Mit dem Frühling kommt der Abfall

Von Dario Brazerol
Nach dem Picknick wird nicht immer aufgeräumt.
Nach dem Picknick wird nicht immer aufgeräumt. © Tagblatt/Martin Oswald
Die wärmere Jahreszeit lockt zum Picknicken und Grillieren ins Freie. Der dabei produzierte Abfall wird dabei oft einfach liegengelassen – ein altbekanntes Problem.

Die Sonne scheint, die Temperatur ist angenehm und die Tage werden wieder länger. Der Frühling lockt viele ins Freie, um die lauen Vorsommernächte mit Grilladen und Picknicks an See- und Flussufern zu verbringen. Die Picknickplätze werden aber oft nicht so zurückgelassen, wie sie vorgefunden wurden. So auch im Sittertobel. Es kursieren Bilder, die leere Dosen, Glasflaschen und Plastikverpackungen zeigen. Für die Stadtpolizei St.Gallen sind solche Bilder keine Neuheit.

Bussen von 50 bis 200 Franken

«Wir können immer wieder feststellen, dass Abfall nicht mitgenommen oder falsch entsorgt wird», sagt Dionys Widmer von der Stadtpolizei St.Gallen. Die Umweltsünder zu büssen, stellt sich allerdings schwierig dar. «Die Personen, die Littering betreiben, müssen auf frischer Tat ertappt werden.» Nur dann können seitens Polizei entsprechende Bussen ausgestellt werden. «Wird etwas Einzelnes weggeworfen, kann diese 50 Franken betragen. Sehen wir aber, dass ein ganzer Haushaltsabfall zurückgelassen wird, beträgt die Busse 200 Franken.» Allerdings versuche man auch, das direkte Gespräch mit den Litterern zu finden, um sie auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen: «Wenn wir wissen, dass es irgendwo ein Fest gibt, gehen wir auf die Leute zu und bitten sie, die Abfälle ordentlich zu entsorgen. Ansonsten haben wir diesbezüglich keine Möglichkeiten.» Ob und wie sich das Littering-Verhalten der St.Galler in den letzten Jahren verändert hat, ist der Polizei nicht bekannt.

Fehlende Ressourcen

Doch nicht nur im Sittertobel, auch im Churer Rheintal ist das Litteringproblem in den wärmeren Jahreszeiten bekannt. Ebenfalls am letzten Wochenende wurde der Abfall an der Grillstelle am Rheinufer nicht entsorgt. Die örtliche Polizei und die Grün- und Werkbetriebe sind sich der Problematik bewusst. Allerdings besteht auf beiden Seiten ein Ressourcenproblem: «Am Wochenende sind wir verstärkt in der Innenstadt tätig. Das macht es schwierig, die Abfallsünder vom Rheindamm in flagranti zu erwischen», sagt Roland Hemmi von der Churer Stadtpolizei. Ähnlich sieht es bei den Grün- und Werkbetrieben der Stadt aus: «Wir haben nicht die Ressourcen, jeden Tag am Rhein Kontrollen zu machen. Manchmal bekommen wir Hilfe von ortsansässigen Schulklassen. Direkt etwas dagegen machen, kann man aber nicht», sagt der Leiter der Dienststelle, Urs Crotta.

Churer ärgern sich über den Abfall am Rheindamm. (Bild: Facebook/Du bisch vu Chur, wenn…)

«Appellieren an die Vernunft»

Mehr Entsorgungsstellen zu installieren sei dementsprechend kein Thema: «Wir machen die Erfahrung, dass wenn wir Abfalleimer an peripheren Stadtteilen aufstellen, diese schnell für die Entsorgung des gesamten Haushaltskerichts genutzt werden. Wir würden die Situation am Rheinufer also eher noch verschlechtern», sagt Crotta. «Wir appellieren an die Vernunft der Leute. Perfekt wäre es natürlich, wenn sie gleich einen Abfallsack mitnehmen und diesen in den dafür vorgesehenen Molochs entsorgen.» Sollte man einen Litterer auf frischer Tat ertappen, empfiehlt Roland Hemmi von der Stadtpolizei aber nicht, ihn auf sein Fehlverhalten anzusprechen: «Wenn man einer alkoholisierten Person eine Moralpredigt hält, kann die Situation schon mal eskalieren. Am besten meldet man einen solchen Vorfall also direkt bei der Polizei.»

(dab)


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