Ostschweizer Bauern ärgern sich über Apfeldiebe

Von Fabienne Engbers
Bauer Hans Früh schenkt Passanten gerne einen Apfel, damit sie keinen klauen müssen.
Bauer Hans Früh schenkt Passanten gerne einen Apfel, damit sie keinen klauen müssen. © FM1Today
Herbst ist in Mostindien Erntezeit. Die Thurgauer Äpfel leuchten rot-golden an den Bäumen und lachen den Spaziergängern von den Feldrändern entgegen. Diverse Spaziergänger oder Autofahrer greifen da beherzt zu – ganz zum Ärger der Bauern.

«Stell dir mal vor, jeder Fussgänger würde sich einfach seine Taschen füllen», sagt Bauer Ueli Müller (65) aus Roggwil. Er bewirtschaftet zwei Hektaren Land. Darauf hat es 20 verschiedene Apfel- und Birnensorten. Diese verkaufen er und seine Frau Edith am Wochenmarkt.

«Ich gehe auch nicht in fremde Gärten, um Salat zu stehlen»

«Wenn jemand bei uns mit dem Sack vorbei kommt und Äpfel stiehlt, dann ist das etwa so, wie wenn ich in einen privaten Garten gehe und dort einen Salat mitnehme», sagt Ueli Müller. Das findet er nicht in Ordnung. Wir waren per Zufall bei der Ernte, als wir ein paar hundert Meter weiter eine Dame beobachteten, die fleissig Äpfel von den Bäumen holte”, sagt Ueli Müller. «Viele denken, wenn es so viele Äpfel an den Bäumen hat, darf man schon ein paar davon mitnehmen». Das nervt den Bauern.

Auch Äpfel klauen ist Diebstahl

Rechtlich gesehen ist die Situation klar: Das unerlaubte Pflücken von Äpfeln ist verboten. Sind die Äpfel auf einer Plantage, begeht man Diebstahl. Auch, wenn es keinen Zaun rundherum hat. Auch die Früchte des Nachbarn sind tabu, selbst wenn die Äste des Obstbaums auf die Strasse oder auf das eigene Grundstück herüber ragen. Erst, wenn die Früchte von den Ästen heruntergefallen sind, darf man sie aufheben und essen. Reicht ein Bauer eine Strafanzeige ein, weil jemand sein Obst geklaut hat, könnte man auf Schadenersatz verklagt werden.

Baum ist Ende Oktober leer

Auch bei Bauer Hans Früh aus Altnau werden Äpfel geklaut. Ein Baum mit der speziellen Sorte Rubinola steht an der Strasse, ohne einen Zaun rundherum. «Der Baum ist Ende Oktober meist vollständig abgeerntet», sagt Hans Früh. Mit seinem Bruder hat Hans Früh 14 Hektaren Land, auf denen ausschliesslich Apfel- und Birnenbäume stehen. Nur gerade die Krone, die er mit der Leiter abernten muss, habe jeweils noch Äpfel dran. Ihn stört das aber nicht so sehr. «Wenn ich mich wehren wollte, könnte ich den Baum einzäunen», sagt der Bauer. Viele der Felder haben mittlerweile Zäune rundherum. «Dies jedoch nicht nur wegen den Apfeldieben, sondern auch wegen den Kühen, die an den Feldern vorbei auf die Weide laufen», sagt Ueli Müller.

«Was ich nicht weiss, mach mich nicht heiss»

Wie viele Äpfel jährlich geklaut werden, ist nicht klar – die Dunkelziffer ist hoch. «Da es wahrscheinlich schon immer Leute gab, die zwischendurch den einen oder anderen Apfel abgelesen haben, fällt uns nicht gross auf, wenn Äpfel fehlen», sagt Ueli Müller. Ihm sei lieber, er kenne die genaue Zahl nicht. «Dann werde ich auch nicht böse», sagt der Thurgauer Obstbauer.

«So ein roter Apfel gluschtet halt auch»

Wenn jemand einen Apfel pflückt, um ihn zu essen, nimmt das Bauer Hans Früh locker. «Wenn Spaziergänger vorbei laufen, geben wir ihnen auch mal einen Apfel. Dann gehen sie mit einem Lachen davon», sagt Hans Früh. Er versteht die Velofahrer und Spaziergänger, die sich einen Apfel pflücken. «Die Äpfel lachen einen einfach an. Es gluschtet mich auch, wenn ich an einem Apfelfeld vorbei laufe», sagt der Bauer. Ganze Säcke dürfen sich die Spaziergänger aber auch bei ihm nicht füllen. «Wenn ich jemanden erwische, spreche ich ihn natürlich darauf an», sagt der Bauer. Eine Dame habe nach der Standpauke begonnen, bei ihm zu arbeiten. Sie wird jetzt bezahlt für’s Äpfel ablesen.

Was denkt ihr dazu? Würdet ihr Äpfel beim Bauern stehlen?


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