“Müslüm TV” ist plump, aber witzig

Von Gerry Reinhardt
“Müslüm TV” ist plump, aber witzig
Heute wird die erste Folge von “Müslüm Television” im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt. Es soll das Erbe von Giacobbo/Müller antreten. Wir haben schon einmal reingeschaut. 

Mit “Müslüm TV” will das Schweizer Fernsehen frischen Wind in die angestaubte SRF-Comedy bringen. Giacobbo/Müller war gestern. Jetzt gibt es lustiges Integrations-TV. Hinter “Müslüm TV” steckt der Künstler Semih Yavasner, der erst im Radio und jetzt im TV mit dem Klischee-Türken die Schweizer zum Lachen bringt.

Müslüm lässt sich das SRF zeigen

In der ersten Folge will Müslüm Zuschauer mit Migrationshintergrund dazu bringen, SRF zu schauen. Zu dieser Aufgabe kommt er aber erst nach einer obligaten Führung durch die Studios. Hier ist Müslüm plump: Es folgen Witze über Führer und Deutsche.

Erst später dreht Müslüm auf. Er geht in “berüchtigte” Ausländerviertel, in denen er Strassenumfragen durchführt und Wohnungen besucht. Unter anderen ist er bei einer kosovarischen Familie zu Gast. Auch wenn diese Form nicht neu ist, wird es hier witzig. Witzig ist Müslüm vor allem dann, wenn er echte Menschen trifft, die er nicht blossstellt, sondern mit ihnen lacht.

Müslüm trifft Promis

In einer weiteren Einspielung ist er am Zürcher Sechseläuten unterwegs und macht Witze über den Anlass selbst. Er nennt ihn “Sexy-leuten”, lacht mit Promis wie Toni Brunner über “Schafseckel” und tut so, als würde er ihn nicht erkennen. Auch das haben wir irgendwann, irgendwo schon mal gesehen. Und die Frage, wie man denn ohne Zünfter zu sein, in eine Zunft kommt, wurde im Lokal-Radio von lustigen Reportern bereits zum Exzess gefragt.

Gut, aber nicht grossartig

“Müslüm TV” ist gut und mutig. Nie hätten wir so eine Sendung im Schweizer Fernsehen erwartet. Passen würde solch eine Comedy sicher mehr zu einem Jugend-Sender wie Joiz. Das Schweizer Fernsehen geht dann auch etwas ungewohnt mit “Müslüm TV” um. Sie verstecken die erste Folge Freitagnacht um 23.45 Uhr: dann, wenn die junge Zielgruppe im Ausgang ist und sicher nicht Schweizer Fernsehen schaut. Als Kompromiss ist bereits zwei Tage vor der TV-Ausstrahlung die Folge online zu sehen. Das ist aber nur schwer nachvollziehbar, da SRF vor allem von Einschaltquoten lebt.

Man darf auf die zweite Folge gespannt sei – auch wenn “Müslüm TV” Giacobbo/Müller nie ersetzen kann.

“Müslüm Television”, Freitag 1.4. um 23.45 Uhr auf SRF1. 


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