Nach Pfiffen: Meidet die Nati nun auch Basel?

Von Stephanie Martina
Bei Haris Seferovic' Auswechslung ertönte im Basler St.Jakob-Park ein Pfeifkonzert
Bei Haris Seferovic' Auswechslung ertönte im Basler St.Jakob-Park ein Pfeifkonzert © PPR/Nick Soland
Gestern Abend musste Haris Seferovic ein Pfeifkonzert der Schweizer Fans über sich ergehen lassen. Als dasselbe Alex Frei und Marco Streller in St.Gallen passierte, mied man die Ostschweiz jahrelang. Boykottiert die Nati nun auch Basel?

Während gestern Abend alle jubelten, war einer den Tränen nahe: Haris Seferovic. Weil der Topscorer der Schweizer WM-Kampagne einige Grosschancen vergab, wurde er bei seiner Auswechslung mit einem Pfeifkonzert vom Platz begleitet.

Pfiffe gegen Natispieler – das gab es doch schon einmal. Am 3. September 2010 wurde Nati-Captain Alex Frei in der damaligen AFG Arena von den Ostschweizer Fans ausgepfiffen, nachdem er im Testspiel gegen Australien einen Penalty verschoss.

Die St.Galler Fans pfiffen Alex Frei nach seinem verschossenen Elfmeter gnadenlos aus:

Hitzfeld drohte mit Nati-Boykott gegenüber der Ostschweiz

Der damalige Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld fand nach dem Spiel klare Worte und drohte mit einem Nati-Boykott gegenüber der Ostschweiz: «Wir wollen jetzt keine Schnellschüsse machen. Aber wir werden uns gut überlegen, wo wir in Zukunft unsere Heimspiele austragen werden», sagte er gegenüber «Blick».

Und tatsächlich: Die Pfiffe hallten lange nach. Dreieinhalb Jahre lang mied die Schweizer Nationalmannschaft St.Gallen. Auf die Frage, warum die Nati nicht mehr in St.Gallen spiele, sagte Peter Stadelmann, Delegierter des Schweizer Fussballverbands, 2013 gegenüber «Blick», dass das Verhalten der Fans ein Kriterium sei. «Wir haben es nicht gerne, wenn unsere Spieler ausgepfiffen werden.»

Frei war nicht der erste Natispieler, der in St.Gallen Pfiffe über sich ergehen lassen musste. Im Mai 2008 im Testspiel gegen Liechtenstein (3:0) traf es mit Marco Streller bereits einen anderen Basler. Streller reicht es – er tritt nach der Euro im eigenen Land zurück. Trainer Hitzfeld gelang es jedoch, Streller zum Weitermachen zu überreden.

Keine Länderspiele mehr in Basel?

Erst seit März 2014 werden wieder regelmässiger Länderspiele in St.Gallen ausgetragen. Inzwischen waren sogar die Pfiffe gegen Streller und Co. fast vergessen. Bis gestern. Was nun? Boykottiert die Nati in den nächsten Jahren auch den Basler St.Jakob-Park? «Nein», sagt Marco von Ah, Leiter Kommunikation und Medien beim Schweizer Fussballverband. Man wolle diese Pfiffe nicht überbewerten. «Natürlich ist es unschön, wenn bei einer gelungenen WM-Quali Pfiffe gegen eigene Spieler ertönen und Respekt und Anstand verloren gehen. Aber man muss hier etwas relativieren: Es handelt sich um einen dynamischen Prozess: Wenn einige pfeifen, steigen andere eben darauf ein», sagt von Ah. Es sei auch in Basel nicht das erste Mal, dass Pfiffe ein Nati-Spiel begleiteten: Auch als die Nati im Oktober 2010 gegen Wales ein EM-Qualifikationsspiel bestritt, gab es Pfiffe an die Adresse von Alex Frei. Danach hatte Frei die Nase voll und gab seinen Rücktritt per Ende Saison 2010/11 bekannt.

Basel und St.Gallen mögliche Spielstätten

Handlungsbedarf sehe der SFV nach dem gestrigen Spiel keinen. Auch St.Gallen habe man nicht der Pfiffe wegen gemieden, betont von Ah. «Der Kybunpark liegt höher als andere Schweizer Stadien und deshalb ist das Terrain zwischen November und März schwer zu bespielen, oftmals schneit es sogar. Zudem bietet das St.Galler Stadion zu wenig Platz, wenn hochkarätige Gegner zu Gast sind. Es gab nie einen offiziellen Beschluss, St.Gallen aussen vor zu lassen.»

Von Ah sagt, dass bereits eines der bevorstehenden Freundschaftsspiele vor der WM in Russland in Basel stattfinden könnte – aber auch St.Gallen sei eine Option.

Nicht nur das Image der Basler Fans hat beim Nati-Spiel gelitten, auch der Rasen im St.Jakobspark ist nach dem Spiel nicht mehr zu gebrauchen. Der FC Basel hat daher mitgeteilt, dass der komplette Rasen bis zur nächsten Woche ausgewechselt wird. Die Kosten dafür trägt der Fussballclub selbst.

(stm)


Newsletter abonnieren
6Kommentare
noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel