Monsterprozess zieht sich hin

Polizisten sichern den Bereich um das Rathaus von Kreuzlingen TG, wo seit dem 20. Februar 14 mutmassliche Bandenmitglieder vor Gericht stehen. Im Zentrum des Prozesses steht ein Tötungsdelikt an einem IV-Rentner.
Polizisten sichern den Bereich um das Rathaus von Kreuzlingen TG, wo seit dem 20. Februar 14 mutmassliche Bandenmitglieder vor Gericht stehen. Im Zentrum des Prozesses steht ein Tötungsdelikt an einem IV-Rentner. © Keystone/ENNIO LEANZA
Das aufwendige Verfahren um eine Schmuggelbande, das im Februar 2017 in Kreuzlingen eröffnet wurde, wird sich in die Länge ziehen. Frühestens im März 2018 könne man mit den Urteilen für die 14 Angeklagten rechnen.

Grund für die Verzögerung ist die Bereinigung der Akten, die durch das Gericht erfolgte, nachdem zwei Staatsanwälte offenbar ihr Amt missbrauchten.

14 Angeklagten aus türkisch-kurdischen Kreisen wird Menschenschmuggel, Dorgenschmuggel, Erpressung und ein Tötungsdelikt vorgeworfen. Sie sollen vor rund sechs Jahren einen IV-Rentner in Kümmertshausen getötet haben. Bis zu zwanzig Jahre Haft drohen den Angeklagten.

Staatsanwaltschaft kam an ihre Grenzen

Eigentlich war die Urteilseröffnung bereits für den November angesagt. Die Thurgauer Staatsanwaltschaft kam mit dem Prozess jedoch an ihre Grenzen. Das Bundesgericht erklärte ein Urteil für ungültig und setzte zwei Staatsanwälte ab. Diese müssen sich wegen Verdachts auf AMtsmissbrauch und Urkundenfälschung nun ebenfalls vor Gericht verantowerten. Die URteile für die 14 Angeklagten sollen im März 2018 herauskommen.

Bezirksgericht Kreuzlingen säubert Akten

Das Bezirkgsgericht Kreuzlingen hat die Akten, welche rund 450 Bundesordner beinhalten, selbst in wochenlanger Arbeit gesäubert. Ein Teil der Aussagen eines Beschuldigten, der der Staatsanwaltschaft ursprünglich als «Kronzeuge» gedient haben soll, wurde laut der sda aus den Akten entfernt. Mittlerweile ist ans Licht gekommen, dass der Kronzeuge sogar mitgeholfen haben könnte, den IV-Renter aus dem Weg zu räumen. Hätte das Bezirksgericht die Akten nochmals an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen, wäre die Prozessunterbrechung von noch längerer Dauer gewesen.

Die Verhandlung wird Anfang Mai fortgesetzt, gab das Gericht bekannt.

(sda/enf)


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