Neonazis erhalten Geld aus Konzert

Ein Neonazi trägt bei einer Kundgebung der NPD in Nürnberg ein Hemd mit der Aufschrift «Kameradschaft Heimatland».
Ein Neonazi trägt bei einer Kundgebung der NPD in Nürnberg ein Hemd mit der Aufschrift «Kameradschaft Heimatland». © (Keystone/bearbeitet)
Bei dem Neonazi-Konzert im Toggenburg sind offenbar mehr als 200’000 Franken für die Organisatoren zusammengekommen. Das Geld fliesst sehr wahrscheinlich in neonazistische Strukturen in Deutschland, haben Recherchen der Schweizer Wochenzeitung «WOZ» ergeben.

Mindestens 5000 Rechtsradikale haben vergangenes Wochenende ein Konzert in Unterwasser besucht. Dieses Konzert war zwar von der Gemeinde und der Polizei bewilligt, allerdings wusste keine der Autoritäten vom wahren Hintergrund des Anlasses. Der Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann, Rolf Züllig, fühlt sich im Nachhinein über den Tisch gezogen und möchte rechtliche Schritte einleiten. Gegen wen, ist noch nicht bekannt.

Das sogenannte «Rocktoberfest» am vergangenen Samstag war eines der grössten je organisierten Neonazi-Konzerte in Westeuropa. Wie die Wochenzeitung «WOZ» nun herausgefunden haben will, hat es sich bei dem Konzert um eine Spendenaktion gehandelt. Und zwar, um unter anderem die Prozesskosten für einen «Nazischläger» aufzubringen. Dieser hatte im deutschen Dorf Ballstädt mit anderen Kollegen eine Jahrmarktgesellschaft gewalttätig überfallen. Dabei wurden etliche Personen mit Schlaghandschuhen verletzt. Die Gerichtsverhandlung dazu findet in einer Woche statt.

Grosses Netzwerk

Der Haupttäter, ein 41-jähriger Neonazi aus dem deutschen Ort Gotha und Veteran der Thüringer Neonazimusikszene, ist bereits wegen eines Überfalls und gefährlicher Körperverletzung vorbestraft. Laut einer gut informierten Quelle soll er vergangene Woche in die Schweiz eingereist sein, berichtet die «WOZ». Diesem Mann gehe es auch darum, die Kosten für das soganannte «Gelbe Haus» aufzubringen – ein Gebäude, das deutsche Neonazis für etwa 180’000 Franken gekauft hatten. Das haben die «WOZ» und die «Antifa Bern» gemeinsam recherchiert.

Auch haben sie herausgefunden, dass der Organisator des Konzerts, der in der Schweiz wohnhafte Deutsche Matthias Melchner, mehrmals in dem «Gelben Haus» zu Besuch gewesen und mit einer führenden Figur der neonazistischen Szene in Kontakt gewesen sei.

Boden für Perspektivlose

Insgesamt dürfte das «Rocktoberfest» den Organisatoren rund 218’000 Franken eingebracht haben; die Eintrittskarten für das Konzert hatten etwa 33 Franken gekostet. In der Tennishalle seien zudem Merchandisingstände mit T-Shirts aufgebaut gewesen. Bei einem solchen Anlass würde auch Nachwuchs für die Neonazi-Szene rekrutiert werden. Besonders solche, denen es an Freizeitaktivitäten und Treffpunkten mangle, seien ideal zu ködern.

(red.)

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