Ermittler: MH17 von pro-russischem Rebellengebiet aus abgeschossen

Teile des rekonstruierten MH17-Flugzeugs bei der Präsentation des Abschlussberichts zum Absturz der Maschine über der Ostukraine. Das Cockpit wurde auf der linken Seite von einer Buk-Rakete getroffen.
Teile des rekonstruierten MH17-Flugzeugs bei der Präsentation des Abschlussberichts zum Absturz der Maschine über der Ostukraine. Das Cockpit wurde auf der linken Seite von einer Buk-Rakete getroffen. © KEYSTONE/AP/PETER DEJONG
Das über der Ostukraine abgestürzte Passagierflugzeug MH17 wurde nach Angaben der niederländischen Flugsicherheitsbehörde vom Gebiet der pro-russischen Rebellen aus abgeschossen. Das sagte der Vorsitzende der Behörde, Tjibbe Joustra, dem niederländischen Fernsehen.

Bei der offiziellen Vorstellung des Abschlussberichtes am Dienstag hatte Joustra noch erklärt, dass nicht genau festzustellen sei, wo die Rakete abgefeuert wurde. Später sagte er jedoch dem niederländischen Fernsehen: “Es ist ein Gebiet, wo die Grenzen fliessend waren. Aber es ist ein Gebiet, wo die pro-russischen Rebellen die Kontrolle hatten.” Das bestätigte eine Sprecherin der Flugsicherheitsbehörde.

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk zeigte sich ebenfalls überzeugt, dass an der Seite der Rebellen kämpfende russische Soldaten die Rakete abgeschossen hätten. Nur ausgebildete russische Soldaten – und nicht Rebellen – hätten das Raketensystem bedienen können.

Die Ukraine und Russland machen sich gegenseitig für den Abschuss verantwortlich. Die Boeing der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 über der Ost-Ukraine mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden. Alle 298 Menschen an Bord starben.

“Flug MH17 stürzte in Folge der Explosion eines Sprengkopfes ausserhalb der Maschine links vom Cockpit ab”, sagte der Chef der Niederländischen Flugsicherheitsbehörde (OVV), Joustra, am Dienstag bei der offiziellen Präsentation der Ermittlungsergebnisse auf dem Luftwaffenstützpunkt Gilze-Rijen, wo die Wrackteile untersucht worden waren.

Derartige Sprengköpfe gehörten normalerweise zu Buk-Raketen russischer Bauart, hiess es weiter. Diese sind sowohl in der ukrainischen als auch der russischen Armee im Einsatz.

Die von internationalen Experten unterstützten niederländischen Ermittler konnten nach eigenen Angaben aber nicht den exakten Abschussort der Rakete lokalisieren.

Die Ermittler betonten, dass ihre Aufgabe nicht gewesen sei, den Verantwortlichen für den Abschuss zu benennen. Dies sei den strafrechtlichen Ermittlungen vorbehalten.

Westliche Länder wie die USA werfen Russland vor, den Rebellen in der Ostukraine die Rakete zumindest geliefert zu haben. Moskau weist jede Verantwortung kategorisch zurück.

Ebenfalls am Dienstag legte der russische Hersteller der Buk-Raketen seine Sicht der Dinge dar: Es sei eigens ein Test vorgenommen worden, bei dem eine Buk-Rakete auf eine ausgediente Iljuschin-Maschine abgefeuert worden sei, erklärte das Staatsunternehmen Almaz-Antey.

Demnach habe es sich bei dem Abschuss um eine alte Buk-Version vom Typ 9M38 handeln müssen, die vom russischen Militär seit 2011 nicht mehr verwendet werden dürfe. Die Rakete könne nicht – wie in Zeitungen berichtet – vom Gebiet der prorussischen Rebellen aus abgeschossen worden sein, sondern nur von umkämpftem Gebiet in der Ostukraine.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen