Minderjährige Flüchtlinge ziehen ins Pestalozzi Dorf

Von fabienne_engbers
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Archivbild © Donato Caspari/Tagblatt
Der Kanton Appenzell Ausserrhoden bietet minderjährigen Jugendlichen, die ohne Eltern in der Schweiz leben, eine neue Unterkunft. Bis anhin wurden minderjährige Flüchtlinge zusammen mit Erwachsenen in ausserrhodischen Asylzentren, anderen Kantonen oder in Pflegefamilien untergebracht. Nun ziehen sie alle nach Trogen, ins Kinderdorf Pestalozzi.

Dort werden die knapp 30 Minderjährigen in zwei Häuser einquartiert. “Die Minderjährigen können sich so besser integrieren”, sagt der Ausserrhoder Landamman, Matthias Weisshaupt. Im Kinderdorf gibt es einen Fussballplatz, ein Beachvolleyballfeld und sogar ein Jugendtreff. Die Kinder sind hier unter sich. Die Abschottung zu den Erwachsenen sei wichtig für ihre Entwicklung.

Anpassung an ein Leben in der Schweiz

Die Jugendlichen, welche ins Kinderdorf Pestalozzi einziehen, sind zwischen 14 und 17 Jahre alt. Jüngere Kinder werden noch in Pflegefamilien untergebracht. “Die älteren Jugendlichen können schon selber auf sich schauen. Sie brauchen keine Pflegefamilie, sondern eine Gemeinschaft und eine gute Vorbereitung auf ihre Zukunft”, sagt Rolf Widmer, leiter des Vereins tipiti. Das Kinderdorf Pestalozzi stellt die Unterkunft zur Verfügung, für die Betreuung der Jugendlichen ist der Verein tipiti zuständig. Die Kinder lernen zuerst die deutsche Sprache. Zusätzlich werden sie im Kinderdorf psychologisch betreut, da viele der Jugendlichen aus einem Kriegsgebiet stammen und während ihrer Flucht ihre Eltern oder Geschwister verloren haben. Ausserdem sollen die Jugendlichen lernen, für sich selbst zu sorgen. Dazu gehört auch kochen, putzen und einkaufen.

Ziel ist, sich selbst versorgen zu können

Die Jugendlichen sollen nur circa ein halbes Jahr im Kinderdorf bleiben. Möglichst schnell sollen die Jugendlichen in einer Wohngemeinschaft alleine leben können. Im besten Fall können sie dann einen Beruf erlernen oder eine Anlehre machen.  Sie bleiben durch den Verein tipiti aber weiterhin betreut. So geht dieses Angebot auch nach dem Erreichen der Volljährigkeit für die Jugendlichen weiter. “Viele der asylsuchenden Jugendlichen sind nach dem 18. Lebensjahr immer noch auf Hilfe angewiesen und können noch nicht ganz ohne Unterstützung leben. Deshalb bieten wir ihnen auch nach der Volljährigkeit unsere Unterstützung an”, so Landamman Matthias Weisshaupt.

Renovation verschoben

Durch den Einzug der knapp 30 Jugendlichen verzögert sich die Renovation der Häuser im Kinderdorf. “Eigentlich wollten wir dieses Jahr mit der Renovation beginnen, da die Häuser doch schon etwas in die Jahre gekommen sind”, sagt Urs Karl Egger, Geschäftsleiter des Kinderdorfes Pestalozzi. Für dieses Projekt verzichtet man jedoch gern für einige Jahre auf die Renovation. Der Vertrag zwischen dem Kanton Appenzell Ausserrhoden und dem Kinderdorf Pestalozzi läuft für zwei Jahre. Danach wird über eine Verlängerung entschieden. Wenn die Kapazitätsgrenze von 45 Flüchtlingskindern erreicht wird, muss der Kanton eine neue Lösung suchen.


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