Nati-Rücktritt von Steve von Bergen nach der EM

Steve von Bergen kündigte seinen Nati-Rücktritt nach der EM an
Steve von Bergen kündigte seinen Nati-Rücktritt nach der EM an © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Steve von Bergen wird nach der EM keine Spiele mehr für die Schweizer Nationalmannschaft bestreiten. Der Verteidiger kündigt seinen Rücktritt aus der Nati an.

An der WM 2010 in Südafrika kam Steve von Bergen im ersten Spiel gegen Spanien früh für den verletzten Philippe Senderos rein und stand danach auch in den weiteren Partien auf dem Platz. An der WM 2014 in Brasilien begann er in den ersten zwei Spielen, erlitt dann aber bei einem Tritt von Frankreichs Stürmer Olivier Giroud eine Gesichtsfraktur und musste nach Hause reisen. In Frankreich gehört Von Bergen nun erstmals nicht zu den Protagonisten. Er ist Reservist und sagt: “So hat es mir der Trainer von Anfang an klar gemacht.”

Wenn bei den Stammverteidigern Johan Djourou und Fabian Schär keine Sperren oder Verletzungen dazwischen kommen, wird die EM in Frankreich zum stillen Abschied von Steve von Bergen aus dem Nationalteam. “Ich bin seit fast zehn Jahren dabei, habe 50 Länderspiele. Mit 33 Jahren macht es keinen Sinn, für ein paar Einsätze in Freundschaftsspielen im Team zu bleiben. Hier aber versuche ich nun jeden Moment zu geniessen.”

Bei der EM ist ihm zumindest gegen aussen bloss eine kleine Nebenrolle zugedacht. Doch diese füllt Von Bergen mit der gleichen Leidenschaft aus, wie er zuvor in 50 Länderspielen verteidigt hat. “Ich setze mich auch hier jeden Tag zu 100, nein zu 1000 Prozent für das Team ein.” Sein primärer Auftrag liegt offenbar auf der psychologischen Ebene. “Wenn man in einem langen Turnier steckt, gibt es immer wieder Momente, die bei einzelnen Spielern zu Enttäuschungen führen”, so Von Bergen.

Gerade jetzt zwischen Vorrunde und Achtelfinals, in einer Phase, in der die Schweiz sechs Tage lang kein Spiel bestreitet, ist Von Bergens Erfahrung und Sensibilität offenbar gefragt. “Das ist der Moment, in dem ein paar Spieler etwas unruhig werden. Dann sage ich ihnen: ‘Halte dich bereit, vielleicht genügen dir im nächsten Spiel wenige Minuten und du machst das entscheidende Tor.”

Von Bergens Präsenz im Team ist wichtig. Sein Wort zählt nach wie vor. Denn als er am 9. September 2006 mit etwas mehr als 23 Jahren in einem Testspiel gegen Costa Rica sein erstes Länderspiel bestritt, gehörte vom aktuellen Schweizer EM-Kader nur Valon Behrami bereits zum Nationalteam.

In diesen knapp zehn Jahren hat Von Bergen viele Spieler in der SFV-Auswahl kommen und gehen gesehen. Damals stand noch Pascal Zuberbühler im Tor, Johan Vogel war der Captain. Er selbst verteidigte im Klub für den FC Zürich. Erst später ging er auf eine Europa-Tournee, die ihn über Hertha Berlin nach Italien zu Cesena, Genoa und Palermo führte, ehe er vor drei Jahren in die Schweiz, zu den Young Boys, zurückkehrte.

Von Bergen erlebte vor Vladimir Petkovic Jakob Kuhn und Ottmar Hitzfeld als Nationaltrainer. Vergleiche sind wenig sinnvoll, die Zeitspanne ist zu gross. Einzig ein Blick zurück an die WM 2014 lässt er zu und berichtet über eine Entwicklung in der Persönlichkeit einiger Spieler. “Viele sind in diesen zwei Jahren zu Männern geworden. Dadurch ist die Mannschaft gewachsen.” Auch die Mentalität habe sich geändert. Man sei nicht mehr die kleine Schweiz, sondern ein Team, das gegen jeden Gegner mitspielen wolle. “Dies hat die Mannschaft am Sonntag gegen Frankreich bewiesen.”

(SDA)


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