Ostschweizerin verdient mit Instagram Geld

Von Laurien Gschwend
Phillip und Mary betreiben zusammen den Blog «Laces and Places».
Phillip und Mary betreiben zusammen den Blog «Laces and Places». © zVg
Mit Labels kooperieren und deren Produkte in Szene setzen – die Zuzwilerin Mary Stähli liebt das Bloggen. Alleine über ihren Instagram-Account erreicht sie täglich fast 95’000 Personen. Wie sie ihren spannenden Job erlebt – und welchen Wert ihre Arbeit für Unternehmen hat.

Die Facebook-Wall durchstöbern, ein stimmungsvolles Bild auf Instagram laden und auf Snapchat die verrücktesten Grimassen schneiden: Fast jeder bewegt sich gerne und regelmässig im Social Web. Dass man mit den neuen Medien und der richtigen Strategie auch ordentlich Geld verdienen kann, weiss die 21-jährige Mary Stähli aus Zuzwil. Gemeinsam mit ihrem 25-jährigen Freund Phillip Jaeggi betreibt sie seit zweieinhalb Jahren den Mode- und Reiseblog «Laces and Places».

Das Ganze begann relativ simpel. Mary richtete sich ein Instagram-Profil ein, lud regelmässig Bilder auf die Plattform – und teilte diese mit ihren 2000 Followern. «Eine Freundin und ich hatten sehr viel Spass daran, einander zu fotografieren», sagt die Ostschweizerin.

Privat und beruflich Partner

Nach einer gewissen Zeit kam das Label «Brandy Melville» auf Mary zu – mit dem Angebot, ihr kostenlose Kleider zu schicken, mit denen sie sich dann fotografieren könne. «Ich sagte zu. Das Geschäft teilte meine Bilder dann auf dem eigenen Kanal, dem damals schon zwei Millionen Menschen folgten.» Der Startschuss einer Karriere als bekannte Modebloggerin war geglückt.

Vor zweieinhalb Jahren kam Mary mit Phillip zusammen, einem Innendesigner, der ebenfalls in Zuzwil aufgewachsen war. «Er war es, der mich überzeugte, einen Blog zu starten.» Die Seite «Laces and Places» sowie die dazugehörigen Social-Media-Kanäle betreiben die beiden als Team. Es sei kein Problem, sowohl privat als auch beruflich ein Paar zu sein. «Wir ergänzen uns perfekt und unterscheiden nicht streng zwischen Freizeit und Beruf.»

I want to be with you. Every day, like this🖤

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Jeden Sonntagmorgen packt Mary ihre fünf Outfits zusammen und macht sich mit ihrem Freund auf zu einer Shooting-Location. Dort entstehen dann die Bilder für die ganze Woche. Hinzu kommen einige Stunden Arbeitszeit, um Blog-Artikel zu erstellen. «Aber das variiert je nach Kundenauftrag», sagt die 21-Jährige.

Bloggen bleibt Nebenjob

Bis vor kurzem ging die Ostschweizer Bloggerin noch zur Fachmittelschule. «Deshalb habe ich auch selten Events besucht. Das Bloggen ist mein Nebenjob», erklärt sie. Das wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern, zumal Mary ab dem Sommer die Ausbildung zur Primarlehrerin absolviert. «Nach meinem Studium – und wenn ich genügend finanzielle Sicherheit habe – kann ich mir aber schon vorstellen, Vollzeit zu bloggen.»

Mary und Phillip haben schon mit grossen Marken wie Nike, Adidas, Calvin Klein und Levis zusammengearbeitet. «Ich gehe nur Kooperationen mit Labels ein, hinter denen ich auch stehen kann.» Ein Werbespot für Lebensmittel gehöre eher weniger dazu, lieber wolle sie sich auf Lifestyle-Themen rund um Mode, Reisen und Beauty konzentrieren.

Ready to rock my nye outfit! 🤘🏻🐯💕🌸 #AsSeenOnMe#nye#asos @asos_de

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«Ein grosser Vorteil des Bloggens besteht gegenüber dem Modeln darin, dass ich nicht in irgendwelche Kleider gesteckt werde und dafür selber wählen kann, worüber ich berichte.» Die 21-Jährige möchte keine Trends vorschreiben, sondern inspirieren. «Gerade in der Schweiz, wo sich viele nicht trauen, das zu tragen, was sie gerne möchten.»

Die Blogger-Szene sei in der Schweiz sehr kollegial. «Ich messe mich nicht so mit den anderen, lese auch keine anderen Blogs», gibt Mary zu, «jeder macht sein Ding und ist individuell».

«Verdiene schönes Geld»

«Ich verdiene mit dem Bloggen ein schönes Taschengeld», verrät Mary. Eine genaue Summe möchte die Zuzwilerin aber nicht nennen. Auch, wie viel Geld sie für einen Blog-Artikel oder Social-Media-Post verlangt, gibt sie nicht bekannt.

Alle Bilder, die auf Marys Instagram-Kanal «Mary L Jean» landen, werden mit dem Smartphone geknipst. Eine fotografische oder redaktionelle Ausbildung hat sie nicht gemacht. «Ich habe mir alles selber beigebracht. Davon konnte ich auch im Deutschunterricht profitieren.»

Effekt wie Mund-zu-Mund-Werbung

Gemäss Fabian Plüss, dem Gründer und CEO der Influencer-Agentur «Kingfluencers.com», geniessen Blogger in ihrer Community viel Vertrauen. «Sie sind Vorbilder. Zeigen sie sich mit einem gewissen Produkt, wirkt sich das positiv auf die Marke aus.» Der Effekt sei in etwa mit einer Mund-zu-Mund-Markenempfehlung gleichzusetzen.

Folge man einem Blogger, Moderator, Sportler oder Musiker eine Weile, habe man irgendwann das Gefühl, man stehe mit einem Freund in Kontakt. «Die Follower schauen zu den Influencern hoch und glauben, was sie empfehlen», erklärt Plüss. Hinzu kommt laut Yvonne Miller von der Kommunikationsagentur «Yjoo by Farner», dass Influencer, anders als manche anonyme Medienhäuser, auf individuelle Kommunikation setzen. «Je näher sich der Influencer bei den Kunden befindet, desto wertvoller ist er für das Unternehmen.»

Beachtliche Schweizer Influencer-Landschaft

Bei «Kingfluencers.com» können sich Opinion Leader, also Meinungsführer, registrieren. Anhand von verschiedenen Fragen, welche sie in einem ersten Schritt beantworten, werden sie mit Marken gepaart. Rund 1000 Influencer gehören zum Netzwerk der Agentur, darunter die Schauspielerin Zoë Pastelle und der Freeski-Profi Elias Ambühl.

go where your dreams take you 💭🐠🌊 👙 from @taboubeachwear 📸 by my babe @mauricesinclairphotography

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What a day at @keystonea51 with a good crew! @andriambuhl @jameswoodsy @kfournier22 / music:DJ A-tonic

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Wie Miller berichtet, gibt es in der Schweiz zwar einzelne grosse Influencer mit sehr vielen Followern, die regelmässig hochwertige Inhalte produzieren. Aber auch Micro-Blogger mit kleineren Reichweiten seien für Unternehmen interessant. «Was mir besonders gefällt: Trotz der kleinen Grösse der Schweiz haben wir eine sehr vielfältige Influencer-Landschaft», sagt sie auf Anfrage. Influencer-Marketing sei kein kurzanhaltender Trend, sondern etwas, das nicht mehr wegzudenken sei, bestätigt auch Fabian Plüss.


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