Notengraus zum Saisonauftakt

Von Marco Latzer
Notengraus zum Saisonauftakt
© Kubo düpiert Lopar zum 0:2 - betretene Mienen beim FCSG.(KEYSTONE/Eddy Risch)
Dem FC St.Gallen ist der Saisonauftakt gründlich missglückt. Gegen YB setzte es nach 90 harmlosen Minuten eine verdiente 0:2-Niederlage ab. Die enttäuschende Leistung gibt Grund zur Sorge. Hier geht es zu den Spielernoten. 

Den Höhepunkt des Abends aus St.Galler Sicht gab es schon vor dem Anpfiff der Partie: Erstmals ertönte die neue Clubhymne “Üses Lied” (HIER geht es zum Audiofile) im Stadion, das seit dieser Saison Kybunpark heisst. Passend dazu wurden im ganzen Rund Notenblättchen mit dem Songtext verteilt, damit das Publikum das Lied mit voller Wucht intonieren kann. Viele Zuschauer machten mit, waren aber noch nicht ganz sattelfest, bzw. textsicher. Egal. Das wird schon. Erstmals seit 1879 könnte sich damit auch in der Ostschweiz eine Vereinshymne durchsetzen. Wir werden das Experiment in dieser Saison gerne weiterverfolgen.

Nun aber zum weniger erfreulichen Part des Abends; dem Spiel und den Noten.

Tor:

Daniel Lopar. Note: 2,5. Ein völlig verpatzter Saisonauftakt für den St.Galler Schlussmann. Trotz viel Verkehr vor ihm machte Lopar beim Führungstreffer von Bertone keine gute Figur. Der Treffer schien haltbar zu sein. Keine Diskussion braucht es beim 0:2. Dort verschätzt sich der Schlussmann nach schlechter Kommunikation beim Rauslaufen und muss sich von Joker Kubo düpieren lassen. Dieses Ei geht klar auf seine Kappe.

Verteidigung:

Mario Mutsch. Note: 3,0. Musste als Aussenverteidiger ran und rackerte auch auf dieser Position ordentlich. Versuchte sich auch gegen vorne einzuschalten, blieb aber ohne Fortune.

Alain Wiss. Note: 3,5. Kein wirklich überzeugender Auftritt, aber auch nicht wirklich schlecht. Konnte seinem Anspruch, ein Leader zu sein, nicht gerecht werden. Wurde in der letzten Saison noch viel mehr als Chef wahrgenommen.

Martin Angha. Note: 3,0. Hatte mit seinen Kollegen 45 Minuten lang gegen YB so ziemlich alles im Griff. Dann schalteten die Berner einen Gang höher und schon kam die Defensive ins Schwimmen. Negativer Höhepunkt: Das Missverständnis mit Lopar vor dem 0:2. War nach dem Spiel entsprechend bedient.

Kofi Schulz. Note: 4,0. Kam nach der Biel-Pleite im Frühling bereits früher als geplant zum FCSG, durfte in der Rückrunde aber noch nicht eingesetzt werden. Gegen YB erstmals seit langem wieder in einem Ernstkampf im Einsatz und einer genügenden Leistung.

Mittelfeld:

Toko. Note: 4,5. Bester Mann beim FC St.Gallen. Liess nicht anmerken, dass ihm Spielpraxis fehlen könnte und war gleich von Anbeginn sehr präsent. Sein Einstand war zugleich auch das erste Mal mit der Captainbinde am Arm. Er könnte die richtige Besetzung für dieses Amt sein.

Yannis Tafer. Note: 3,0. Die neue Saison startet und Yannis Tafer ist bei den Grün-Weissen noch immer am Start. Nach Leistungen wie gegen die Berner können sich die St.Galler Fans ziemlich sicher sein, dass ihnen der Franzose noch eine ganze Weile erhalten bleibt. Dem Fussballästheten gelang wenig bis nichts, wurde in der 75. Minute durch Debütant Chabbi ersetzt.

Marco Aratore. Note: 3,5. Noch einer der überzeugenderen Spieler in der Offensivabteilung und dem Mut, etwas zu versuchen. Verfehlte kurz vor der Pause mit einem Distanzschuss den Führungstreffer nur knapp. Es sollte die beste Chance des ganzen Spiels für die Hausherren bleiben.

Danijel Aleksic. Note: 2,5. Nein, nein, nein. Er könnte Spiele im Alleingang entscheiden. Also zumindest in der Theorie. Gegen YB blieb seine auffälligste Aktion ein Freistoss ins Gesicht von Ravet. Wurde den Ansprüchen an ihn in keinster Weise gerecht. In der 63. Minute kam Bunjaku für ihn rein.

Mohamed Gouaida. Note: 3,0. Die Hamburg-Leihgabe tauchte das erste Mal in der Startformation auf. Auf dem Rasen stand er zwar, viel war aber nicht von ihm zu sehen. Das Spiel lief völlig an ihm vorbei. Wurde in der 82. Minute durch Cueto ersetzt.

Sturm:

Roman Buess. Note: 3,0. Ein Volley über das Tor noch in der ersten Halbzeit blieb seine gefährlichste Aktion. Hatte kaum Bälle und drohte zu verhungern. Übernahm nahtlos den Part, den die einzigen Sturmspitzen bereits in der letzten Saison hatten. Nämlich dass sie als arme Kerle da vorne völlig isoliert blieben.

FM1Today-Teamschnitt: 3,23

Fazit: Was für ein übler Auftakt in die nächste Saison. Das war gelebte Harmlosigkeit im Quadrat. Trainer Joe Zinnbauer hat bereits nach 90 Minuten alle Hände voll zu tun. Keine Schüsse auf das gegnerische Tor – Schlussmann Mvogo blieb den ganzen Abend beschäftigungslos – keine einzige Ecke, kein einziger herauskombinierter Angriff. Kurzum: im Prinzip eine spielerische Bankrotterklärung. Mit solchen Auftritten erwartet uns wieder eine ganz schwierige Saison.

Schon am nächsten Samstag muss der FC St.Gallen auswärts beim FC Sion in die Hosen. Auch das wird keine einfache Aufgabe. Bleibt zu hoffen, dass sich die Mannschaft einen kapitalen Fehlstart ersparen kann. Aber dafür braucht es beim besten Willen auch Torschüsse, Eckbälle, einen geordneten Spielaufbau mit Ideen, usw.


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