Merkel trifft Erdogan erstmals seit Putschversuch in der Türkei

Merkel trifft Erdogan erstmals seit Putschversuch in der Türkei
© KEYSTONE/EPA/TIM BRAKEMEIER
Ein Schritt zur in Richtung Annäherung: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ist am Rande des G20-Gipfels im chinesischen Hangzhou erstmals seit dem Putschversuch in der Türkei mit Präsident Recep Tayyip Erdogan zusammengetroffen.

Nach Angaben eines deutschen Regierungssprechers kam es am Sonntag kurz vor dem offiziellen Beginn der Konferenz der G20-Staats- und Regierungschefs zu einem bilateralen Gespräch der beiden. «Das Gespräch verlief konstruktiv», sagte ein Sprecher der Kanzlerin im Anschluss.

Themen seien die deutsch-türkischen Beziehungen, die weitere Umsetzung des EU-Türkei-Abkommens und die gemeinsame Sorge über den andauernden syrischen Bürgerkrieg, gewesen. Der Sprecher liess damit offen, ob auch über einen etwaigen Besuch von Parlamentariern bei den deutschen Soldaten im türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik gesprochen wurde, die dort den Kampf gegen die Extremistenmiliz IS unterstützen.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind seit geraumer Zeit angespannt. Die Armenien-Resolution der Bundestages, in der dem Osmanischen Reich vor 100 Jahren Völkermord an Armeniern vorgeworfen wurde, hatte in der Türkei für massive Verstimmung gesorgt. Erdogan hatte daraufhin Bundestagsabgeordneten den Besuch der Soldaten in Incirlik verwehrt.

Nachdem die Bundesregierung nun aber darauf hingewiesen hatte, dass diese Resolution keine Rechtswirkung habe, waren Hoffnungen aufgekeimt, dass die Spannungen zwischen beiden Ländern damit entschärft werden könnten.

Es war das erste Treffen zwischen Merkel und Erdogan seit dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei Mitte Juli. Die türkische Regierung verübelte es der EU, dass nach den dramatischen Ereignissen zunächst keine ranghohen Europäer ihre Solidarität mit der Regierung und ihr Mitgefühl für die Getöteten durch persönliche Besuche im Land ausgedrückt hatten. Die Europäer wiederum kritisierten Massenverhaftungen und Entlassungen tausender vermeintlicher Regierungsgegner.

Die Türkei hatte am Samstag zugesichert, trotz der Spannungen seit dem Putschversuch am Flüchtlingsabkommen mit der EU festzuhalten. Ankara und die EU hatten im März vereinbart, dass die Türkei alle Flüchtlinge zurücknimmt, die auf den griechischen Ägäis-Inseln eintreffen und deren Asylanträge abgelehnt wurden. Im Gegenzug sagte die EU zu, für jeden abgeschobenen Syrer auf legalem Weg einen anderen syrischen Flüchtling aus der Türkei aufzunehmen.

(SDA)


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