Mit kleinem Gitter aus grosser Abgaskrise

Das Bauteil stabilisiere die Luftströmung, erläuterte VW. Dadurch kann die Motorsteuerung den Kraftstoff besser dosieren.
Das Bauteil stabilisiere die Luftströmung, erläuterte VW. Dadurch kann die Motorsteuerung den Kraftstoff besser dosieren. © KEYSTONE/EPA DPA/JULIAN STRATENSCHULTE
Am Ende scheint die technische Lösung des Abgas-Skandals ganz einfach: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches Bauteil aus.

Dieses sei neben einer Aktualisierung der Software nötig, damit die Motoren die vorgeschriebenen Abgaswerte einhielten, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Wolfsburg. Der Umbau dauere weniger als eine Stunde. Die Kosten für die Nachrüstung bezifferte VW nicht.

Bei der Nachrüstung der 1,6-Liter Motoren soll nun vor dem Luftfilter ein so genanntes Luftgleitgitter am Ende eines Kunststoffrohrs angebracht werden. Dieses Bauteil stabilisiere die Luftströmung, erläuterte VW. Dadurch kann die Motorsteuerung den Kraftstoff besser dosieren.

Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) habe diese technischen Massnahmen akzeptiert. Ziel sei es, die jeweils gültigen Emissionswerte ohne Beeinträchtigung der Motorleistung, des Verbrauchs oder der Fahrleistung zu erreichen.

Bevor man das sagen könnte, müssten zunächst alle Modellvarianten gemessen werden. Ab Januar will VW eine grossangelegte Rückrufaktion starten und die Fahrzeuge mit den manipulierten Motoren sukzessive umrüsten.

Experten schätzen, dass für das Bauteil beim 1,6-Liter-Motor nicht mehr als zehn Euro anfallen. Damit könnte VW bei dem Abgas-Skandal – zumindest was die Kosten betrifft – glimpflicher davonkommen als gedacht. Zunächst war befürchtet worden, dass zur Nachrüstung der Dieselmotoren zum Teil umfangreiche und teure Änderungen an den Katalysatoren notwendig seien.

Dennoch will Volkswagen vorerst an den für die Rückrufe zur Seite gelegten 6,7 Milliarden Euro festhalten. Solange nicht absehbar sei, wie hoch die Kosten am Ende seien, werde man die Rückstellungen nicht verringern, sagte ein VW-Sprecher. Das Geld war ursprünglich für die elf Millionen betroffenen Fahrzeuge reserviert worden.

Inzwischen hat VW zugegeben, dass bei 800’000 Fahrzeugen falsche Kohlendioxid-Werte angesetzt und damit falsche Verbrauchsversprechen gemacht wurden. Dafür kalkuliert der Konzern weitere zwei Milliarden Euro.

Ausserdem hat sich die Abgasmanipulation in den USA inzwischen ausgeweitet. Dort sind auch V6-TDI-Motoren mit drei Litern Hubraum von Audi betroffen. Über die technischen Lösungen verhandelt Volkswagen gerade mit den US-Umweltbehörden.

(SDA)


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