Migros nimmt Apfelschnitzli aus Sortiment

Von Laurien Gschwend
Wegen dieser Apfelschnitze wird die Migros heftig kritisiert.
Wegen dieser Apfelschnitze wird die Migros heftig kritisiert. © Facebook/Chris Frösch
Dass die Migros neu in Plastik verpackte Apfelschnitze verkauft, halten viele FM1Today-Leserinnen und -Leser für «völlig daneben». Die Detailhändlerin reagiert auf die Kritik und nimmt das Produkt aus dem Sortiment.

«Die Menschheit ist am verblöden», «Da könnte ich platzen wie ein Plastiksäckli», «Schlechte Vorbildfunktion» – auf Facebook sind sich die FM1Today-Leserinnen und -Leser einig, dass die Migros keine Apfelschnitze in Plastik verkaufen sollte. Das sei eine «unnötige Verschwendung von Ressourcen», schreibt Sonja. Matzi hält die Unternehmensphilosophie der Schweizer Detailhändlerin für widersprüchlich: «Man fängt an, Plastiksäcke wegzunehmen für die Umwelt, packt dann aber Apfelschnitze in einen Plastikbeutel. Muss man das jetzt verstehen?»

«Müssen nicht jeden Blödsinn mitmachen»

Nur wenige können den «Sturm im Wasserglas» nicht verstehen, den ein enttäuschter Migros-Kunde mit einem Facebook-Post losgetreten hat. «Oh je, die Leute haben Sorgen. Ich glaube, die sind noch nie in den USA gewesen. Dort sind fertig geschnittene und abgepackte Früchte nichts Aussergewöhnliches», kommentiert Sandy auf FM1Today. «Das einzige, was ich höre, ist meckermecker», fügt jemand mit dem Pseudonym «mimimimi» an. Anton kontert: «Wir müssen nicht jeden Blödsinn aus den USA nachmachen. Ich brauche keine Äpfel in Plastikmüll.»

Auch unsere Umfrage zeigt ein klares Ergebnis: So sagen über 80 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Apfelschnitzli in Plastiksäcken «Völlig daneben!». Acht Prozent halten das neue Migros-Produkt für praktisch und würden es kaufen; rund elf Prozent sind der Meinung, jede und jeder könne selber entscheiden, ob sie oder er vorgeschnittene Äpfel essen möchte.

Migros bricht Pilotversuch ab

Vor drei Wochen hat die Migros in 20 Filialen der Kantone Bern, Solothurn und Aargau einen Versuch gestartet und die Apfelschnitze zum Verkauf angeboten. «Vorgeschnittene Früchte sind sehr im Trend und äusserst beliebt, vor allem in Filialen, die sich in der Nähe von Schulen und Büros befinden», sagt Andrea Bauer, Mediensprecherin der Migros Aare. Auch die Verkäufe der Apfelschnitze seien hoch gewesen. «Wegen der vielen negativen Reaktionen haben wir nun aber entschlossen, den Pilotversuch abzubrechen. Ende Woche gibt es die Schnitze nicht mehr zu kaufen.» Die Migros stelle sich immer wieder die Frage, welche Neueinführung sinnvoll sei und wie weit man gehen wolle. «Am Ende entscheidet der Kunde.»

Auch auf Facebook hat Migros Stellung bezogen.

Auch auf Facebook hat Migros Stellung bezogen. (Facebook/Migros)

Früchte wie Ananas und Mango wolle man auch in Zukunft vorgeschnitten in Plastikbehältern verkaufen. «Einen Apfel kann man aus dem Gestell nehmen, waschen und mit der Schale essen. Das geht bei anderen Früchten nicht», erklärt sich Bauer den Plastik-Zorn beim Obst. Meist habe man nicht das richtige Werkzeug dabei, um im Büro oder der Schule eine Ananas zu rüsten.

Eingeschweisste Eier und halbierte Avocados

Wenn du Apfelschnitze in Plastikfolie für unglaublich hältst, hast du diese «Innovationen» von internationalen Supermärkten noch nicht gesehen. «Wenn Orangen doch nur eine natürliche Schutzhülle hätten», lautet der Twitter-Kommentar zu diesem Bild von geschälten Orangen in Plastikdosen.

https://twitter.com/_youhadonejob1/status/970733510167334912

Laut dem Früchteimporteur Trachsel im aargauischen Brittnau reicht bei Bananen die Schale nicht aus. Eine Verpackung aus Styropor und Klarsichtfolie muss her.

Die Australier machen sich die Mühe, hartgekochte Eier zu schälen und sie dann einzuschweissen.

Ob es länger dauert, diese Avocados aufzutauen, oder die frischen Früchte zu schälen und ihren Kern zu entfernen, ist fraglich.

Weitere Lebensmittel in unnötigen Plastikverpackungen findest du in der Galerie.


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