Nackt-Restaurant: Füllen ohne Hüllen

Brust oder Keule: Im neuen Restaurant in London ist alles nackt.
Brust oder Keule: Im neuen Restaurant in London ist alles nackt. © iStock
Warum eigentlich Kleider tragen beim Essen? Diese Frage stellten sich ein paar Unternehmer in London. Zur “totalen Befreiung” eröffnen sie am Samstag das erste Restaurant Londons, in dem nackt gespiesen werden kann. Nackt ist nicht nur der Gast im Pop-up-Restaurant.

“Ultimative Freiheit und die Befreiung vom Unreinen.” Das ist der Slogan des vermeintlich ersten Nackt-Restaurants in London. In der Küche wird ohne Elektrizität oder Gasherd gearbeitet. Das Essen wird auf handgemachten Tontellern mit essbarem Besteck serviert. Auf dem Menüplan steht zum Beispiel ein Goji-Beeren-Koriander-Tartar, Zucchini gefüllt mit sonnen-getrockneten Tomaten und Blumenkohl-Couscous. Damit man sieht, was man isst, beleuchten Kerzen den Raum und die Tische.

Die total nackte Befreiung

“Die Idee ist, totale Befreiung zu erfahren”, sagt der Gründer des Pop-up-Restaurants Seb Lyall zur Financial Times. Die Gäste erhalten vor dem Essenssaal einen Morgenmantel, den sie entweder tragen können oder nicht. “Es geht dabei nicht um den sexuellen Aspekt des Körpers”, sagt Lyall. Im Gegenteil: Wenn alle nackt seien, rücke die Sexualität in den Hintergrund und es gehe nicht mehr um den Körper. “Du schaust nicht mehr den Körper an, sondern das Gesicht”, meint Lyall.

40’000 auf der Warteliste

Das Restaurant, das sich im Süden Londons befindet, hat Platz für 42 Gäste. Mittlerweile stehen schon 40’000 Interessierte auf der Warteliste. Der Testbetrieb in den vergangenen Tagen war laut Lyall sehr erfolgreich: “Die Tester fühlten sich wohl und natürlich.” Es habe die Einstellung gegenüber dem Körper anderer verändert.

Keine Handys, dafür direkte Kommunikation

Es habe sich für die Gäste mehr wie ein soziales Experiment als ein Restaurant angefühlt. Telefone sind übrigens auch Tabu im Nacktrestaurant. “Wahrscheinlich macht das unsere Gäste nackter als alles andere”, meint Lyall.

“Die Kombination von nacktem Essen und der Verbannung von Technologie und Kleidung nimmt alles, was ein Face-to-Face-Gespräch hemmt”, sagt er. Das nackte Erlebnis ist nicht einmal so kostspielig, zumindest für Londoner Verhältnisse: Ein Fünf-Sterne-Menu – vegan oder nicht vegan – kostet umgerechnet etwa 97 Franken.

(lak)


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