Mehr als 50 Journalisten weltweit als Geiseln gehalten

Einer unter vielen: US-Reporter Simon Ostrovsky wurde 2014 von ostukrainischen Separatisten festgehalten (Symbolbild).
Einer unter vielen: US-Reporter Simon Ostrovsky wurde 2014 von ostukrainischen Separatisten festgehalten (Symbolbild). © /AP/EFREM LUKATSKY
Im Jahr 2015 sind weltweit weniger Journalisten entführt worden als im Jahr zuvor. Zum Jahresende befinden sich aber mehr Medienvertreter in Geiselhaft als Ende 2014, wie die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) am Dienstag mitteilte.

Insgesamt würden derzeit 54 Journalisten als Geiseln festgehalten, darunter eine Frau, schreibt RSF. Den Anstieg erklärte die Organisation mit der Verschärfung des bewaffneten Konflikts im Jemen.

Weniger Entführungen

Bei den Entführungen (insgesamt 79) sei ein Rückgang um 34 Prozent zu verzeichnen. Grund dafür sei die Beruhigung der Lage im Osten der Ukraine. Acht Journalisten gelten als verschwunden – es handelt sich nach den Kriterien von RSF um Fälle, in denen unklar ist, ob Medienvertreter getötet oder entführt wurden.

In Syrien gebe es die meisten Geiselnahmen von Journalisten: derzeit insgesamt 26. Unter den in Syrien und dem Irak aktiven nichtstaatlichen Gruppen sei die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) der grösste Geiselnehmer; der IS habe gegenwärtig 18 Medienvertreter in seiner Gewalt. In einigen Zonen des Konfliktgebiets habe sich eine “regelrechte Geiselindustrie” entwickelt, schreibt RSF.

Journalisten bedroht

Angaben zu den 2015 bei der Arbeit getöteten Journalisten machte RSF in diesem Bericht nicht. Diese Zahlen legt die Organisation wie jedes Jahr erst Ende Dezember vor.

Bei den inhaftierten Medienvertretern verzeichnete RSF mit derzeit 153 einen Rückgang von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Weiterhin seien Journalisten in China, Ägypten, dem Iran und in Eritrea besonders von staatlicher Repression und Haft bedroht.

Das internationale Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) geht von einer höheren Zahl inhaftierter Journalisten weltweit aus als RSF. Laut CPJ werden noch 199 Journalistinnen und Journalisten festgehalten, etwas weniger als im Vorjahr.

Situtation in Türkei und Ägypten verschlechtert

Dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht der Organisation zufolge haben China und Ägypten die meisten Journalisten inhaftiert. 2015 wurden demnach in China 49 Journalisten verhaftet, fünf mehr als im Vorjahr. In Ägypten waren es 23 im Vergleich zu 12 im Jahr 2014.

In Ägypten sowie in der Türkei habe sich die Lage für Journalisten 2015 am deutlichsten verschlechtert, hiess es weiter. In der Türkei seien derzeit 14 Journalisten in Haft im Vergleich zu 7 im Vorjahr. 2014 hatte die Türkei noch Dutzende inhaftierte Journalisten freigelassen. Unter anderem im Iran, in Vietnam sowie in Äthiopien sei die Zahl der inhaftierten Journalisten zurückgegangen, heisst es in dem Bericht.

(SDA)


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