Nach Attacken: Pfeffersprays sind gefragt

Von Linda Aeschlimann
Taxifahrer in Schaan wehrt sich mit Pfefferspray gegen 15-Jährigen.
Taxifahrer in Schaan wehrt sich mit Pfefferspray gegen 15-Jährigen. © Symbolbild KEYSTONE/Eddy Risch
Nach den Zugattacken in Salez und im Vorarlberg wächst die Verunsicherung in der Bevölkerung. Schweizerinnen und Schweizer informieren sich immer öfters über Geräte zur Selbstverteidigung. Einen besonderen Hype gibt es um den Pfefferspray, bestätigen Fachgeschäfte und Hersteller.

Unschuldig zum Opfer werden? Nein danke. Immer öfters erkunden sich Personen, wie sie sich persönlich vor Angriffen, wie beispielsweise dem Zugdrama in Salez, schützen können. Christof Büchel, Geschäftsführer eines Fachgeschäfts in Altstätten, hatte in den letzten Tagen mehrere Anrufe betreffend Schutzgegenständen. “Das Attentat im Rheintal sorgt für Gesprächsstoff und Fragen”, sagt Büchel.

Unter anderem habe er einen Anruf von einer besorgten Bürgerin gekriegt: “Sie sagte, dass sie von der Attacke in Salez gehört habe und selbst oft mit dem Zug unterwegs sei, sie überlege sich nun, einen Pfefferspray zuzulegen.”

Von anderen Ereignissen abgehärtet

Keine konkreten Anfragen nach den Ereignissen im Rheintal und im Vorarlberg hatte Alfred Hediger, Inhaber von Hediger Waffenhandel in Wittenbach. “Es herrscht keine panikartige Stimmung in der Bevölkerung.” Viel mehr spürte Hediger die Attentate in Paris. “Die Ereignisse in Frankreich wie beispielsweise Charlie Hebdo haben die Leute schon sehr beeinflusst. Ich glaube, dass Leute in der Zwischenzeit mit einer anderen Stimmung an Meldungen, wie diese aus Salez, herangehen.”

Keine Pfeffersprays mehr an Lager

Übergriffe, Amokläufe und Terroranschläge: Die Nachfrage nach Hilfsmitteln für den persönlichen Schutz stieg in den letzten Monaten markant an. Das bestätigen nicht nur Fachgeschäfte, sondern auch Hersteller. Besonders nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln sei der Verkauf von Pfeffersprays deutlich angestiegen, sagt Samuel Bosshard, Geschäftsführer des Schweizer Pfefferspray-Herstellers Arasan. “Wir lieferten teilweise drei- bis viermal so viele Pfeffersprays an unsere Abnehmer als gewöhnlich.”

Beim Pfefferspray-Hersteller kam es Anfang Jahr sogar zu Lieferengpässen. Aber auch Bosshard ist wie Hediger überzeugt, dass sich die Leute gewisserweise an die vielen negativen Meldungen gewöhnt haben.

Richtiger Umgang ist entscheidend

Die Kantonspolizei St.Gallen sieht das Tragen eines Pfeffersprays grundsätzlich als unproblematisch. “Es steigert das Selbstbewusstsein. Die Ausstrahlung kann im besten Fall einen potenziellen Täter davon abschrecken, eine geplante Tat umzusetzen”, sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Der Umgang mit einem solchem Hilfsmittel sei allerdings der entscheidende Punkt. “Es hilft nicht, einen Spray in der Handtasche zu haben, wenn man nicht weiss, wie man damit umgeht.”


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