Ostschweizer Segler erobern die Weltmeere

Von Fabienne Engbers
Die Regatta-Bodensee ist Schweizermeister 2016. Auch international ist sie vorne mit dabei
Die Regatta-Bodensee ist Schweizermeister 2016. Auch international ist sie vorne mit dabei © zVg
Was für eine Leistung! Der Regattaclub-Bodensee ist Schweizer Meister im Segeln und verpasste den «Sailing Champions League»-Titel nur knapp. Es ist die vorläufige Krönung ihrer jungen Karriere. Genug haben die Ostschweizer aber noch nicht.

Gerade einmal 22 Jahre alt sind die Teammitglieder im Durchschnitt und doch haben sie schon Grosses erreicht. Die Ostschweizer holten sich vor wenigen Tagen den Sieg in der Schweizermeisterschaft. In der «Sailing Champions League» – der Europameisterschaft – wurden sie diese Woche überraschend Zweite. «Das Gefühl ist überwältigend. Wir mussten alles geben, um diese super Platzierungen zu erreichen», sagt Stefan Amann (24) vom Regattaclub-Bodensee. Stationiert sind die Ostschweizer, beziehungsweise ihr Club-Boot im Goldacher Hafen.

Komplexer Sport

Das man beim Segeln auf so hohem Niveau mithalten kann ist nicht selbstverständlich. Man ist zu viert auf dem Boot und muss sich ständig absprechen, ein Mann gibt das Kommando. «Vor einem Wettkampf versuchen wir, zwei bis drei Mal pro Woche zu trainieren», sagt Stefan Amann. Am Wettkampf selbst entscheiden nicht nur das eigene Können, sondern auch die Windbedingungen und die Überholmanöver, über Sieg und Niederlage. Sechs Segelboote starten jeweils in einem Lauf. Ein solcher dauert etwa 20 Minuten, während denen die Boote mehrmals um Bojen herum fahren und wenden müssen.

Von klein auf dabei

«Schon als ich sechs Jahre alt war, bin ich mit meinem Vater zum ersten Mal auf sein Segelboot», sagt Stefan Amann. In seinem Verein haben die meisten Mitglieder das Segeln von den Eltern gelernt. Regatta segeln ist aber einiges anspruchsvoller als einfach ein bisschen auf dem Bodensee herum zu dümpeln. Dafür haben die Jungs vom Regattaclub-Bodensee die letzten zwei Jahre intensiv trainiert und Erfahrung auf verschiedenen Gewässern gesammelt. «Jede Regatta bringt wieder neue Erfahrungen, neue Wellen und Situationen, mit denen man umgehen muss», sagt der 24-Jährige.

Wind ist mitentscheidend

Nebst einem funktionierenden Team braucht es natürlich Wind. «Ein kleines Lüftchen reicht schon, damit wir segeln können», sagt Mitsegler Massimo Soriano (27). Das muss in der Ostschweiz vielfach auch reichen. «Vor allem im Sommer ist der Bodensee nicht gerade ein Wind-Hot-Spot», sagt Massimo Soriano. Teilweise reisen die Ostschweizer ins Tessin oder ans Meer, um die Bedingungen dort zu trainieren. Diesen Winter gehen sie zum Beispiel nach Monaco um zu trainieren. «Irgendwie muss man ja im Rhythums bleiben,» lacht Stefan Amann.

Für uns ist wenig Wind besser

Da die Ostschweizer meist bei eher bescheidenem Wind trainieren, sind sie auch in den Wettkämpfen besser, wenn nur ein Lüftchen weht. «Bei uns sind alles Fliegengewichte, deshalb sind wir bei starkem Wind etwas zu leicht», sagt Stefan Amann. «Dafür gibt es bei mehr Wind auch mehr Action!»

«Olympia ist sicher ein Traum»

Nun, da der Regattaclub-Bodensee auch international gezeigt hat, was er kann, stellt sich die Frage nach grösseren Anlässen. Schnell kommen die Olympischen Spiele 2020 ins Gespräch. «Olympia wäre ein supercooles Ziel», sagt Massimo Soriano. «Dieser Zug ist für uns aber ein bisschen abgefahren. Der Zeitpunkt müsste genau stimmen, dazu braucht es das nötige Kleingeld und man muss sich hundertfünfzig prozentig auf den Sport konzentrieren können.» Sowohl Stefan Amann als auch Massimo Soriano arbeiten neben ihrem zeitintensiven Hobby Vollzeit, um sich das Boot und die vielen Reisen überhaupt finanzieren zu können.

Feld ist eng

Und wie geht es für die Ostschweizer nächstes Jahr weiter? «Dieses Jahr ist schwierig zu toppen», sagt Stefan Amann. Das Feld liege extrem nahe beieinander, sowohl in der Schweiz als auch international. Ihre Ziele haben sich die Segler aber hoch gesteckt. «Wir wollen den Titel verteidigen und auch in der Champions League einen Titel ergattern», sagt Massimo Soriano.


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen