Mini-Gerät keltert Wein zu Forschungszwecken

Traubensaft fliesst durch die feinen Kanälchen auf einem Kunststoff-Chip, vorbei an Weinhefen, die den Zucker in Alkohol umwandeln.
Traubensaft fliesst durch die feinen Kanälchen auf einem Kunststoff-Chip, vorbei an Weinhefen, die den Zucker in Alkohol umwandeln. © EPFL/Alain Herzog
Gemeinsam mit Forschenden der EPFL entwickelt ein amerikanischer Professor einen Miniatur-Weinkeller auf einem Chip. Das Gerät soll Weinherstellern künftig helfen, die besten Weinhefen auszuwählen.

Daniel Attinger von der Iowa State University ist der Erfinder eines “Mikro-Weinkellers”: Das Gerät soll Weinherstellern helfen, Fermentationsprozesse besser zu verstehen und anzupassen, schrieb die ETH Lausanne (EPFL) am Mittwoch. Attinger war früher selbst EPFL-Student und ist nun an der Hochschule zu Gast, um sein Gerät mit Lausanner Kollegen weiter zu entwickeln.

“Der Klimawandel wirkt sich weltweit auf die Qualität der Traubenernte aus”, sagte Attinger – selbst Weinkenner – gemäss der Mitteilung. Durch die Hitze würden die Trauben mitunter zu schnell reif, die Weinlese müsste früher stattfinden und der Wein habe schliesslich einen höheren Alkoholanteil oder anderen Geschmack. Deshalb brauche es Methoden, um die Fermentation zu untersuchen und anzupassen.

Um Wein zu produzieren, fügen Winzer den Fässern mit Traubensaft Hefen bei, die den im Saft enthaltenen Zucker während ein bis drei Wochen in Alkohol umwandeln. Dabei haben die Weinproduzenten die Qual der Wahl zwischen Hunderten verschiedener Hefen, die jeweils etwas unterschiedliche Aromen erzeugen. Die richtige Hefe für das gewünschte Aroma zu finden, sei ein mühsamer Prozess, schrieb die EPFL.

Der “Mikro-Weinkeller” soll dafür Abhilfe schaffen: Mit nur sehr geringen Mengen Flüssigkeit liefert das Gerät bereits nach wenigen Stunden Resultate. Dabei wird Hefe in eine Vertiefung auf einem Kunststoff-Chip mit feinen Kanälchen gegeben. Durch die Kanäle strömt der Traubensaft. Weil Hefe und Flüssigkeit auf so engem Raum zusammenkommen, dauert die Fermentation nur wenige Stunden.

Das EPFL-Team beobachtet dabei das Verhalten der Hefen und untersucht im Detail, was die jeweilige Hefe bei verschiedenen Bedingungen produziert, wie Philippe Renaud, Leiter der “Microsystems Laboratory” der EPFL, erklärte.

Dass Weinliebhaber das Gerät auch zuhause für ein frisch gekeltertes Glas einsetzen können, ist allerdings unwahrscheinlich: Der Mini-Weinkeller “nutzt einen vereinfachten Prozess und das Resultat ist momentan noch nicht so gut wie normaler Wein”, so Renaud gemäss der Mitteilung.

Der spezielle Chip hat sogar auch für die Pharmaindustrie Potenzial, da diese ebenfalls Hefen nutzt, um bestimmte Stoffe herzustellen. “Die Anwendungsmöglichkeiten sind also eigentlich viel breiter”, so Renaud.

(SDA)


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