Neuer Marktplatz: Diesmal soll es klappen

Einige Teilnehmer der Online-Umfrage finden, der neue Marktplatz soll Platz für viele Bäume bieten.
Einige Teilnehmer der Online-Umfrage finden, der neue Marktplatz soll Platz für viele Bäume bieten. © TAGBLATT/Urs Bucher
Nachdem das St.Galler Stimmvolk zwei Vorlagen für einen neuen Marktplatz versenkt hat, wagt die Stadt nun einen neuen Versuch. Diesmal integriert sie die Bürger von Anfang an in den Prozess. 

«Der Marktplatz ist eine Art Visitenkarte für die Stadt St.Gallen», sagt Florian Kessler, Leiter Stadtplanungsamt, am Freitag vor den Medien. Nachdem die Bürgerschaft in den Jahren 2011 und 2015 zwei Vorlagen für die Neugestaltung des Marktplatzes abgelehnt hat, plant die Verwaltung jetzt, die Beteiligten in den Planungsprozess einzubinden. Im Juli hat der Stadtrat einen Kredit von 120’000 Franken für das partizipative Vorgehen gesprochen.

Keine Vorlage im «Stübli» entwickeln

Patrizia Adam, Stadträtin und Vorsteherin «Bau und Planung» © FM1Today

Patrizia Adam, Stadträtin und Vorsteherin «Bau und Planung» © FM1Today

In einem ersten Schritt informiert die Stadt an einer öffentlichen Informationsveranstaltung über den dialogorientierten Prozess. So sollen verschiedene Anspruchsgruppen und Grundeigentümer im neuen Jahr an drei Foren ihre Wünsche rund um den neuen Marktplatz einbringen und gemeinsam ein neues Projekt entwickeln können. «Wir gehen raus und reden mit den Leuten, statt mit Fachexperten in einem ‘Stübli’ eine neue Vorlage zu entwickeln», erklärt Patrizia Adam.

Die Gruppe von 50 bis 70 Personen beinhaltet ein Dutzend Interessierte aus der Bevölkerung. Melden sich mehr Personen als vorgesehen für die Foren an, werden sie nach soziodemografischen Faktoren ausgewählt, «um ein möglichst repräsentatives Ergebnis zu erzielen», so die Bauvorsteherin. Man wolle die Interessen von «Jung und Alt» berücksichtigen. Gemäss Florian Kessler können grundsätzlich auch Personen, die nicht in der Stadt St.Gallen wohnhaft sind, teilnehmen. «Jedoch werden vorzugsweise direkt Betroffene eingebunden.»

Online-Befragung zeigt erste Tendenzen

In den vergangenen Wochen hat die städtische Verwaltung 55 Anspruchsgruppen sowie 50 Gründeigentümerschaften zu ihren Präferenzen betreffend der Neugestaltung befragt. Sechs Aufgaben, die Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt auch in Zukunft erfüllen sollen, haben sich dabei ergeben.

    • Marktort (100 Prozent der Stimmen)
    • Aufenthaltsort (97 Prozent)
    • Städtischer Platz (95 Prozent)
    • Begegnungsort (95 Prozent)
    • Hauptplatz, Zentrum von St.Gallen (93 Prozent)
    • Festort (88 Prozent)

Marktplatz darf etwas kosten

Florian Kessler, Leiter Stadtplanungsamt © FM1Today

Florian Kessler, Leiter Stadtplanungsamt © FM1Today

Wollen die meisten Umfrageteilnehmer, dass aus dem Marktplatz ein lebendiges und freundliches Zentrum für die breite Öffentlichkeit wird, so scheiden sich bei der Calatrava-Halle und der Rondelle die Geister. Nur jeweils 50 Prozent finden, die beiden bestehenden Bauwerke seien bedeutend.

Dass der neue Marktplatz etwas kosten darf, bejahen 86 Prozent der Teilnehmer. «Sie sind damit einverstanden, dass wir nicht nur sanieren, sondern einen Mehrwert für die Stadt schaffen», deutet Kessler das Ergebnis. 70 Prozent wünschen sich eine Bushaltestelle am Bohl (heutige Situation), 25 Prozent möchten sie in Richtung Marktplatz verlegen.

Positive Beispiele in anderen Städten

«Wir haben positives Feedback von jenen erhalten, die in den ersten Prozessen nicht gehört wurden», berichtet Adam. Beim letzten Versuch im Jahr 2015 kritisierten verschiedene Gruppen wie beispielsweise die Marktfahrer und das Gewerbe, man habe sie übergangen. «Hundertprozentig wissen wir nie, wie die Abstimmung schlussendlich ausfällt», sagt die CVP-Politikerin. Gestützt auf positiven Erfahrungen von ähnlichen Vorgehensweisen in Bregenz oder Küsnacht am Zürichsee könne man optimistisch sein.

Dieser Container dient dazu, das Stimmvolk über das weitere Vorgehen aufzuklären. © FM1Today

Dieser Container dient dazu, das Stimmvolk über das weitere Vorgehen aufzuklären. © FM1Today

«Sind auf gutem Weg»

Nach Auswertung der partizipativen Massnahmen entsteht ein Protokoll mit Empfehlungen an den Stadtrat. Dieser entscheidet dann im Frühsommer über das weitere Vorgehen. «Mit dem zunehmenden Leidensdruck erhöhen sich auch die Chancen, beim dritten Mal erfolgreich zu sein», so die Stadträtin. «Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.»

Wer darüber informiert sein möchte, wie die Stadt St.Gallen beim dritten Versuch, den Marktplatz neu zu gestalten, vorgeht, kann am Freitag, 2. Dezember, um 19 Uhr die öffentliche Informationsveranstaltung im Waaghaus besuchen. 


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