Immer mehr Asylsuchende verschwinden

Immer mehr Asylsuchende verschwinden
© Keystone/TI-PRESS/CARLO REGUZZI
20 bis 40 Prozent der Menschen, die zunächst gegenüber Schweizer Behördenvertretern die Absicht geäussert haben, ein Asylgesuch stellen zu wollen, sind in den vergangenen drei Monaten unkontrolliert verschwunden. Das sind mehr als früher.

Dass Asylsuchende unkontrolliert aus Strukturen des Staatssekretariates für Migration (SEM) abreisten, bevor ihre Asylgesuche formell vollständig registriert seien, sei nicht neu, sagte SEM-Sprecherin Céline Kohlprath zu einem Bericht der «SonntagsZeitung» und der Zeitung «Le Matin Dimanche».

Speziell am Sommer 2016 sei jedoch der «erhöhte Anteil von Personen, der vorgibt, in der Schweiz ein Asylgesuch stellen zu wollen, jedoch so rasch wie möglich irregulär weiterreisen will.»

Im Juni, Juli und August verschwanden demnach 20 bis 40 Prozent aller Menschen, die kundgetan hatten, ein Asylgesuch stellen zu wollen. Das mehr Asylsuchende diesen Weg wählten als früher, ist in den Augen des SEM «als Folge eines kontrollierten, konsequenten Asylsystems zu interpretieren».

Viele Asylsuchende kommen zurzeit über die Südgrenze in die Schweiz. Im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso wird laut Kohlprath versucht, mit einer raschen Erfassung der Daten der Asylsuchenden in die Dublin-Datenbanken zu verhindern, dass Menschen untertauchen. «Das zeigt allerdings nicht in allen Fällen Wirkung.»

Gibt es in Chiasso nicht genügend Kapazität, werden Asylsuchende seit dem Sommer mehrheitlich mit Bussen direkt in andere Empfangs- und Verfahrenszentren gebracht. Damit wollen die Verantwortlichen verhindern, dass diese Asylsuchenden unterwegs untertauchen.

Laut dem SEM gibt es keine Anzeichen dafür, dass wegen der vermehrt verschwundenen Asylsuchenden mehr Sans Papiers in der Schweiz leben. Beim Bund geht man davon aus, dass die Untergetauchten in Richtung Deutschland weiterreisen.

Gemäss der Asylstatistik von Ende Juli wurden seit Anfang Jahr über 4800 unkontrollierte Abreisen registriert. Die meisten dieser Verschwundenen stammen aus afrikanischen Ländern, wie Zahlen zeigen, die das SEM im Internet veröffentlichte.

(SDA)


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