«Meine Kühe laufen aus»

Der 26-jährige Bauer Florian Schweizer musste bange Stunden aushalten.
Der 26-jährige Bauer Florian Schweizer musste bange Stunden aushalten. © FM1Today/Raphael Rohner
Für Menschen in der Stadt ist ein Stromausfall meistens nur eine lästige Angelegenheit. Wie ernst ein mehrstündiger Ausfall für Landwirte allerdings werden kann, weiss der Hemberger Milchbauer Florian Schweizer. Er kriegte es langsam aber sicher mit der Angst zu tun.

«Seit 15 Uhr haben wir keinen Strom mehr.» Mit diesen Worten meldet sich Florian Schweizer aus Hemberg am späteren Freitagnachmittag per Facebook bei FM1Today. Er betreibt zusammen mit seinem Vater in Bächli bei Hemberg, nahe der Grenze zu Appenzell Ausserrhoden, einen Bio-Betrieb mit etwa 20 Milchkühen und ca. 30 Stück Jungvieh. Der fehlende Strom sei in der Regel kein Problem, wenn er nicht länger als eine Stunde wegbleibt. Allerdings sah sich der 26-jährige nach gut vier Stunden Stromausfall mit einem grossen Problem konfrontiert: Seine Kühe wurden seit über 10 Stunden nicht mehr gemolken.

Besorgnis weicht der Angst

Auf dem Hof zeigt Florian Schweizer mithilfe seiner Handy-Lampe die unruhigen Tiere. «Einige der Euter meiner Tiere laufen bereits aus. Das ist ein Schutzmechanismus, damit das Euter nicht platzt.» Wenn die Milch unkontrolliert ausläuft, ist auch der Milchkanal offen und die Milch könnte schlecht werden. Die Tiere sind dadurch erheblichen Schmerzen ausgesetzt. «Ab 15 bis 18 Stunden in diesem Zustand spricht man von Tierquälerei», sagt Schweizer.

Euter zum Bersten voll

Plötzlich die Erleichterung: Das Licht geht wieder an, Gerätschaften fangen an zu surren. «Endlich!», entfährt es Florian Schweizer. Ein Lachen macht sich auf seinem Gesicht breit und der 26-jährige beginnt sofort, seine Kühe in Richtung Melkmaschine zu treiben. «Siehst du das? Diese Kuh hat bestimmt schon einen oder zwei Liter Milch verloren, als sie warten musste.» Die Kuh steht schwerfällig auf und macht sich breitbeinig auf den Weg in Richtung Melkanlage. «Es ist hart wie Beton», sagt der junge Landwirt, als er über die adrige Haut des Euters fährt. Die angesprochene Kuh hat schliesslich über 20 Liter Milch gegeben.

Das Video aus Hemberg

Knapp an der Katastrophe vorbei

Wäre der Strom noch länger ausgefallen, hätten wir uns überlegen müssen, unser Vieh irgendwo hin zu transportieren, um es melken zu lassen», sagt Schweizer. In diesem Fall sei jetzt noch einmal alles gut ausgegangen. Ein längerer Stromausfall hätte allerdings gravierende Folgen haben können. «Für viele Leute ist ein Stromausfall keine grosse Sache. Für uns ist ein derart langer Ausfall allerdings ziemlich schnell ein riesengrosses Problem.» Nach gut einer Stunde waren alle Kühe auf dem Hof vollkommen erleichtert und konnten sich im Stall ihrem redlich verdienten Schlaf hingeben.

Nicht nur Florian Schweizer war vom Stromausfall betroffen. Verschiedene Anwohner in Bächli waren stundelang ohne Strom und sassen Abends im Dunkeln.

(Text: Sandro Zulian / Foto und Video: Raphael Rohner)


Newsletter abonnieren
6Kommentare
noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel