Ausschreitungen im Westjordanland am Todestag Arafats

Kinder halten Bilder des ehemaligen Palästinenserführers Jassir Arafat am 11. Gedenktag seines Tods.
Kinder halten Bilder des ehemaligen Palästinenserführers Jassir Arafat am 11. Gedenktag seines Tods. © KEYSTONE/EPA/ABED AL HASHLAMOUN
Am Todestag von Palästinenserpräsident Jassir Arafat ist es im Westjordanland zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Über 60 Palästinenser seien am Mittwoch durch scharfe Munition oder Gummigeschosse verletzt worden.

Das teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit. Mindestens vier Menschen wurden demnach in Al-Bireh nahe Ramallah verwundet. Einer von ihnen sei lebensgefährlich im Herzen getroffen worden.

Sechs weitere Demonstranten wurden nach Angaben des Ministeriums in Tulkarem nördlich von Tel Aviv angeschossen. Auch in Bethlehem seien Demonstranten von Sicherheitskräften verletzt worden. Die israelische Armee erklärte, sie habe auf Angriffe der Palästinenser reagiert.

In Al-Bireh zogen bis zu 300 Demonstranten durch die Strassen. Jugendliche attackierten die Sicherheitskräfte mit Steinen und brennenden Reifen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Soldaten feuerten Tränengas und Schüsse ab, um die Menge auseinander zu treiben.

In Gaza versammelten sich etwa 2000 Palästinenser vor den Büros der Vereinten Nationen. Viele Demonstranten hielten Schilder im Andenken an Arafat hoch. Die Kundgebung blieb friedlich.

Der Palästinenserchef war am 11. November 2004 in einem Militärspital bei Paris mit 75 Jahren gestorben. Zuvor hatte sich sein Gesundheitszustand in kurzer Zeit dramatisch verschlechtert. Da seine Witwe Suha damals eine Obduktion ablehnte, blieb die Todesursache ungeklärt. Die palästinensische Führung machte Israel am Mittwoch erneut für den Tod Arafats verantwortlich.

Allerdings werde es noch einige Zeit dauern, um die genauen Umstände des Todes von Arafat zu klären, sagte der für die Ermittlungen verantwortliche palästinensische Beamte Taufik Tiraui . Zu Details äusserte er sich nicht.

Französische Ermittler waren in den vergangenen Jahren dem Verdacht nachgegangen, Arafat sei mit der radioaktiven Substanz Polonium vergiftet worden. Anfang September wurden die Mordermittlungen allerdings eingestellt. Die zuständigen Richter sahen keine Beweise für eine Vergiftung Arafats.

Anlässlich des Todestages am Mittwoch übergab unterdessen die radikalislamische Hamas das Haus von Arafat im Gazastreifen sowie persönliche Dinge des früheren Palästinenserführers der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO).

Die von der Fatah dominierte PLO wertete dies als Symbol der Annäherung zwischen beiden Palästinensergruppen. Zu den persönlichen Dingen gehören eine Waffe, Kleidung und Fotos. In dem Haus lebte Arafat mit seiner Familie nach seiner Rückkehr aus dem Exil im Jahr 1994.

(SDA)


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