Mehr als nur ein Boxer

Hugo Brot unterrichtete bis ins hohe Alter.
Hugo Brot unterrichtete bis ins hohe Alter. © Rudolf Käser/St.Galler Tagblatt Archiv

Seine Statistik ist eindrücklich und wurde immer wieder gerne zitiert – auch von ihm selbst: 438 Kämpfe, 28 Niederlagen und 44 Unentschieden. Hugo Brot prägte den Amateurboxsport in der Schweiz. Dass ihm eine grosse internationale Karriere verwehrt bliebt, lag auch an Brot selbst. «Ich wurde für die Nationalmannschaft aufgeboten. Allerdings durfte ich zuvor einen Kampf nicht verlieren. Irgendwann habe ich diese Spielchen nicht mehr mitgemacht», sagte die St.Galler Boxlegende.

Brot und seine Zeit als Lausbube

Diese Gradlinigkeit zeichnete Brot sein ganzes Leben aus. Die Geschichten sind in St.Gallen weitherum bekannt: Wie bei ihm als kleiner Bub Tuberkulose diagnostiziert worden ist und er dem Pfarrer, der ihm die letzte Ölung geben wollte, sagte, er solle sich zum Teufel scheren. Wie er als Achtjähriger mehrmals aus dem Spital abgehauen ist. Wie er als Teenager mit den Alkis in Basel unter der Rheinbrücke lebte – und nie Alkohol getrunken habe. Wie er sich dem Sport gewidmet hat und als Leichtathlet und als Skispringer erfolgreich war. Wie er als Leichtgewicht zum Boxer wurde. Wie er seine Gegner mit der linken Geraden und seinem rechten Haken immer wieder bezwingen konnte.

Ein grossartiger Geschichtenerzähler

Hugo Brot war ein mindestens so grosser Geschichtenerzähler, wie er auch ein Boxer und Mensch war. Von seinen Schülern, die er bis weit über 80 noch unterrichtete, erwartete er nicht in erster Linie boxerische Qualitäten, sondern Fairness, Aufrichtigkeit und Anstand. Der Boxclub St.Gallen ist eng mit dem Namen Brot verbunden. Unter Hugo Brot wurde der Verein zu einer Institution in der Schweizer Boxlandschaft, heute steht Tochter Geraldine Brot den Boxclub St.Gallen vor.

(rr)


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