Open Airs lassen sich durch Ansbach nicht aus dem Konzept bringen

Grundlos auf Panik zu machen, bringt nichts: Grossandrang vor dem Eingang zum "Zurich Openair" in Rümlang. (Archiv)
Grundlos auf Panik zu machen, bringt nichts: Grossandrang vor dem Eingang zum "Zurich Openair" in Rümlang. (Archiv) © Keystone/WALTER BIERI
Nach dem Bombenanschlag vor einem Open-Air-Konzert in Ansbach stellt sich auch für Schweizer Festivals die Frage, ob ihre Sicherheitskonzepte Anpassungen brauchen. Ein Veranstalter winkt ab: Panik bringe nicht mehr Sicherheit. Andere geben sich eher wortkarg.

Der Selbstmordattentäter von Ansbach trug in seinem Rucksack eine Bombe mit “scharfkantigen Metallteilen”, wie die deutsche Polizei später mitteilte. Er wollte sie am Musikfestival mit etwa 2500 Besucher zünden. Weil der Mann keine Eintrittskarte hatte, blieb ihm der Zutritt zum Gelände aber verwehrt. Angenommen, er hätte ein Ticket gehabt – hätte er mit seinem Rucksack die Eingangskontrolle passieren können?

Beim Gurten-Festival auf dem Berner Hausberg wohl eher nicht. Dort würden jeweils alle Rucksäcke und alle anderen Taschen “sehr genau durchsucht”, sagte Sprecher Simon Haldemann am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Ziel sei zu verhindern, dass gefährliche Gegenstände wie Waffen, Messer, Selfiesticks oder Leuchtpetarden auf das Festivalgelände gelangten.

Die Sicherheitskontrolle erfolge aber nur für jene, die bereits ihren Festivalpass gegen einen farbigen Bändel eingetauscht haben. “Dass sich jemand vor dem Gelände mit einem Rucksack in die Luft sprengt, können wir natürlich nicht verhindern”, sagte Haldemann.

Dieses Jahr sei im Nachgang zu den Anschlägen in Paris der Eingangsbereich vergrössert worden, um die Kontrollen besser durchführen zu können. Es seien aber keine neuen oder zusätzlichen Sicherheitschecks dazugekommen. Metalldetektoren etwa seien keine installiert worden.

Der Veranstalter sei auf Informationen des Nachrichtendienstes angewiesen und stehe mit diesem in regem Kontakt, sagte der Festival-Sprecher weiter. “Wir verlassen uns auf die Profis: Solange wir nichts von ihnen hören, ist ein Festival nicht anders zu behandeln als andere Anlässe oder Orte.” Grundlos auf Panik zu machen, bringe nicht mehr Sicherheit, zeigt er sich überzeugt.

Doch das diesjährige Gurten-Festival ist bereits Geschichte. Die Veranstalter der noch bevorstehenden Festivals in Gampel VS und in Zürich geben sich zum Thema Sicherheit deutlich zurückhaltender.

Der Mediensprecher des Open Air Gampel etwa verwies auf eine für den Dienstagabend geplante Sicherheitssitzung. “An dieser wurde der Fokus Terror verstärkt”, liess Olivier Imboden schriftlich ausrichten. Das Thema werde “vertieft dargelegt und konzeptionell umgesetzt”.

Die Sitzung sei jedoch nicht speziell wegen der jüngsten Ereignisse einberufen worden, präzisierte er. Die Veranstalter des Gampels führten immer kurz vor dem Festival mindestens zwei grosse Sicherheitssitzungen durch. Dies sei die zweite – und schon seit längerem geplant.

Die Organisatoren des Zurich Open Air halten sich ebenfalls eher bedeckt. “Wir arbeiten sehr eng mit der Polizei und den Behörden zusammen und halten uns an ihre Empfehlungen”, heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Es werde jedes Jahr in Zusammenarbeit mit den Blaulichtorganisationen ein umfangreiches Sicherheitskonzept erstellt. Die Risiken würden “laufend neu beurteilt und die Massnahmen entsprechend angepasst”.

Die Zurückhaltung hat möglicherweise einen guten Grund. Beat Jost, Sprecher der Zürcher Kantonspolizei, erklärte auf Anfrage die Sicherheitszusammenarbeit zwischen den Behörden und den Veranstaltern von Open Airs.

Die Kantonspolizei stehe in Kontakt mit den Veranstaltern im Kanton Zürich, die für die Sicherheit auf ihrem Gelände zuständig seien. “Wir beobachten die Situation in Europa”, sagte Jost weiter. “Wenn die Veranstalter Fragen zur Sicherheit haben, beraten wir sie natürlich.”

Derzeit würden aber dieselben Sicherheitsmassnahmen gelten, die immer gälten. Man habe noch nichts an diesen geändert, da diese noch stimmten. Falls nötig, würden Anpassungen vorgenommen. Dies würde aber nicht offen kommuniziert. “Sonst würden wir gewaltbereiten Personen quasi eine gratis Anleitung liefern.”

(SDA)


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