Mehr Jugendliche greifen zum Glimmstengel

Mehr Jugendliche greifen zum Glimmstengel
© KEYSTONE/Martin Ruetsch
Der Anteil der Raucher zwischen 15 und 19 Jahren nimmt wieder zu. Für die Lungenliga ist die Tabakwerbung verantwortlich: Zigarettenhersteller würden direkt auf Jugendliche zielen.

Der aktuelle Suchtmonitoring-Bericht wartet mit einem überraschenden Ergebnis auf: Junge Frauen und Männer konsumieren wieder vermehrt Tabak. 2013 gaben 22,7 Prozent der 15- bis 19-Jährigen an, zu den Rauchern zu gehören. 2014 waren es bereits 26,6 Prozent. Bei jungen Männer stieg der Anteil von 24 auf 27,7 Prozent, bei den heranwachsenden Frauen von 21,4 auf 25,4 Prozent. Bisherige Studien haben aufgezeigt, wie seit der Jahrtausendwende in der Schweiz der Anteil der jugendlichen Raucher entweder rückläufig oder stabil gewesen war.

Somit greifen mehr Jugendliche zum Glimmstengel als der Schweizer Durchschnitt. Gemäss neuesten Erkenntnisse rauchen 24,9 Prozent der Bevölkerung. In den Jahren 2013 und 2012 lagen die Werte bei 25 respektive 25,9 Prozent.

Die Rundschau berichtet heute Abend über eine neue Studie des Bundesamts für Gesundheit. Diese kommt zu einem ähnlichen Resultat. Der Anteil der minderjährigen Raucher zwischen 15 und 17 Jahre stieg von 18,7 Prozent im Jahr 2012 auf 20,7 Prozent 2014. Ebenfalls zugenommen hat der Anteil der Raucher im Alter von 15 bis 25 Jahre – von 30 Prozent im Jahr 2012 auf 31,6 Prozent im letzten Jahr.

Private Parties sponsoren

Die Lungenliga Schweiz führt den Anstieg der jungen Rauchenden auf die Werbestrategie der Tabakindustrie zurück. „Die Tabakwerbung zielt massiv auf Jugendliche“, sagt Mediensprecherin Barbara Weber.  Dies vor allem an Kiosken und an Openairs, wo die Zigarettenmarken mit Ständen, Verkaufsaktionen, Gadgets und Plattformen omnipräsent seien.

Weber verweist auf eine Untersuchung der Westschweiz. Darin wird aufgezeigt, dass mehr als die Hälfte der Kioske Werbung für Tabakwaren machten. In 39 Prozent der Fälle befanden sich Tabakwerbung oder gar Tabakwaren direkt neben Süssigkeiten; mehr als ein Drittel der Werbung befand sich auf Höhe von Kinderaugen.

Die Tabakindustrie geht aber noch weiter. Weber berichtet von einem neuen, fragwürdigen Trend in der Westschweiz: “Firmen sponsoren neuerdings private Parties und stellen Zigaretten sowie Alkohol gratis zur Verfügung. Wer kann so den Jugendschutz garantieren?”, sagt die Mediensprecherin.

Generelles Werbeverbot gefordert

Lungenliga und andere Gesundheitsorganisationen fordern deshalb ein generelles Werbeverbot. Der Bund will davon noch nichts wissen. Im Tabakprodukgesetz, das derzeit überarbeitet wird, macht der Bundesrat trotz heftiger Proteste Ausnahmen, etwa bei Openairs.

Laut Lungeliga ist Rauchen für Jugendliche besonders schädlich. “Je früher der Einstieg, desto schwieriger der Ausstieg”, sagt Weber. Sechs von zehn Rauchenden würden anfangen, bevor sie 18jährig sind. Die Auswirkungen sind gemäss Weber verheerend: Jugendliche, die rauchen, riskieren, dass ihre Lungen nie die volle Kapazität erreichen. Die Hälfte der Erwachsenen, die regelmässig rauchen, stirbt vorzeitig an tabakbedingten Krankheiten. In der Schweiz sterben jährlich mehr als 9000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

(red)


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