Marc Mächler kauft sich ein paar Fans

Von Christoph Fust
Marc Mächler gibt sich volksnah - vor Statisten einer Bildagentur.
Marc Mächler gibt sich volksnah - vor Statisten einer Bildagentur. © FDP
Der St.Galler Regierungsratskandidat Marc Mächler gibt sich volksnah und posiert auf seinem Wahlkampfplakat vor Fans, die den Daumen in die Höhe strecken. Der Haken: Die Fans sind hineinretouchiert worden und stammen von einer Bildagentur. Und eine dunkelhäutige Person wurde dabei durch eine weisse ersetzt.

Das Regionaljournal Ostschweiz hat Marc Mächler mit den Recherchen konfrontiert. Seine Antwort: “Es war einfacher, ein Agenturbild zu nehmen. Und auch technisch wäre es anspruchsvoll gewesen, echte Personen zu nehmen.” Nicht gerade so volksnah, wie sich der FDP-Mann aus Zuzwil für den zweiten Wahlgang vom 24. April präsentieren will.

Unter Kosten- und Zeitdruck

Kampagnenleiter Sven Bradke rechtfertigt den Griff zum Agenturbild mit günstigen Kosten und dem enormen Zeitdruck, unter welchem das Plakat entstanden sei. “Die Kampagne musste in drei Tagen entstehen. Und in drei Tagen hat man keine Zeit für ein grosses Fotoshooting”, sagt er dem Regionaljournal. Fragt sich, weshalb die Partei unter Zeitdruck stand, denn mit einem zweiten Wahlgang musste sie wohl rechnen.

Umgestellt und aufgehellt

FM1Today hat sich das Originalbild der Bildagentur Fotolia gekauft und mit der Mächler-Montage verglichen. Was auffällt, ist dass ein dunkelhäutiger “Fan” durch einen weissen ausgetauscht wurde. Mächler erklärt dies gegenüber dem Regionaljournal folgendermassen: “Das musste man aus Platzgründen ändern.” Die Antwort erstaunt, denn der weisse Fan nimmt genau gleich viel Platz ein wie der dunkelhäutige. Auch wurden die Personen generell aufgehellt. Hier der Vergleich:

20160405fotolia-bild

Original von Fotolia

 

Montage der FDP

“Kein Multi-Kulti”

Sven Bradke nimmt auf Anfrage von FM1Today ebenfalls Stellung: “Die Menschengruppe wurde für alle möglichen Grössenformate benutzt und verschieden zusammengeschnitten.” Was man jetzt im Hintergrund von Marc Mächler sehe, sei zwar nicht Multi-Kulti, aber “eine Menschenmenge, welche unseren Kulturkreis abbildet”. “Es ging uns um die verschiedenen Formate, wir wollten niemanden diskriminieren.”

Fans sind nicht exklusiv

Die Bilddatei ist übrigens für ein paar Euro für jedermann zu haben. Kein Wunder also, dass die vermeintlichen Mächler-Fans schon für vielerlei Zwecke eingespannt worden sind. So wirbt beispielsweise das Glaubenszentrum St.Margrethen mit denselben Leuten oder auch ein Hersteller von Diätshakes. Mehr Bilder findest du in der Galerie.

Kampagnenleiter Sven Bradke nimmt auf TVO Stellung:


Newsletter abonnieren
5Kommentare
noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel