Museum Tinguely in Basel widmet Ben Vautier grosse Retrospektive

"La Suisse n'existe pas" von Ben Vautier während der Ausstellung "Visionäre Schweiz", die vom 31. Oktober 1991 bis 26. Januar 1992 im Zürcher Kunsthaus zu sehen war. (Archiv)
"La Suisse n'existe pas" von Ben Vautier während der Ausstellung "Visionäre Schweiz", die vom 31. Oktober 1991 bis 26. Januar 1992 im Zürcher Kunsthaus zu sehen war. (Archiv) © /KEYSTONE/STR
Mit dem Schriftzug “La Suisse n’existe pas” an der Weltausstellung in Sevilla von 1992 provozierte Ben Vautier hitzige Reaktionen. Jetzt widmet das Museum Tinguely in Basel dem französisch-schweizerischen Künstler eine umfassende Retrospektive.

Ist alles Kunst?” ist der Titel der am Dienstag präsentierten Ausstellung in Basel. Sie vereinigt über 400 Werke des 1935 geborenen und in Nizza lebenden Künstlers und ist laut einer Mitteilung des Tinguely-Museums die erste umfassende Retrospektive zum Werk Ben Vautiers in der Schweiz.

Der Satz über die Schweiz war im Schweizer Pavillon der Weltausstellung von 1992 zu lesen und ist eines der Schriftbilder, für die Ben Vautier bekannt geworden ist. “L’art est inutile” (Kunst ist nutzlos) oder “Je suis le plus important” (Ich bin der Wichtigste) sind andere, mit denen er den Betrachter herausfordert.

Oder “Je signe tout” (Ich signiere alles): Ausgehend von Duchamps Ready-Mades folge Ben Vautier der Annahme, dass sich ein Kunstwerk nicht durch seine Beschaffenheit, sondern allein durch die Signatur zu erkennen gibt, hält das Museum fest. Als einer der ersten Künstler in Europa habe er zudem die Kunst auf die Strasse gebracht.

So erweiterte er ab 1959 den gängigen Kunstbegriff mit “Actions de rue”. Dazu zählte Alltägliches wie das Warten an einer Bushaltestelle oder eher Sonderbares wie das Durchschwimmen des Hafens von Nizza samt Hut und Kleidern. Mit den Aktionen war der auch kurz als “Ben” bekannte Künstler Pionier der Fluxus-Bewegung.

Die von Andres Pardey kuratierte Retrospektive stellt Werkgruppen der ersten 20 Jahren des Schaffens von Ben Vautier vor, von den Strassenaktionen und Fluxus bis zum Künstler als Kunstphilosoph. Dazu zählt auch das “Magasin”, sein Schallplattenladen in Nizza, der in den 1960er-Jahren Schauplatz von Aktionen und Ausstellungen war.

Das Gesamtkunstwerk wurde später mit Originalfassade und Interieur vom Centre Pompidou in Paris angekauft und ist nun wieder in Basel zu sehen. In einem zweiten Teil der Basler Schau hat Ben Vautier über 30 Räume selbst eingerichtet, in denen er verschiedene Themen aufgreift und laut dem Museum zu einem “Univers de Ben” gestaltet.

“Ben Vautier. Ist alles Kunst?” dauert vom Mittwoch bis zum 22. Januar 2016. Zur Ausstellung im Museum Tinguely ist eine Publikation erschienen.

www.tinguely.ch

(SDA)


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