Nach Vaduz-Pleite: FCSG bleibt im Notentief

Von Marco Latzer
St. Gallens Roman Buess, links, kuemmert sich um Karim Haggui, am Boden, im Fussball Super League Spiel zwischen dem FC Vaduz und dem FC St. Gallen, am Sonntag, 21. August 2016, im Rheinpark Stadion in Vaduz.
St. Gallens Roman Buess, links, kuemmert sich um Karim Haggui, am Boden, im Fussball Super League Spiel zwischen dem FC Vaduz und dem FC St. Gallen, am Sonntag, 21. August 2016, im Rheinpark Stadion in Vaduz. © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller
0:2 gegen den FC Vaduz. Auch im neunten Super-League-Spiel vermag der FC St.Gallen die Liechtensteiner nicht zu bezwingen. 45 Minuten lang dominierten die Grün-Weissen, Treffer blieben aus. Dann ging es zurück ins alte Fahrwasser. Hier geht es zu der Spielerbewertung.

Tor:

Daniel Lopar. Note: 4,5. Hielt mit seinen Paraden die Mannschaft bis tief in die zweite Halbzeit im Spiel. Seine Abstösse und Auskicks bleiben aber ein Ärgernis. Wirkte nach dem Spiel ratlos: “Wir müssen jetzt den Finger aus dem Allerwertesten nehmen; müssen noch härter arbeiten!”

Verteidigung:

Mario Mutsch. Note: 2,5. Muss zum Graus der mitgereisten St.Galler Fans wieder einmal als Aussenverteidiger ran. Leistet sich etliche Aussetzer und hat Probleme mit dem Tempo. Verhängnisvoll: Sein Zupfer an FCV-Flügelrakete ist eine klare Notbremse. Penalty und das 0:1 durch Ex-Espe Costanzo resultieren als bittere Konsequenz.

Karim Haggui. Note: keine Bewertung. Debütiert und deutet an, dass er eine Verstärkung sein könnte. Nach 21 Minuten ist die Partie für den Neuzugang aus Düsseldorf bereits wieder vorbei. Diagnose: Jochbeinbruch. Der 32-Jährige dürfte den Ostschweizern mehrere Wochen fehlen. An seiner Stelle musste Alain Wiss ans Werk.

Martin Angha. Note: 3,0. Bleibt weiterhin ein Gefahrenherd und strahlt seine Verunsicherung offen aus. Holt sich zudem seine fast schon obligate Verwarnung ab und fehlt im nächsten Spiel gelbgesperrt.

Andreas Wittwer. Note: 3,5. Engagierte Leistung auf dem Flügel. Aber auch nicht immer über alle Zweifel erhaben.

Mittelfeld:

Toko. Note: 4,5. Der beste St.Galler Feldspieler auf dem Rasen. Ein Kämpfer, der niemals aufsteckt. Zementiert mit seinen Leistungen den Eindruck als einziger gelungener Sommertransfer.

Gianluca Gaudino. Note: 3,5. Eine Halbzeit lang ziemlich gefällig, baute danach aber enorm ab und fabrizierte Alibi-Pässchen en masse. Zollt wohl aber auch seiner alten Verletzung Tribut.

Yannis Tafer. Note: 3,0. Fiel in den ersten 45 Minuten immerhin durch sein grosses Laufpensum auf, um sich dann nach dem Pausentee dem kollektiven Team-Blues anzuschliessen.

Danijel Aleksic. Note: 3,5. Der offensiv Auffälligste aus dem Mittelfeld-Verbund. Gutes Auge, öffnende Pässchen und eine vergebene Grosschance nach drei Minuten. Die MUSS er einfach machen! Für die letzte Viertelstunde gegen Bunjaku ausgetauscht.

Mohamed Gouaida. Note: 2,5. Die HSV-Leihgabe bleibt ein Ärgernis. Weshalb Joe Zinnbauer weiterhin regelmässig auf ihn zurückgreift, bleibt sein gut gehütetes Geheimnis. Musste in der 53. Minute (endlich) Marco Aratore weichen. Dieser traf immerhin noch Aluminium.

Sturm:

Roman Buess. Note: 2,0. Das Pech klebte an seinen Füssen. Vergibt zwei Hochkaräter; zumindest eine davon müsste er im Tor unterbringen. Konnte man ihn in den meisten Spielen der noch jungen Saison in Schutz nehmen, weil er zu selten brauchbare Bälle erhielt, so trifft ihn heute die Benotung mit voller Wucht. Erste Beobachter fragen bereits: Muss St.Gallen im Sturm nochmals nachrüsten?

FM1Today-Teamschnitt: 3,25

Fazit: Neun Spiele, kein Sieg. Die St.Galler Super-League-Bilanz gegen kecke Vaduzer bleibt desolat. Bezeichnend, dass mit Costanzo und Muntwiler wieder einmal zwei Ex-Espen gegen ihren alten Arbeitgeber trafen. Engagement und Wille mögen wohl in der ersten Halbzeit gestimmt haben, können aber über das weiterhin fehlende Spielkonzept nicht hinwegtäuschen. Alleine mit Abschlusspech lässt sich die Niederlage auch nicht erklären. Über die gesamten 90 Minuten hatte FCV-Coach Contini einfach den schlüssigeren Game-Plan in der Hinterhand. Da war ein griffiges Konzept vorhanden.

Erstmals waren nach Abpfiff im St.Galler Fanblock “Zinnbauer raus!”-Chöre zu hören. Der Kredit gegenüber dem zwölften Mann scheint endgültig verspielt zu sein. Entsprechend angefressen wirkte der Deutsche an der Medienkonferenz nach dem Spiel. Neue Durchhalteparolen folgten. Vergleiche mit dem ebenfalls verkorksten Lausanne-Spiel wurden gezogen. Und die obligate Ankündigung, dass nun im nächsten Spiel alles besser werden soll? Klar, die kam natürlich auch. Aber was soll er sonst auch sagen?

In der Ostschweiz brechen für Zinnbauer definitiv unangenehme Tage an. Da hilft auch das Statement von Präsident Früh nicht grossartig weiter, dass er am Trainer festhalten wolle, solange dieser Rat habe. Für viele Beobachter fehlt ihm dieser schon länger; spätestens seit der desolaten Rückrunde in diesem Frühling. Noch Fragen?


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