafi sind.

Viele Menschen, viele Tiere

Wenn die Bauern in den Trachten mit ihren schönsten Kühe morgens um neun Uhr einlaufen, drängeln sich die Schaulustigen an der Strasse. Die Schönste unter den Appenzeller Kühen und der schönste Stier werden heute prämiert. Als besonders schön gelten Kühe mit einem geraden Rücken und einem schönen Euter. Nebst Kühen und Stieren kann man in Appenzell auch Esel, Geissen und Kälber begutachten.

Schwingerkönig zu Gast

Nicht nur die Appenzeller Bauern sind heute mit dem halben Stall an der Viehschau. Auch Prominente machen einen Ausflug zur grössten Viehschau in der Umgebung, unter anderem der Schwingerkönig von 2013, Matthias Sempach, schaut sich mit seiner Familie in Appenzell um. «Als heute morgen die Kühe eingelaufen sind, das war sehr schön», sagt er gegenüber FM1Today. «Vor allem meinem Sohn Henry hat das sehr gefallen».


Familie Sempach macht diese Tage Urlaub im Appenzellerland. «Wir sind drei Tage in Appenzell und es gefällt uns sehr sehr gut», schwärmt der Schwinger. Gestern war die kleine Familie auf dem Äscher. Und auf Facebook verriet der Schwinger, dass seine Partnerin Heidi wieder schwanger ist.

Wie findet ihr es, dass die Kinder an der Appenzeller Viehschau rauchen?


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