Neues Bettenhaus des Zürcher Stadtspitals Triemli setzt Massstäbe

Blick auf das Bettenhaus Triemli.  Das Gebäude umfasst 1885 Räume.
Blick auf das Bettenhaus Triemli. Das Gebäude umfasst 1885 Räume. © Keystone/ENNIO LEANZA
Das Zürcher Stadtspital Triemli hat ein neues Bettenhaus. Es bietet Platz für rund 550 Betten und setzt Massstäbe in Sachen Nachhaltigkeit. So erfüllt es als erstes Spitalgebäude in der Schweiz die Anforderungen des Minergie-P-Eco Standards.

Nach über zehnjähriger Planungs- und Bauzeit wird das nach eigenen Angaben “modernste Bettenhaus der Schweiz” am 1. April in Betrieb genommen. Das Gebäude umfasst 1885 Räume, in denen über 1000 Kilometer Kabel verlegt und fast 400’000 Kilogramm Lehmputz verarbeitet wurden. Der geplante Kostenrahmen von 290 Millionen Franken wurde eingehalten.

Es ist ein Grossprojekt, fast vergleichbar mit dem Bau einer Kathedrale, wie Hochbauvorsteher André Odermatt am Dienstag sagte. Und trotz beeindruckender Ausmasse mit 18 Stockwerken, 35 Metern Breite und 100 Metern Länge wirkt der kompakte Bau durch die transparente Glasfassade leicht und elegant.

Im Innern sorgen ein Farbkonzept mit Gelb- und Rottönen, Sichtbeton und Wandpaneelen, die wie Echtholz wirken aber aus hygienischen Kunstharzplatten bestehen, für eine wohnliche Atmosphäre. Neu gibt es Zweibettzimmer für alle und zwar mit einer beeindruckenden Aussicht durch raumhohe Fenster, entweder über die Stadt oder auf den Üetliberg.

Komfortabel für Mitarbeitende und Patienten ist auch die technische Ausstattung. Am neuen “Patienten Universal Terminal (PUT)” kann Essen bestellt, telefoniert oder im Internet gesurft werden. Es dient als Fernseher oder zum Betrachten von Röntgenbildern oder Laborwerten.

Um die Alltagstauglichkeit der Patientenzimmer zu testen, wurde ein Modell im Massstab 1:1 erstellt. So konnten die Planer, Aeschlimann Hasler Partner Architekten AG, gemeinsam mit den Beteiligten Arbeitsabläufe überprüfen und geeignete Materialien auswählen.

Eine Neuerung ist ein spezieller Bettenlift, der wie ein Paternoster funktioniert. Bei Bedarf transportiert er direkt ein sauberes Bett auf die Station oder bringt ein gebrauchtes zum Reinigen. So stehen Betten nicht mehr auf dem Gang, sie sind aber trotzdem jederzeit bereit.

Mit dem neuen Bettenhaus werde das Triemli noch attraktiver für Patienten, Mitarbeitende und zuweisende Ärzte, sagte Claudia Nielsen, Vorsteherin des Gesundheits- und Umweltdepartements.

Wenn sich damit mehr Privatpatienten für das Triemli entscheiden, profitiert das Spital davon auch finanziell. So bringt ein Prozent mehr Privatversicherte einen Mehrertrag von 1,5 Millionen Franken, wie Spitaldirektor Erwin Carigiet sagte.

Das Bettenhaus ist ein Pionierprojekt für die 2000-Watt-Gesellschaft. Es ist der erste Spitalbau in der Schweiz, der mit Minergie-P-Eco das strengste Label für energieeffiziente Bauten erfüllt. Wert gelegt wurde auf ökologische Materialien beim Bau und bei der Ausstattung.

So sorgt beispielsweise die Lehmdecke in den Patientenzimmern für einen gutes Raumklima und die Bettwäsche, hellgrau, weiss und gelb kariert, wurde in der Schweiz nach ökologischem Standard hergestellt.

Zum nachhaltigen Bauen gehört auch die Energiezentrale, die hauptsächlich aus erneuerbaren Quellen gespeist wird und bereits seit 2015 in Betrieb ist. Herzstück ist eine Holzschnitzelheizung, sichtbares Wahrzeichen aber ist ein 46 Meter hoher, mit Schiefer verkleideter Kamin mit elliptischer Grundform.

Zwei Erdsondenfelder mit 92 Sonden sorgen für eine angenehme Temperatur im neuen Bettenhaus. Im Sommer wird die Raumtemperatur reduziert und die aufgenommene Wärme im Erdreich gespeichert, um dann im Winter wieder genutzt zu werden.

Am Samstag, 12. März, stehen das neue Bettenhaus und auch die Energiezentrale allen Interessierten offenen. Von 10 bis 18 Uhr wird ein umfangreichen Fest- und Vortragsprogramm geboten.

(SDA)


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