Models auf vier Pfoten

Von Dario Brazerol
Die Hundedame Joyce ist Nicole Hollensteins liebstes Model.
Die Hundedame Joyce ist Nicole Hollensteins liebstes Model. © FM1Today/Dario Brazerol
Der Catwalk bekommt bei Nicole Hollenstein aus Wil eine ganz andere Bedeutung. Sie ist die Inhaberin der schweizweit ersten Modelagentur speziell für Tiere. Vom Pudel bis zum Panther – ihr kommt alles vor die Linse.

Es ist ein Fotostudio wie jedes andere. Zwei erhöhte Scheinwerfer stehen vor dem ausrollbaren schwarzen Hintergrund. Alles ist bereit für das Fotoshooting mit Joyce. Doch Joyce lässt sich Zeit. Lieber liegt sie noch auf ihrer Couch und beisst genüsslich auf ihrem Gummiknochen herum. In diesem Fotostudio ist nicht der Kunde der König, sondern das pelzige Model.

Vierbeinige Stars

Vor nunmehr sechs Jahren hat Nicole Hollenstein ihre Tiermodelagentur gegründet. Hund, Katze und Maus werden hier zu Stars. «Ich wollte schon immer mit Tieren arbeiten», sagt Hollenstein, die als Quereinsteigerin zur Tierfotografie gekommen ist. «Tiere haben mich schon mein ganzes Leben lang begleitet. Die Arbeit mit ihnen bereitet mir eine wahnsinnige Freude.»

Würde darf nicht verletzt werden

Die Engagements der Models auf vier Pfoten variieren von Möbelhauskatalogen bis zu Versicherungswerbespots. Dabei sind die Wünsche der Kunden nicht immer alltäglich: «Erst vor kurzem wollte ein Kunde, dass ein Hund einen Kinderwagen schiebt, während er einen Tennisball im Maul hält.» Skurril, aber machbar für einen Hund. Allerdings gibt es auch Aufträge, die Hollenstein strikt ablehnt: «Wenn das Tier verkleidet werden soll und somit seine Würde herabgesetzt wird, mache ich es nicht.»

Hunde werden am meisten für Modeljobs gebucht. (Bild: Nicole Hollenstein)

Bewilligung vom Veterinäramt erforderlich

Als zusätzlicher Schutz müssen Werbeagenturen für jeden Auftrag mit einem Tier eine Bewilligung beim nationalen Veterinäramt einholen. Dabei wird im Detail festgehalten, was das Tier machen soll. Ausserdem sind die Besitzer der Tiere jederzeit vor Ort, um allenfalls einzugreifen, wenn das Tier überfordert ist. «Das Wohl des Tieres steht bei uns absolut im Vordergrund.» Deshalb sei auch nicht jedes Büsi oder jeder Fido für den Modeljob geeignet: «Vor allem ängstliche Tiere und solche, die in der Vergangenheit viel Negatives erlebt haben, verspüren bei einem Shooting zu viel Stress.»

Auge in Auge mit einem Panther

Viel Stress hat die Tierfotografin selbst bei ihrem speziellsten und wohl auch gefährlichsten Auftrag verspürt. «Ich durfte auf einer Filmtier-Range in München einen Panther fotografieren – ganz ohne Käfig. Dort war ich mit sehr viel Respekt bei der Sache und der Adrenalin-Pegel war deutlich höher als sonst. Allerdings hat die Neugier überwogen. Natürlich war der Tiertrainer mit im Raum, aber trotzdem – ein bisschen Schiss hatte ich schon.»

«Ich hatte schon ein bisschen Schiss» (Bild: Dario Brazerol)

Gagen im vierstelligen Bereich

Deutlich entspannter ist die Arbeit mit den Models aus der hauseigenen Kartei. Dafür am besten geeignet sind Tiere, die von Grund auf offen, neugierig und verspielt sind. Vor allem Familienhunde wie Labradore oder Golden Retriever sind für den Job prädestiniert und werden somit auch am meisten gebucht – und das natürlich nicht gratis. «Die Gage kann durchaus im vierstelligen Bereich liegen. Die Tiere können sich ihr Futter auf diese Art selber verdienen», sagt Nicole Hollenstein. Auf die Waage schauen müssen die tierischen Models aber nicht. Im Gegensatz zu ihren menschlichen Pendants ist der Schönheitswahn bei den Tieren und ihren Haltern kein Thema: «Tiere sind schön, so wie sie sind. Alles andere käme für mich gar nicht in Frage.»

(dab)


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