Mückenabwehr als Schutz gegen Zika, Dengue und Chikungunya

Der beste Schutz bleibt, sich vor Mückenstichen zu schützen.
Der beste Schutz bleibt, sich vor Mückenstichen zu schützen. © KEYSTONE/EPA EFE/ESTEBAN BIBA
Brasiliens Bevölkerung und Besucher haben gleich drei Moskito-übertragene Viruskrankheiten zu fürchten. Was Moskitos am besten abwehrt und wie heikel gewisse Wissenslücken sind, haben zwei Forscherinnen zusammengestellt.

Nicht nur Zika-Viren, auch Dengue- und Chikungunya-Fieber lassen manch Sportbegeisterten wahrscheinlich zweimal überlegen, die Reise zu den Olympischen Spielen und Paralympics 2016 in Rio de Janeiro anzutreten. Experten sind sich einig: Der beste Schutz gegen die Viren ist, Stiche der Moskitos zu vermeiden, die sie übertragen.

Was nach derzeitigem Stand des Wissens am besten gegen die Gelbfiebermücke und die asiatische Tigermücke (Aedes aegypti und Aedes albopictus) wirkt, beschreiben nun Mary Wilson von der Harvard-Universität und Patricia Schlagenhauf von der Universität Zürich in einem Editorial im Fachmagazin “Travel Medicine and Infectious Disease”.

Eine besondere Rolle spiele dabei die chemische Mückenabwehr, wie die Forscherinnen schreiben. DEET (Diethyltoluamid), das seit den 1950ern auf dem Markt in den meisten gängigen Mückensprays enthalten ist, zeigte in Studien die höchste Effizienz und längste Wirksamkeit von bis zu zehn Stunden.

Die Wirkstoffe Icaridin, das in hautfreundlichen Abwehrmitteln Verwendung findet, und IR3535, das als besonders umweltverträglich gilt, vertrieb Aedes-Moskitos demnach zwar auch, waren im Durchschnitt weniger effizient. Mückensprays auf Basis von Zitroneneukalyptus wirkten deutlich weniger und brauchten häufigere Anwendungen.

Obwohl Vitamin B1 nachgesagt wird, dass es die menschliche Anziehungskraft auf Moskitos senkt, liess sich diese Theorie in Studien nicht bestätigen. Reisenden sei daher von Vitamin-B1-Pflastern abzuraten, die zum Mückenschutz angeboten werden, schreiben die Forscherinnen.

Häufigere Anwendungen vor allem nach dem Schwitzen oder Baden seien aber auch bei DEET ratsam, da dieses wasserlöslich ist. Dabei sollten die Sprays nicht mehr als 30 Prozent des Wirkstoffs enthalten. In Konzentrationen von 19 bis 25 Prozent habe DEET in Laborversuchen einen kompletten Schutz für 3 bis 9,7 Stunden gewährt.

Aufgrund des Verdachts, dass eine Zika-Virusinfektion während der Schwangerschaft zur Fehlentwicklung des Schädels beim Baby führen könnte, wäre der Schutz für Schwangere besonders wichtig. Wie sicher der Gebrauch von DEET während der Schwangerschaft ist, ist jedoch noch nicht ausführlich erforscht.

Laut den Forscherinnen deutete eine Studie mit Frauen im zweiten und dritten Trimester darauf hin, dass DEET über die Plazenta in den Organismus des Kindes gelangen kann. Während des ersten Jahres nach der Geburt zeigten sich jedoch keine negativen Folgen bei den Säuglingen.

Für mögliche Nebenwirkungen des Mückenschutzes mit DEET während des ersten Trimesters gebe es jedoch noch keine Daten. Gerade im Zuge der derzeitigen Zika-Epidemie wäre dieses Wissen wertvoll, jedoch brauche es dafür innovative Ansätze. Klinische Studien im klassischen Sinne, dass eine Gruppe Schwangerer einen Mückenspray anwendet und eine andere ein Placebo, ist ethisch zu heikel.

Die Gesundheitsbehörden stünden angesichts solcher Wissenslücken vor einer Herausforderung, evidenzbasierte Empfehlungen abzugeben, schliessen die Forscherinnen. Zwar sei der Schutz vor Mückenstichen für die Bevölkerung generell wichtig, aber für die Athleten bei den Olympischen Spielen und Paralymics von besonderer Bedeutung. Denn ausgeatmetes CO2 und Schweiss wirken anziehend auf Aedes-Moskitos.

Bisher gilt die Gelbfiebermücke Aedes aegypti als Hauptüberträger des Zika-Virus. Die asiatische Tigermücke Aedes albopictus steht jedoch ebenfalls im Verdacht, Überträger zu sein. Letztere kommt auch im Tessin und anderen Gebieten in Europa vor.

Das Risiko einer Ausbreitung von Zika-Viren in Europa sei jedoch klein, sagt Schlagenhauf auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. “Zum einen sind die Mücken derzeit kaum aktiv, zum anderen müssten sehr viele Reisende das Virus mitbringen.” Ausserdem habe man gute Mittel zur Verfügung, eine Ausbreitung zu bekämpfen.

Rückkehrende daraufhin zu überprüfen, ob sie das Virus eventuell symptomlos in sich tragen, wäre jedoch wichtig. Zika-, Dengue- und Chikungunya liessen sich aber bisher schwer unterscheiden. “Spezifische Tests können bisher nur von Speziallabors durchgeführt werden”, so Schlagenhauf. Da sei weitere Forschung nötig, um sichere und genaue Tests zu entwickeln.

(SDA)


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