Mutmasslicher Vierfachmörder vor Gericht

Kerzen, Blumen und Karten vor dem Haus des Tatorts in Rupperswil AG drückten im Dezember 2015 die grosse Betroffenheit aus. Ein 34-jähriger Schweizer muss sich ab heute vor dem Bezirksgericht Lenzburg für das Gewaltverbrechen verantworten. (Archivbild)
Kerzen, Blumen und Karten vor dem Haus des Tatorts in Rupperswil AG drückten im Dezember 2015 die grosse Betroffenheit aus. Ein 34-jähriger Schweizer muss sich ab heute vor dem Bezirksgericht Lenzburg für das Gewaltverbrechen verantworten. (Archivbild) © KEYSTONE/WALTER BIERI
Wenige Minuten vor Prozessbeginn ist am Dienstagmorgen im Gerichtssaal in Schafisheim AG der mutmassliche Vierfachmörder von Rupperswil als Beschuldigter in den Saal geführt worden. Er hat seinen Platz seitlich vor dem Richtertisch.

Vor dem Eingang nahm ihm ein Polizist die Handschellen ab. Der Beschuldigte erschien in gepflegtem, grauem Hemd und Jeans. Die Haare hat er kurz geschnitten. Das Gesicht ist schmaler, als es auf den Fotos war, die nach der Verhaftung in den Medien erschienen waren.Der 34-Jährige blickte ernst vor sich hin. Hin und wieder stützte er den Kopf in die Hand. Wüsste man nicht, welch grauenhafte Verbrechen er gestanden hat, man würde ihn als durchaus sympatischen jungen Mann ansehen.

Riesiges Interesse an Gerichtsverhandlung

Der Gerichtspräsident stellte dem Beschuldigten die ersten Fragen und gab ihm die nötigen Informationen über seine Rechte und Pflichten. Mit klarer Stimme gab der Beschuldigte Antwort. Der Prozess gegen den mutmasslichen Vierfachmörder von Rupperswil AG stösst auf riesiges Interesse. Rund 65 Medienschaffende und ein paar Dutzend Privatpersonen haben sich angemeldet. Die Aargauer Kantonspolizei führte genaue Kontrollen durch. Wie am Flughafen musste jede und jeder vor dem Eintritt in den Saal durch einen Sicherheitscheck: Ausweise überprüfen, Metalldetektoren, Blick und Griff in die Tasche.

Schon mehr als eine Stunde vor Verhandlungsbeginn waren die ersten Journalisten vor Ort. Langsam füllte sich der Saal. Jeder hat einen nummerierten Platz zugewiesen bekommen. Laptops wurden hochgefahren, die Zeichnerinnen und Zeichner richteten ihre Arbeitsplätze ein. Man sitzt eng nebeneinander.

Angehörige der Opfer sitzen dem Täter gegenüber

Es war sehr ruhig in dem grossen Saal der Kantonspolizei in Schafisheim, wo das Bezirksgericht Lenzburg in dieser Woche tagt, weil der Raum im Bezirksgericht zu klein ist. Man unterhielt sich mit gedämpften Stimmen. Eine halbe Stunde vor Verhandlungsbeginn wurden nach den Medienschaffenden auch die Zuschauer eingelassen. Die ersten Richter und Anwälte trafen ein. Ordner stapeln sich auf den Tischen. In der Mitte des Richtertischs steht das Symbol der gerechten Justiz eine Waage mit zwei Schalen. Eine Viertelstunde bis Prozessbeginn trafen die Angehörige der Getöteten ein. Sie haben mit ihren Rechtsvertretern Plätze in der vordersten Reihe, direkt gegenüber dem Richtertisch.

Prozess soll vier Tage dauern

Der Prozess gegen den geständigen Angeklagten, der sich im vorzeitigen Strafvollzug befindet, dauert voraussichtlich vier Tage. Das Bezirksgericht Lenzburg tagt in den Räumlichkeiten der Mobilen Polizei in Schafisheim – unweit des Tatorts in Rupperswil. Grund dafür sind Platzprobleme und vor allem Sicherheitsfragen. Den Prozess verfolgten 35 private Zuschauer; 65 Medienvertreter sind akkreditiert.

Vierfacher Mord und pädophile Handlungen

Der Schweizer ist wegen mehrfachen Mordes angeklagt. Er muss sich zudem verantworten wegen mehrfacher räuberischer Erpressung, mehrfacher Geiselnahme, mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher sexueller Nötigung, Brandstiftung sowie mehrfacher strafbarer Vorbereitungshandlungen.

Die Staatsanwaltschaft wird das beantragte Strafmass erst an der Gerichtsverhandlung bekanntgeben. Der 34-Jährige muss mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und einer Verwahrung rechnen. Aus der Anklageschrift geht nicht hervor, wie die Ermittlungsbehörden letztlich auf den Mann kamen.

(SDA)


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