Marija: «Sie machen mein ganzes Leben kaputt»

Von Lara Abderhalden
Ihre Freunde kämpften mit Marija (im orangen Shirt) für ein Bleiberecht in der Schweiz.
Ihre Freunde kämpften mit Marija (im orangen Shirt) für ein Bleiberecht in der Schweiz. © TVO
Die 17-jährige Marija Milunovic aus Sargans wird in ihr Heimatland Serbien ausgewiesen. Obwohl sie gut integriert ist. Für Marija gibt es kaum mehr Hoffnung. Wir konnten mit der Jugendlichen sprechen.

Marija, am Donnerstag hast Du den Entscheid bekommen, dass Du ausgewiesen wirst.
Das hat mich sehr traurig gemacht. Ich habe einen positiven Entscheid erwartet. Es war enttäuschend.

Hast Du die Hoffnung nie aufgegeben?
Nein und ich gebe auch jetzt nicht auf. Obwohl es nicht mehr so viele Möglichkeiten gibt. Ich bin Optimistin.

Was würde denn eine Rückkehr für Dich bedeuten?
Das würde mein ganzes Leben zerstören. Ich lebe hier und bin gut integriert. All das wäre plötzlich weg. Ich kann mir das noch gar nicht vorstellen.

Ich habe doch nichts falsch gemacht?

Du würdest vor dem Nichts stehen?
Ja. Hier habe ich alles: Familie, Freunde und auch die Schule.

Hat das Migrationsamt des Kantons St.Gallen denn dies nicht so gesehen?
Die wollten mir das einfach nicht glauben. Niemand dort kann sich vorstellen, was dieser Entscheid für mich bedeutet. Ich habe doch nichts falsch gemacht? Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute auf dem Amt meinen, ich sei ein Spielzeug und man mit mir alles machen könne.

Keine einfache Situation.
Ich stehe vor dem Nichts, sie machen mein ganzes Leben kaputt.

Hat niemand auf dem Amt Verständnis gezeigt?
Nein, das gibt es auf dem Migrationsamt nicht.

Dafür hast Du ein starkes Umfeld.
Mein Trainer beim FC Balzers hat viel für mich gemacht und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Auch der FC hat sich sehr für mich eingesetzt. Ich bedanke mich für jede Unterstützung.

Wie geht es nun die nächsten Tage weiter?
Ich habe keine Ahnung. Ich bin einfach nur traurig und wünsche, dass nie jemand eine solche Erfahrung machen muss.

Ich habe immer Angst, dass ein Brief mit dem Datum kommt.

Kannst Du da überhaupt noch normal leben?
Wenn ich beschäftigt bin, kann ich es ein bisschen vergessen. Aber im Hinterkopf ist meine Ausweisung immer.

Weisst Du denn konkret, wann Du gehen musst?
Nein. Auf dem Amt wurde ich gefragt, ob ich freiwillig gehen will. Da habe ich Nein gesagt. Wenn ich das könnte, wäre ich schliesslich schon früher gegangen. Jetzt wird die Ausreise für mich organisiert und das dauert noch ein bisschen.

Ein Datum steht also noch nicht fest?
Es wird sicher ein bis zwei Monate dauern. Ich habe immer Angst, dass ein Brief mit dem Datum kommt. Es könnte ja schon morgen so weit sein. Ich weiss nicht, was ich machen soll.

Eine Rettung wäre ja noch ein Au-Pair-Job im Fürstentum Liechtenstein. 
Das wäre natürlich gut und ich wäre froh, wenn das klappen würde. So könnten wir auch ein bisschen Zeit gewinnen und der Anwalt würde vielleicht eine andere Lösung finden.

Was ist das für ein Gefühl, wenn man sich nichts zu Schulden kommen liess und ausgewiesen wird, während andere Menschen hier bleiben dürfen?
Ich spreche nicht über andere Menschen.

Weiteres zu Marija, die das Land verlassen muss, im Beitrag von TVO:


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