Neuer CS-Chef Thiam: “Die CS soll wieder wachsen”

"Eine Firmenorganistion, die nicht expandiert, hat keine Zukunft", sagt der neue CS-Konzernchef Tidjane Thiam zur neuen Strategie der Grossbank.
"Eine Firmenorganistion, die nicht expandiert, hat keine Zukunft", sagt der neue CS-Konzernchef Tidjane Thiam zur neuen Strategie der Grossbank. © KEYSTONE/WALTER BIERI
Die Credit Suisse hat aus Sicht ihres Chefs Tidjane Thiam in der Vergangenheit zu wenig investiert. Thiam betont deshalb, dass die neue Strategie nebst hohen Sparzielen auch Investitionen vorsieht, mit denen er die Grossbank auf Wachstumskurs führen will.

“Die Credit Suisse soll wieder wachsen, das ist mein grosses Ziel”, sagte Thiam im Interview mit der “Neuen Zürcher Zeitung” vom Samstag. In der neuen Strategie seien nebst Einsparungen von 3,5 Milliarden Franken auch 1,5 Milliarden Franken Investitionen geplant.

“Eine Firmenorganisation, die nicht expandiert, hat keine Zukunft”, sagte Thiam. Als abschreckendes Beispiel erwähnte er die englische Autoindustrie: “Jahrzehntelang haben sich deren Manager auf das Sparen konzentriert – mit der Folge, dass die Anbieter heute nicht mehr existieren.”

Zu den Ländern, in denen Thiam investieren will und sich Wachstum erhofft, gehört auch die Schweiz. Zunächst sollen allerdings in der Schweiz in den kommenden drei Jahren 1600 Stellen wegfallen. “Die Credit Suisse hat in den vergangenen Jahren dem Heimmarkt zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und hier zu wenig investiert”, sagte er.

Wachstumsmöglichkeiten in der Schweiz sieht Thiam bei Geschäften mit KMU und bei wohlhabenden Anlegern. “Es geht nicht in erster Linie darum, Marktanteile zu gewinnen, sondern darum, besser auf die Bedürfnisse bestehender Kunden einzugehen und mehr Geschäfte zu machen.”

In diesem Zusammenhang sei auch der Börsengang der Schweizer Universalbank zu sehen. Dieser soll das Management zu Verbesserungen antreiben: “Eine kotierte Aktie stellt für das Management einen Anreiz dar.” Es müsse quartalsweise über die Fortschritte und den Zustand des Unternehmens Rechenschaft ablegen.

Dass Investoren Interesse an einer CS-Aktie haben werden, liegt für Thiam auf der Hand. “Die Schweizer Bank ist sehr profitabel, die Dividenden attraktiv und die Risiken überschaubar.”

Zudem sei der Standort Schweiz sicher. Er widerspricht der Aussage, dass der Börsengang nur zum Ziel habe, die Kapitallücken zu schliessen. Dafür sei die Kotierung einer Tochtergesellschaft ein zu aufwendiges Unterfangen.

Thiam äusserte sich auch zum gesunkenen Aktienkurs nach der Präsentation der Strategie und der Ankündigung der Kapitalerhöhung. Das Absacken um 3,8 Prozent könne nicht so interpretiert werden, dass die Investoren die Strategie nicht goutierten. Wenn Gesellschaften vergleichbare Kapitalerhöhungen ankündigten, sinke der Kurs in der Regel um 8 bis 10 Prozent.

Anfällig auf Schwankungen werde der Aktienkurs bis zum Abschluss der Kapitalerhöhung im Dezember bleiben. Die Aktionäre stünden aber hinter der Grossbank und ihm. “Die Investoren kennen mich, und wissen, dass ich die Vorhaben, die ich ankündige, auch durchsetze.”

Neben der Schweiz und London sind auch die USA vom Sparprogramm betroffen. “Der Verkauf der amerikanischen Vermögensverwaltung wirkt sich positiv auf unseren Gewinn aus”, sagte Thiam. In seiner alten Form habe dieser Zweig nicht mehr funktioniert, weshalb die CS die Vermögensverwaltung aufgeteilt und regionalisiert habe. Weiter sagte er: “Ich glaube nicht an ein global geführtes Private Banking.”

Entgegen der Erwartungen vieler, wurde das Investmentbanking der CS nicht weiter verschlankt. Eine Analyse der CS habe ergeben, dass dies den Ertrag je Kapitaleinheit geschmälert hätte, wie Thiam der NZZ sagte. Zudem zeigte er sich überzeugt, dass gerade im Geschäft mit den reichen Kunden namentlich aus Asien, ein starkes Investmentbanking wichtig sei: “Ohne ein starkes Investmentbanking lässt sich auch kein führendes Vermögensverwaltungsgeschäft aufbauen.”

Thiam übernahm im Juni die CS-Führung von Brady Dougan. Am Mittwoch präsentierte er einen Totalumbau der Grossbank, die künftig dezentraler aufgestellt ist und damit weniger Kosten verursachen soll. Bis Ende 2018 will die Bank 3,5 Milliarden Franken sparen.

(SDA)


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