Zehntausende Israelis nehmen Abschied vom grossen Staatsmann Peres

Die Ehrengarde der Knesset flankiert den Sarg des verstorbenen Altpräsidenten Peres.
Die Ehrengarde der Knesset flankiert den Sarg des verstorbenen Altpräsidenten Peres. © KEYSTONE/EPA/ABIR SULTAN
Zehntausende Israelis haben am Donnerstag von ihrem Altpräsidenten Schimon Peres Abschied genommen. Die Menschen besuchten den in eine blau-weisse Flagge gehüllten Sarg, der vor dem Parlament in Jerusalem aufgebahrt war.

In einer kurzen Abschiedszeremonie legten Regierungschef Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Reuven Rivlin Kränze vor dem Sarg nieder. Netanjahu wirkte sichtlich bedrückt und verharrte eine Weile in stillem Gedenken vor dem Sarg. Er hatte sich nach eigenen Angaben in den letzten Jahren Peres sehr angenähert und sich häufig mit ihm beraten.

Tausende weitere Trauernde unterzogen sich dann Sicherheitskontrollen, um ebenfalls vorgelassen zu werden. Die Fahnen waren auf Halbmast. Alle zur Knesset führenden Strassen waren abgesperrt, auf dem Weg zum Parlament wurden Shuttledienste eingerichtet.

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton kam als Erster von Dutzenden Spitzenpolitikern aus aller Welt, die zum Begräbnis am Freitag auf dem Herzl-Berg in Jerusalem erwartet werden. Clinton verneigte sich vor dem aufgebahrten Sarg.

Die Trauerfeierlichkeiten, zu denen auch US-Präsident Barack Obama und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kommen wollen, finden unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt.

Israels Polizei ist für die Zeit der Trauerfeierlichkeiten in erhöhter Alarmbereitschaft. Rund 8000 Polizisten sollen im Einsatz sein, um Zwischenfälle zu verhindern.

Die radikal-islamische Hamas hat für Freitag zu einem «Tag des Zorn» aufgerufen. Konfrontationen in Jerusalem und im Westjordanland sollen an den ersten Jahrestag der «Al-Kuds-Intifada» erinnern – der jüngsten Welle palästinensischer Anschläge.

80 Delegationen aus aller Welt würden bei dem Begräbnis erwartet, insgesamt rund 3000 Trauergäste, sagte Professor Rafi Walden, Peres’ Leibarzt und Schwiegersohn. Obama wird von seinem Aussenminister John Kerry begleitet. Auch der Schweizer Bundespräsident Johann Schneider-Ammann ist unter den Trauergästen.

Aus Deutschland kommen neben Bundespräsident Joachim Gauck auch Aussenminister Frank-Walter Steinmeier und Arbeitsministerin Andrea Nahles. Nach Angaben des israelischen Aussenministeriums wird auch der ägyptische Aussenminister Sameh Schukri erwartet.

Auch Frankreichs Präsident François Hollande, der britische Prinz Charles, der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau, EU-Ratspräsident Donald Tusk, und der österreichische Aussenminister Sebastian Kurz sind unter den Trauergästen.

In einer seltenen arabischen Beileidsbekundung hat Bahrains Aussenminister Chalid al-Chalifa auf den Tod von Peres reagiert. Ruhe in Frieden Präsident Schimon Peres, ein Mann des Krieges und ein Mann des immer noch flüchtigen Friedens im Nahen Osten”, schrieb Al-Chalifa am Donnerstag in einer auf englisch verfassten Nachricht über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Der Tod von Peres war von den übrigen Regierungen der arabischen Welt nahezu stillschweigend zur Kenntnis genommen worden.

Peres war am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben, zwei Wochen nach einem Schlaganfall. Peres war einer der Architekten der Friedensverträge mit den Palästinensern. Er wurde dafür 1994 gemeinsam mit dem israelischen Regierungschef Izchak Rabin und PLO-Chef Jassir Arafat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Bei einer Zeremonie im September 1993 auf dem Rasen vor dem Weissen Haus in Washington hatten Abbas und Peres als Aussenminister die Verträge unterzeichnet. Im Beisein des damaligen US-Präsidenten Clinton kam es zu einem historischen Handschlag Rabins mit Arafat.

Peres wurde 1923 als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ostpolen geboren und wanderte 1934 nach Palästina ein. Er wurde auch als Vater des israelischen Atomprogramms bekannt. Peres war zweimal Israels Regierungschef und mehrmals Minister.

(SDA)


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