«Palais, du häsch mir gfallä»

Von Lara Abderhalden
Die Nächte waren zäch. Die Bilder zu später Stunde unscharf.
Die Nächte waren zäch. Die Bilder zu später Stunde unscharf. © FM1Today/Lara Abderhalden
Liebes Palais Extra oder einfach nur Palä, wie wir dich zu nennen pflegten. Du warst so schlecht, dass es schon wieder gut war. Ob beim Schnupfen mit der Dorfjugend oder beim Tanzen mit dem Fussballclub – du hast uns wilde Nächte beschert. Ein Abschiedsbrief.


Es ist bereits nach Mitternacht. Die letzte Bar in Ebnat-Kappel leert sich allmählich. Genau genommen, die einzige Bar in Ebnat-Kappel. Mit einigen Bieren und Flying Hirschs im Bauchgepäck schlendern wir johlend in deine Richtung. Bereits von Weitem hört man uns kommen, nutzten wir die rund zwei Kilometer Fussmarsch regelmässig als Karaoke-Meile. Von Göläs Schwan und Radio 200’000s Eisprung umgeben, betreten wir die heiligen Pforten des Palastes zwischen Ebnat-Kappel und Krummenau. Bereit, von der Masse auf die Tanzfläche getragen zu werden.

Leider – oder zum Glück – war das Wort «Masse» im Palais Extra meistens so fehl am Platz wie eine Frau mit Stöggelischuhen, Extensions und einem Versace-Kleid. In Empfang genommen wurde man regelmässig von ein paar Stumpen rauchenden Gesellen im Edelweiss-Hemd, die manchmal gar mit dem Traktor angereist waren. Im Club selbst roch es nach Schweiss, Schnupf und Schnaps.

Palais, du warst perfekt für den spontanen Absturz, für den ungeplanten Ausgang, dafür, einen drauf zu machen, ohne jemanden zu stören. Die Getränke standen – gefühlt – schon auf den Tresen, kaum hatte man dich betreten. Das Barpersonal grüsste einem mit Namen und der DJ war eh dein bester Freund. Da ich, die ganze Damenmannschaft des FC Ebnat-Kappel und der Turnverein oft die einzigen Gäste waren, spielte der DJ, was wir wünschten.

Zu «Müeh mit de Chüeh», «Graubünde» oder «Danza Kuduro» tanzten wir so schlecht, dass sich Lucenzo oder sogar Trauffer wünschen würden, sie hätten die ersten Zeilen ihrer Songs nie geschrieben.

Zwischendurch spielten wir uns am «Töggeli-Kasten» die Hände wund, verfehlten die Dart-Scheibe um mehrere Meter oder lernten neue Schnupfsprüche vom Männerchor.

Mit viel zu viel Schnupf in der Nase, viel zu vielen unterschiedlich farbigen Shots im Bauch und viel zu vielen Umdrehungen auf der Tanzfläche im Kopf torkelten wir am Morgen die viel zu lange Treppe hinunter. Einige nahmen die letzten Holzstufen auch mit dem Füdli. Draussen telefonierte man Werner oder Walter, die beiden Taxifahrer im Toggenburg, oder liess sich von einem Gesellen im Edelweiss-Hemd mit dem Traktor abschleppen.

Am Morgen brummte einem der Schädel, der Kopf ruhte entweder auf der Kloschüssel oder in einem grossen Taschentuch, in welches man in regelmässigen Abständen die Schnupfreste rotzte. Neben dem Bett hing eine Hawaiikette und ein halbvolles Bier stand auf dem Nachttisch. In solchen Momenten schwor ich mir, dich niemals mehr zu besuchen.

Paperlapapp. Wir taten es wieder. Immer und immer wieder. Und es war eine schöne Zeit. Palais Extra, wir werden dich vermissen, weil du uns so viele unvergessliche oder sehr vergessliche Nächte beschert hast. Du warst das Unkomplizierteste, was das Toggenburger Nachtleben zu bieten hatte. Möge ein unkomplizierter Geselle mit Edelweiss-Hemd dich eines Tages zur Frau nehmen und dich erneut auf Vordermann bringen. Mit meiner Präsenz auf der Tanzfläche kannst du rechnen. Palais, du häsch mir gfallä.

Das Palais Extra wurde vor zweieinhalb Jahren von Pächter Severin Löhrer und Geschäftsführer Matthias Kappeler übernommen und umgebaut. Vergangenes Wochenende hatte das Tanzlokal zum letzten Mal geöffnet. Vor allem, wenn am Wochenende in der Region sonst etwas los war, waren zu wenig Gäste im Lokal, heisst es vom Geschäftsführer.


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