Moderne Event-Location aus baufälliger Ruine

Von Laurien Gschwend
Wir zeigen dir, wie es hinter den Türen dieses Gebäudes in Altstätten aussieht.
Wir zeigen dir, wie es hinter den Türen dieses Gebäudes in Altstätten aussieht. © FM1Today
Bei uns gibt es einen Adventskalender der speziellen Art: Auch wir öffnen im Dezember Türen, aber solche, hinter die man eigentlich nicht – oder nicht mehr – schauen kann. Nach dem Bergwerk Lochezen werfen wir heute einen Blick in das Balmerhaus in Altstätten. Einst für einen Tierarzt errichtet, steht es seit vielen Jahren leer. Das soll sich aber ändern.

Ein Rheintaler möchte die baufälligen Räumlichkeiten neu aufleben lassen – und plant dort eine Event-Location. Fast anderthalb Millionen Franken muss Sacha Sapra-Jenny investieren, um aus dem heruntergekommenen Balmerhaus eine moderne Kulturstätte zu machen. «Einen Viertel finanziere ich selber, zusätzlich nehme ich eine Hypothek auf – und ich hoffe sehr, dass ich von Stiftungen und vom Kanton Fördergelder erhalte», so der Inhaber einer Werbeagentur in Balgach.

Platz für Veranstaltungen in Herzen des Städtli

Die Chancen, sein Herzensprojekt umsetzen zu können, rechnet er sich fünfzig zu fünfzig aus. Das Konzept für das neue Balmerhaus steht schon seit dem Sommer, nun wartet er ab, ob er einen finanziellen Zustupf bekommt. Ohne diesen wäre der Umbau nicht möglich: Alles muss neu isoliert werden, die Wände sollen entweder gestärkt oder herausgerissen werden. Aus dem Erdgeschoss und der ersten Etage soll ein grosser Saal entstehen. «Die Raumhöhen betragen derzeit nur etwa 1.90 Meter, was viel zu tief ist für mein Vorhaben.»

Eine Plattform für verschiedenste Veranstaltungen soll geschaffen werden, mitten in Altstätten an verkehrsgünstiger Lage. Im obersten Geschoss ist eine Wohnfläche geplant. 125 Quadratmeter können von Interessierten gemietet werden, im Sommer ebenfalls ein Vorplatz inklusive Gartenwirtschaft. Hinzu kommen eine Küche, WCs sowie ein Gewölbekeller.

Denkmalschutz berücksichtigen

Ruth Wanner, Leiterin Stadtentwicklung und Projekte der Stadt Altstätten, begrüsst die Idee von Sapra-Jenny. Das Vorhaben sei grundsätzlich interessant, «schliesslich wollen auch wir ein belebtes Städtli». Man müsse aber sicherlich noch einige Punkte abklären, bis man sich einig werde, vor allem, weil das Gebäude mitten in Altstätten und in der Nähe von Wohnhäusern stehe. «Ausserdem gilt es, das denkmalgeschützte Gebäude so schonend wie möglich zu renovieren.»

Um 1920 zog Doktor Balmer, ein Tierarzt aus der Region, in das Haus an der Churerstrasse in Altstätten ein. Neben Wohnräumlichkeiten beherbergte das Gebäude eine Praxis. Später mietete sich eine Musikschule ein. 2013 erlangte das Balmerhaus gar Promistatus: Im Film «Rosie» des Altstätter Filmemachers Marcel Gisler diente es als zentraler Drehort und Wohnraum für die Protagonisten.

Vor 13 Jahren kaufte die Stadt Altstätten das Balmerhaus aus strategischen Gründen. Mit dem Ziel, das Areal Freihof/Rathaus weiterzuentwickeln, konnte sie so vermeiden, dass es Einsprachen geben würde. Rund um das Balmerhaus entstand eine moderne Überbauung. «Jetzt möchten wir das Balmerhaus gerne weitergeben – denn wir konzentrieren uns vor allem auf Liegenschaften, die wir wirklich für unsere Verwaltung brauchen», sagt Wanner bei einer Begehung des Gebäudes.

Man führe derzeit nur mit Sacha Sapra-Jenny Verhandlungen. Werde man sich bald einig, so entscheide man relativ schnell, ob man an ihn verkaufe. «Sonst müssen wir das Projekt noch einmal ausschreiben», führt Wanner aus.

Entscheid bis Ende Jahr

«Ich hoffe sehr, dass meine Rechnung am Schluss aufgeht», sagt Sapra-Jenny. Bis Ende Jahr hoffe er auf einen Entscheid. Er habe sehr viel Arbeit in das Balmerhaus gesteckt. «Ein Neubau wäre sicherlich günstiger und einfacher, aber einen solchen will ich nicht.»

Die nächste Türe öffnen wir am kommenden Montag. Dann werfen wir einen Blick in ein Hallenbad, das heute nur noch von Feuerwehrleuten besucht wird.


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