Nagra reicht diesen Sommer erste Gesuche für Sondierbohrungen ein

Im Sommer will die Nagra die ersten Gesuche für Sondierbohrungen einreichen. Gebohrt wird in Tiefen von bis zu 1200 Metern.
Im Sommer will die Nagra die ersten Gesuche für Sondierbohrungen einreichen. Gebohrt wird in Tiefen von bis zu 1200 Metern. © Handout Nagra
Bei der Suche nach einem Endlager für radioaktive Abfälle geht es diesen Sommer einen Schritt weiter. Die Nagra will für die Gebiete Jura Ost und Zürich Nordost Gesuche für Sondierbohrungen einreichen. Das Gebiet Nördlich Lägern bleibt vorerst ein Sonderfall.

Die von der Erdoberfläche aus vorgenommenen 3D-Seismik-Messungen in den Gebieten Jura Ost und Zürich Nordost sind seit diesen Februar abgeschlossen. Jetzt will die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) wissen, wie es im Erdinnern tatsächlich aussieht.

Für die beiden Gebieten sollen ab diesem Sommer beim Bundesamt für Energie Gesuche für je sieben bis acht Sondierbohrungen eingereicht werden. Wo genau gebohrt wird, steht noch nicht fest. Die Bohrstellen sollen aber am Rande der für Endlager in Frage kommenden Zonen angeordnet werden.

Mit den Sondierbohrungen in Tiefen zwischen 600 und 1200 Meter will die Nagra gemäss dem heutigen Stand der Planung gegen Ende 2018 beginnen. Die Bohrungen sollen bis gegen Ende 2021 abgeschlossen sein, wie die Nagra-Verantwortlichen am Donnerstag vor den Medien in Baden AG sagten. Unmittelbar danach will sich die Nagra provisorisch auf einen möglichen Standort für das Endlager festlegen.

Weiterhin als Sonderfall wird das Gebiet Nördlich Lägern behandelt. Die Nagra wollte das Gebiet ursprünglich zusammen mit den Gebieten Südranden, Jura-Südfuss und Wellenberg wegen sicherheitstechnischen Nachteilen zurückstellen.

Die Atomaufsichtsbehörde ENSI war aber nicht damit einverstanden, dass sich die Nagra nur auf jene Gebiete konzentriert, in denen ein Endlager in 700 Metern Tiefe gebaut werden kann. Das ENSI verlangte, dass die Tiefe vorerst nicht eingeschränkt wird. Dies hatte zur Folge, dass das Gebiet Nördlich Lägern derzeit wieder im Rennen ist.

In dieser Region sollen die 3D-Seismik-Messungen nächsten Winter durchgeführt und danach ebenfalls Gesuche für Sondierbohrungen eingereicht werden. Diese Massnahmen werden von der Nagra vorausschauend an die Hand genommen.

Damit wird eine Verzögerung der Arbeiten von zwei bis drei Jahren ausgeschlossen, falls der Bundesrat zum Schluss kommen sollte, dass auch das Gebiet Nördlich Lägern als möglicher Endlagerstandort weiterverfolgt werden soll.

Auch ein im Februar dieses Jahres veröffentlichter Bericht einer Arbeitsgruppe der Kantone war zum Schluss gekommen, dass die Region Nördlich Lägern im Zürcher Unterland und im aargauischen Zurzibiet als möglicher Standort weiterverfolgt werden soll. Die Kantone argumentierten unter anderem, dass ein tiefer gelegenes Endlager durchaus möglich sei.

Auch in den beiden Schweizer Felslabors tut sich 2016 für die Nagra Entscheidendes. Im Felslabor Mont Terri im Jura findet ab diesem Sommer ein Testlauf für das Tiefenlager statt. Dabei werden drei mit Messgeräten versehene Versuchsbehälter in einen Lagerstollen eingeschlossen. Die in Wirklichkeit vorkommende Abwärme der Lagerbehälter wird durch Heizelemente simuliert.

Im Nagra-eigenen Felslabor Grimsel wird ein Versuchsbehälter, der vor 18 Jahren eingelagert wurde, ausgegraben. Auch dort wurde die Wärmeabgabe der hochaktiven Abfälle mit Heizelementen simuliert. Der erste der beiden vor 18 Jahren eingegrabenen Behälter war schon 2002 ans Tageslicht geholt worden.

(SDA)


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