Masern an St.Galler Schule ausgebrochen

Von Laurien Gschwend
Ohne Impfung gegen Masern müssen die St.Galler Schulkinder drei Wochen lang daheim bleiben (Archiv).
Ohne Impfung gegen Masern müssen die St.Galler Schulkinder drei Wochen lang daheim bleiben (Archiv). © KEYSTONE/CHROMORANGE/Media for Medical
Eine Schule in der Stadt St.Gallen ist von einem Masernfall betroffen. Möchten nicht geimpfte Kinder weiterhin den Unterricht besuchen, so müssen sie sich schnellstmöglich impfen lassen – zum Leidwesen einiger Eltern. 

“Ich bin bestürzt über einen Anruf, den ich von der Schule erhalten habe”, sagt eine Mutter aus St.Gallen gegenüber Radio FM1. Im Oberstufenzentrum ihres Sohnes sei eine Masern-Epidemie ausgebrochen. Werde ihr 14-jähriges Kind nicht bis zum Abend oder spätestens bis zum nächsten Morgen geimpft, so werde es drei Wochen von der Schule suspendiert.

Vorgehen ist “eine Anmassung”

“Ich bin extrem schockiert und perplex”, beschreibt die St.Gallerin ihre Gefühle. Grundsätzlich sei sie aufgrund der Nebenwirkungen gegen Impfungen. Aber anscheinend bleibe ihr gar nichts anderes übrig, als ihren Sohn zum Kinderarzt zu schicken, “sonst verpasst er drei Wochen vom Schulstoff”. Der Mutter liegen kaum Informationen vor. Sie habe viel zu wenig Zeit, sich mit der Materie bekannt zu machen. Die Situation hält sie für “eine Anmassung”.

Genügend Zeit, um Schlimmeres zu verhindern

Bei der Stadt St.Gallen bestätigt man auf Anfrage, dass es einen Masernfall gibt. Eine nicht geimpfte Schülerin vom Oberstufenzentrum Schönau sei von der Krankheit betroffen. Der schulärztliche Dienst habe Empfehlungen an die Eltern abgegeben, die Kinder doch bis morgen Freitagabend impfen zu lassen. Eine Epidemie sei noch nicht ausgebrochen, deshalb habe man genügend Zeit, um entsprechende Massnahmen zu ergreifen.

Masern können tödlich enden

“Der schulärztliche Dienst hat umgehend die nötigen Abklärungen getätigt. Auch wurde mit den Eltern nicht geimpfter Schülerinnen und Schüler der betroffenen Schule persönlich Kontakt aufgenommen, und das Angebot für eine raschestmögliche Nachimpfung gemacht”, schreibt die Stadt gegen Abend in einer Mitteilung. “Einzelne Masernkomplikationen sind besonders gefürchtet, da sie tödlich verlaufen oder Restschäden hinterlassen können”, ist dem Communiqué zu entnehmen.

Markus Betschart, St.Galler Kantonsarzt, warnt davor, Masern als eine “harmlose Kinderkrankheit” zu sehen. Sie können schwere Komplikationen wie Hirn- und Lungenentzündungen mit sich bringen. Bislang wurde im Oberstufenzentrum Schönau erst ein Masernfall verzeichnet, die Krankheit könne sich aber schnell verbreiten. Gezwungen werde niemand, allerdings werde dringend empfohlen, sich impfen zu lassen. “Wenn man sich in den ersten drei Tagen impft, ist die Wahrscheinlichkeit sehr klein, ebenfalls an Masern zu erkranken”, sagt Betschart.

Bund schreibt Impfung vor

Entscheidet man sich gegen eine Spritze, “erfolgt ein Ausschluss für die maximale Inkubationszeit von 21 Tagen”, heisst es in den “Richtlinien zur Bekämpfung von Masern und Masernausbrüchen” des Bundes. “Der Kantonsarzt kann Schulausschlüsse, die vorübergehende Schliessung einer Schulklasse, einer Gruppe innerhalb einer Kinderkrippe oder Kindertagesstätte oder einer gesamten Einrichtung verfügen”, ist dem Dokument weiter zu entnehmen.

masere

Richtlinien des Bundes zum Umgang mit Masern (zvg)

Deutlich mehr Masernfälle als im Vorjahr

Anfang des Monats vermeldete die “Berner Zeitung”, dass dieses Jahr bereits 46 Personen an Masern erkrankt sind. Laut Bundesamt für Gesundheit sind das mehr als im gesamten letzten Jahr. Wie das Medium schreibt, ist der Anstieg auf drei Ausbrüche zurückzuführen. In zwei Fällen sind die Masern aus dem Ausland importiert worden. “Die meisten Erkrankten seien nicht oder nicht vollständig gegen Masern geimpft gewesen”, heisst es im Artikel weiter. Fakt ist: Das Ziel einer masernfreien Schweiz ist noch lange nicht erreicht, wie der jüngste Fall in der Stadt St.Gallen zeigt.

Die eingangs erwähnte Mutter des 14-jährigen Schülers muss sich nun Gedanken machen, wie es für ihren Sohn weitergeht. “Es kann durchaus sein, dass ich ihn die nächsten drei Wochen zu Hause behalten werde”, sagt sie.


Newsletter abonnieren
10Kommentare
noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel