«Oh mein Gott! Wir haben einen Plattenvertrag»

Von Lara Abderhalden
Die Girlgroup "Tonic Scale" kann kaum glauben, dass sie einen Plattenvertrag hat.
Die Girlgroup "Tonic Scale" kann kaum glauben, dass sie einen Plattenvertrag hat. © Lara Abderhalden
Sie haben einen Traum: Sie wollen Musik machen auf den ganz grossen Bühnen dieser Welt. Vier Girls aus dem Rheintal stehen vor dem Durchbruch. Dank eines Plattenvertrags aus Deutschland dürfen sie drei Alben produzieren und nächstes Jahr durch Grossbritannien touren. Für die grosse Musikkarriere geben sie in der Schweiz alles auf.

«Ich bin total ausgeflippt und konnte meinen Augen nicht trauen», erzählt die 18-jährige Amber aus Widnau. Ein Plattenlabel aus Deutschland hat die Girlgroup Tonic Scale während mehreren Monaten auf Social Media beobachtet: «Sie sahen sich an, was wir so treiben», so Amber. Eines Tages habe ihr der Manager des Labels NB Germany, Daniel Loitz, auf Instagram geschrieben. Was dann kam, ist noch immer wie ein Traum für die vier Teenies aus Widnau: «Ihr bekommt einen Plattenvertrag und dürft mit uns drei Alben produzieren. Im kommenden Sommer schicken wir euch auf Tournee nach Grossbritannien», hiess es in der Mitteilung des Labels.

Tränen und Freude

Arina kann sich noch genau an den Zeitpunkt erinnern, als ihre Freundin Amber der Band von der Neuigkeit erzählte: «Es war ein Donnerstag. Amber schickte uns eine Sprachmitteilung mit dem Inhalt: Oh mein Gott, wir haben einen Plattenvertrag! Dabei hat sie beinahe geweint. Das war so aufregend!» Am Anfang hätten sie die ganzen Sache noch etwas kritisch betrachtet: «Wir dachten, das wird doch nichts, der meint das bestimmt nicht ernst.» Als die vier Rheintalerinnen Daniel Loitz dann aber zum ersten Mal trafen, wussten sie, das wird ganz gross. Riesig. Der Wahnsinn.

Wow und Ah

«Als uns Daniel Loitz erzählte, was er mit uns vor hat, dachten wir nur ‘Wow’. Wir hätten nicht gedacht, dass wir so weit kommen würden», erzählt die 16-jährige Emilia. Sie ist die jüngste der vier Girls und träumt schon lange von einer Musikkarriere: «Seit ich sieben Jahre alt bin, möchte ich Sängerin werden. Ich habe mir alle Staffeln von ‘Deutschland sucht den Superstar’ angesehen und dachte immer, da will ich mal hin». Dass eine Karriere ganz ohne Castingshow möglich ist, wäre ihr nie in den Sinn gekommen.

Aufgeben und neu anfangen

«Es ist so vollkommen unrealistisch. Wir dachten immer, wir seien einfach eine Gruppe, die in der Freizeit gerne Musik macht. Und jetzt das. Wir freuen uns, dass wir das erleben dürfen», sagt Alena, auch sie ist erst 18. Im Sommer schliesst sie die Berufsmatura ab und dann widmet sie sich vollumfänglich der Musik.

Auch die anderen drei Girls geben ihr Leben im Rheintal vorübergehend auf: «Im Februar geht es mit dem ersten Projekt los. Zwischen Juni und September gehen wir auf Tour und dann sollte das erste Album erscheinen», erklärt Amber. Ein solch gefüllter Terminkalender braucht Zeit, alle Zeit, welche die Mädchen haben: «Ich schliesse meine Berufsmatura im Sommer ab, Amber ist fertig mit der Berufsmittelschule, Emilia mit ihrem Motivationsjahr und Arina kündigt den Job als Flight Attendant bei der Swiss», sagt Alena.

Ungewissheit und Unbehagen

«Wir möchten uns nach den Sommerferien voll auf die Musik konzentrieren. Wir starten mit der Produktion des Albums und gehen in Grossbritannien auf Tour», so Amber. Mehrere Monate werden die vier Mädchen durch England und Irland ziehen und ihre Lieder zum Besten geben.

So konkret und durchdacht das auch klingen mag, im Moment ist noch vieles ungewiss: «Wir haben zwar den Plattenvertrag, die Tournee durch Grossbritannien und unsere Jobs und Ausbildungen beendet, aber eigentlich wissen wir noch nicht genau, was uns erwartet», erzählt Amber. Bis anhin hat die Girlgroup unter dem Namen «Tonic Scale» hauptsächlich Coversongs gesungen: «Wir waren die typische Girlgroup, die zu Playbacks singt und dazu ein Tänzchen macht.» Diese Girlgroup wollen die Mädchen laut Arina aber nicht länger sein: «Wir wollen unser eigenes Ding durchziehen. Bei unseren eigenen Liedern soll jede von uns ein Instrument spielen. Wir wollen wegkommen vom Klischee einer typischen Girlgroup.» Es soll etwas Neues erschaffen werden, ergänzt Alena: «Wir möchten uns nicht nach einem Vorbild richten.»

Songs und Sternchen

Mit Gitarre, Klavier und Schlagzeug wollen die Mädels Popmusik für jedermann produzieren, was es genau wird, steht jedoch noch in den Sternen: «Uns ist wichtig, mit persönlichen Songs eine Geschichte zu erzählen, Menschen zu berühren, das können Erwachsene und Teenies sein», Amber schreibt schon seit fünf Jahren ihre eigenen Songs, die Songs für das Album sollen jedoch ein Gemeinschaftswerk sein.

Als nächster Schritt dürfen «Tonic Scale» im Februar eine Single mit einem deutschen DJ aufnehmen. Die Single heisst «Fallen Star». Dazu werde ein Videoclip produziert: «Im Video geht es um einen krebskranken Jungen, der eine gute Beziehung mit seinem Pfleger aufbaut. Dieser schenkt dem Jungen eine Sternenkette, die in der Nacht leuchtet», so Arina. Bei den Konzerten und über das Label möchte die Girlgroup diese Sternenketten verkaufen. Der Erlös geht dann an die Elterngruppe der Kinderkrebshilfe in Balgach: «Wir wollen unserer Herkunft treu bleiben», sagt Arina.

Vier kleine Rheintaler Girls ganz gross. Die vier können immer noch kaum glauben, dass ein Plattenlabel aus Deutschland, welches schon für Stromae, Kings of Leon und Cascada produzierte, jetzt ausgerechnet mit ihnen zusammen arbeiten will: «Es ist wie in einem dieser Filme, in der vier Mädchen zuerst nichts sind und nichts haben und plötzlich überall in den Medien erscheinen. Es ist unrealistisch und doch unglaublich schön», schwärmt Arina. Amber ergänzt: «Wir hatten bis anhin hauptsächlich Konzerte im Rheintal, was jetzt kommt, ist anders. Wir geben alles dafür und wenn nicht jetzt, wann dann? Wir haben ja nichts zu verlieren.»

Extra für das Interview haben die vier Girls «Lego House» von Ed Sheeran geübt:

Ein Mix verschiedener Lieder – den ersten Song «Run» haben sie selbst geschrieben:


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