“Mein Robert ist jetzt ein Diamant”

Immer mehr Menschen lassen ihre Asche zu einem Diamanten pressen.
Immer mehr Menschen lassen ihre Asche zu einem Diamanten pressen. © FM1Today/Raphael Rohner
Ein Ostschweizer Unternehmen verwandelt Kremationsasche in funkelnde Diamanten und erobert damit die ganze Welt. Eine wunderbare Sache, finden Angehörige.

“Ich habe meinen verstorbenen Robert noch immer jeden Tag ganz nah bei mir”, sagt die 75-jährige Erika Ott und streichelt ihren Ring. Im Ring eingelassen ist ein kleiner, bläulich schimmernder Diamant, den sie aus der Asche ihres verstorbenen Ehemannes Robert machen liess. “Es ist schon wahnsinnig, dass ein ganzer Mensch zu so einem kleinen Diamanten gemacht werden kann”, sagt Ott. Für sie ging damit ein Wunsch in Erfüllung. Ihr war es schon zu Lebzeiten ihres Mannes klar, dass sie ihn zu einem Edelstein machen wollte: “Es ist einfach ein schönes Gefühl zu wissen, dass er mich immer noch jeden Tag begleitet.” Ob sie mit ihrem Hund Nadal Gassi geht oder ob sie Musik hört.

“Die Idee kam mir, als bei mir Krebs diagnostiziert wurde”

Der verstorbene Robert Ott ist einer von ungezählten Menschen, die sich für diese alternative Bestattungsart entschieden haben. Dabei wird reiner Kohlenstoff aus der Kremationsasche gewonnen und unter extremem Druck und Hitze zu einem echten Diamanten gezüchtet. Die Idee dazu hatte Rinaldo Willy, nachdem bei ihm mit 21 Jahren Krebs diagnostiziert wurde: “Ich musste mich mit dem Tod befassen und mit den Möglichkeiten über Bestattungen. Dabei hörte ich von einem russischen Forscher, der synthetische Diamanten aus Asche herstellen konnte.” Der gelernte Kaufmann sah den englischen Fernsehbeitrag und missverstand, dass es sich bei dieser Asche um Kremationsasche handelte: “Schlussendlich war mein Verhörer der Grundstein für meine Idee.”

Asche aus der ganzen Welt wird in Domat/Ems verarbeitet

Heute ist das Bündner Unternehmen weltweit tätig. Jeder Erinnerungsdiamant wird in Domat/Ems hergestellt und dann versendet: “Jede Woche kommen Anfragen aus dem Ausland, aktuell sind es sehr viele aus dem asiatischen Raum und aus Übersee”, erklärt Willy, während der Kurier Asche von Verstorbenen aus aller Welt anliefert. Willy: “Die Menschen wollen etwas von ihren Angehörigen behalten und dazu brauchen wir mindesten 500 Gramm der Asche.” In 21 Ländern hat die Firma Algordanza Vertreter, die sich im Falle einer Diamant-Bestattung vor Ort um die Details und den Versand der sterblichen Überreste kümmern.

Nach dem Tod wieder Hand in Hand

Im Fall von Robert Ott kümmerte sich ein Ostschweizer Bestatter um den Ablauf. Simon Abderhalden, vom Bestattungsdienst Vorderland betreute Frau Ott bei ihrem Wunsch, ihren Ehemann zu einem Diamanten machen zu lassen: “Man wird immer wieder nach dieser Bestattungsart gefragt, doch gehen nur wenige den Schritt.” Die Wartezeiten für einen Erinnerungsdiamanten und die Kosten dafür seien recht gross, so schlägt ein einfacher Stein mit einigen Tausend Franken und drei bis sechs Monaten Wartezeit zu Buche. Für Ott war dies kein Hinderungsgrund: “Ein Grab kostet auch und man muss immer da hin um zu jäten und das Grabfeld zu pflegen.” Jetzt geht Frau Ott mit ihrem Mann am Finger durch das Leben und hat ihn dort, wo sie ihn auch zu Lebzeiten hatte – an der Hand.

(rar)

 Zum TVO-Bericht:


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