Passepartout-Kantone bessern Französischlehrmittel nach

Schülerin während einer Französisch-Prüfung. (Symbolbild)
Schülerin während einer Französisch-Prüfung. (Symbolbild) © KEYSTONE/Gaëtan Bally
Nachsitzen für die Kantone: Die am Sprachunterrichtsprojekt Passepartout beteiligten Kantone verbessern das Französischlehrmittel. Damit reagieren sie auf Kritik von Lehrern und Eltern, aber auch aus der Politik. Nun ist doch wieder mehr Grammatik angesagt.

Mit den neuen Französischlehrmitteln “Mille Feuilles” und “Clin d’Oeil” sollen Schülerinnen und Schüler spielerischer Französisch lernen und ohne Angst vor grammatikalischen Fehlern kommunizieren.

Der Ansatz begeistert aber längst nicht alle: Den Schülern fehlten bei diesem Ansatz wichtige Grundlagen, etwa in Grammatik und Wortschatz, lautet eine oft gehörte Kritik. Vieles in den Lehrmitteln sei zu schwierig und setze zu viel Eigenverantwortung voraus.

“Wir sind bereit, Kurskorrekturen vorzunehmen”, sagte der Solothurner Bildungsdirektor Remo Ankli am Donnerstag vor den Medien in Bern. Die neuen Lehrmittel sind auf der Oberstufe angekommen, wo sie seit einem Jahr eingesetzt werden.

Bereits für das Schuljahr 2016/17 sind erste Ergänzungen erarbeitet worden, wie der Berner Erziehungsdirektor und Passepartout-Präsident Bernhard Pulver ausführte. Verstärkt wurde etwa die Vermittlung grammatikalischer Kenntnisse. So findet sich beispielsweise die Generationen von Französischlernenden vertraute – oder je nachdem auch verhasste – Tabelle zum Konjugieren von Verben wieder im Lehrmittel.

Weitere Massnahmen zielen auf Praxishilfen für lernschwächere Schüler ab oder auf die Information der Eltern. Auch für das Englischlehrmittel gibt es “Nachhilfeunterricht” für die Lehrkräfte.

Die Nachbesserungen seien keine Bastelei an einem unausgereiften Lehrmittel, betonte Pulver. “Wir reagieren auf Kritik und entwickeln das Lehrmittel weiter, statt einfach etwas Fertiges auf den Tisch zu knallen.”

Besondere Aufmerksamkeit verlangt gemäss dem Walliser Staatsrat Oskar Freysinger die Verständigung über die Schulstufen hinweg. Nur so gelinge der Übertritt der Schülerinnen und Schüler in die nächste Stufe.

Passepartout geht zurück auf eine Initiative der sechs Kantone an der französischen Sprachgrenze: Bern, die beiden Basel, Solothurn, Freiburg und Wallis. Mit dem Projekt setzen sie die 2004 beschlossene nationale Strategie zur Weiterentwicklung des Sprachunterrichts um.

Diese gibt vor, dass Kinder die erste Fremdsprache spätestens im dritten Schuljahr, die zweite spätestens im fünften lernen. Die Einstiegsfremdsprache ist regional koordiniert. In den sechs Passepartout-Kantonen ist dies Französisch.

Seit einem Jahr ist Passepartout nun in der Oberstufe angekommen. 2018 verlässt der erste Passepartout-Jahrgang die Volksschule, also Jugendliche, die von Beginn weg mit den Lehrmitteln “Mille Feuilles” und “Clin d’Oeil” unterrichtet wurden.

Das ist ein Moment, den die Erziehungsdirektorinnen und -direktoren der Passepartout-Kantone mit Spannung erwarten. “Wir wollen wissen, ob wir die 2004 formulierten Ziele erreicht haben”, führte die Baselländer Regierungsrätin Monica Gschwind aus. Beim Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg hat Passepartout deshalb eine Evaluationsstudie in Auftrag gegeben.

Die Erziehungsdirektorinnen und -direktoren der sechs Kantone stellten sich am Donnerstag vor den Medien in Bern erneut geschlossen hinter den Grundsatz, zwei Fremdsprachen an der Primarschule zu unterrichten und mit der Landessprache Französisch zu beginnen.

Der baselstädtische Bildungsdirektor und Präsident der Eidgenössischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, Christoph Eymann, sprach von einem “mutigen und visionären Projekt”, auch wenn in einzelnen Kantonen zuweilen ein steifer, politischer Gegenwind geblasen habe.

In der Schweiz schwelt seit längerem ein Konflikt über den Fremdsprachenunterricht an den Schulen. Umstritten ist, ob es sinnvoll ist, zwei Fremdsprachen an der Primarschule zu lehren. Auch die Frage, ob Englisch oder Französisch zuerst gelehrt werden soll, wird heftig diskutiert. Dass manche Deutschschweizer Kantone Englisch bevorzugen, sorgt in der Romandie für Verstimmung.

(SDA)


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