Mörder aus Psychiatrie in Windisch ausgebrochen

Mörder aus Psychiatrie in Windisch ausgebrochen
© kapo ag
Beim Mann, der in der Nacht auf Samstag aus der psychiatrischen Klinik Königsfelden in Windisch AG geflohen ist, handelt es sich um einen 22-jährigen Aargauer, der 2009 eine junge Vietnamesin im Tessin getötet hatte. Er war in der Klinik fürsorgerisch untergebracht.

Der Mann brach gewaltsam aus der geschlossenen forensischen Abteilung der Klinik aus, wie die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) am Samstag mitteilten. Er war dort fürsorgerisch untergebracht. Da es sich um eine laufende Ermittlung handle, sei es den PDAG nicht möglich, näher zum Fall Stellung zu nehmen, heisst es in der Medienmitteilung. Die Polizei sei “umgehend” über die Entweichung orientiert worden.

Die Kantonspolizei Aargau wurde um 3.30 Uhr über die Flucht des Mannes informiert, wie sie am Samstag selbst mitteilte. Eine intensive Fahndung nach dem Flüchtigen sei eingeleitet worden. Bisher habe diese keine Anhaltspunkte über den Verbleib des Mannes ergeben. Die Polizei stellte für den Nachmittag weitere Informationen in Aussicht.

17-jährige mit Holzscheit erschlagen

Sie bittet Personen, die Angaben über den Aufenthaltsort machen können, sich bei der Kantonspolizei über den Notruf 117 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

Der Mann hatte 2009 als Minderjähriger in Sessa TI eine 17-jährige Vietnamesin mit einem Holzscheit erschlagen. Das Jugendgericht Baden verurteilte ihn 2013 wegen Mordes zur Höchststrafe im Jugendrecht. Er wurde zu einem Freiheitsentzug von vier Jahren und zu einer geschlossenen Unterbringung verurteilt.

Die jugendstrafrechtlichen Massnahmen sind bis zum Erreichen des 22. Altersjahrs befristet. Im Frühling 2015 wurde der Mann deshalb auf Antrag der Jugendanwaltschaft in der psychiatrischen Klinik fürsorgerisch untergebracht. Eine Beschwerde des Mannes dagegen wurde im Februar vom Aargauer Verwaltungsgericht abgewiesen.

Mägenwil zahlt viel Geld

Das Verwaltungsgericht kam in seinem Urteil zum Schluss, dass die Voraussetzungen für die fürsorgerische Unterbringung nach wie vor erfüllt sind. Der Mann leidet gemäss Gutachten an einer schweren psychischen Störung, die mittels intensiver, langfristiger Psychotherapie zu behandeln ist.

Die fürsorgerische Unterbringung des Mannes kostet die frühere Wohnsitzgemeinde Mägenwil AG so viel Geld, dass sie vor kurzem den Gemeindesteuersatz um sechs Prozentpunkte auf 96 Prozent erhöhen musste. Mägenwil muss jährlich für die Betreuung des jungen Mannes 264’000 Franken bezahlen.

(red)


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