Pekinger können nach Smogalarm vorerst aufatmen

Maskierte Menschen bei der Verbotenen Stadt in Peking: Nach drei Tagen hat die Stadt die höchste Smog-Warnstufe aufgehoben. (Archivbild)
Maskierte Menschen bei der Verbotenen Stadt in Peking: Nach drei Tagen hat die Stadt die höchste Smog-Warnstufe aufgehoben. (Archivbild) © KEYSTONE/AP/ANDY WONG
Erstmals seit Tagen können Pekings Einwohner wieder durchatmen: Statt der inzwischen schon üblichen braunen Smogschicht erlebten sie am Donnerstag Sonnenschein und einen klaren blauen Himmel. Die Stadtverwaltung hob daraufhin die Alarmstufe Rot wieder auf.

Sie lobte den Erfolg der Massnahme – doch hatten die Meteorologen bereits vor Tagen auf günstige Nordwinde hingewiesen, die den Smog aus der Stadt vertreiben würden.

Die Feinstaubwerte lagen am Donnerstag deutlich unter dem Niveau der vergangenen Tage: Bis zum Nachmittag sanken die Werte für den besonders gesundheitsgefährdenden PM2,5-Feinstaub auf 15 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und damit noch unter den von der WHO empfohlenen Grenzwert von 25 – vergangene Woche waren sie zwischenzeitlich auf mehr als 600 gestiegen, in dieser Woche erreichten sie immer wieder die 300-Marke.

Nach heftiger Kritik an ihrer schwachen Reaktion auf das Feinstaubdrama der vergangenen Woche hatten die Stadtbehörden am Montag erstmals die höchste Alarmstufe ausgerufen. Die Hälfte der Privatfahrzeuge erhielt Fahrverbot, Fabriken wurden geschlossen, Bauarbeiten eingestellt, viele Schulen verzichteten auf Unterricht.

Eine Kaltfront und der vorhergesagte Nordwind sorgten am Donnerstag zusätzlich dafür, dass sich der Smog wieder verzog. Bereits am Samstag könnte er nach Einschätzung des Wetterdienstes allerdings wieder zuückkehren.

Die Stadtverwaltung erklärte im Internet, die Massnahmen der vergangenen Tage hätten Wirkung gezeigt. Sie bedankte sich ausdrücklich bei den Bewohnern Pekings für deren Mithilfe und kündigte an, auch weiterhin hart für eine Verbesserung der Luftqualität zu kämpfen. Mit ihrem Eigenlob erntete sie in den sozialen Netzwerken sarkastische Kommentare.

China ist beim Heizen und der Stromgewinnung vor allem auf Braunkohle angewiesen, schon seit Jahren hat es deshalb besonders im Winter mit Smog zu kämpfen. Im Kampf gegen die Luftverschmutzung sind Pekings Behörden jedoch teilweise machtlos, denn ein Grossteil des Smogs kommt aus den benachbarten Industrieregionen. Dort blieben die Feinstaubwerte auch am Donnerstag besorgniserregend.

China versucht die Luftverschmutzung einzudämmen. Die staatliche Plankommission forderte auf ihrer Internetseite die strikte Durchsetzung des Verbots besonders schwefelhaltiger Kohle.

Sie darf seit Januar dieses Jahres weder importiert noch verkauft werden. Verstösse dagegen müssten strenger geahndet werden, fordert die Kommission in der am Mittwochabend veröffentlichten Erklärung.

Zugleich will China will den Schadstoffausstoss von Frachtschiffen reduzieren. Dafür werden spezielle Schutzzonen in drei wichtigen Hafenregionen eingerichtet. Ziel sei eine Reduzierung der Schwefeldioxid-Emissionen bis 2020 um 65 Prozent gegenüber den Werten von 2015 aus, teilte das Verkehrsministerium am Donnerstag mit.

Bei der aktuellen UNO-Klimakonferenz in Paris ist China als der weltweit grösste Emittent von klimaschädlichen Gasen ein zentraler Akteur. Von den Zusagen Pekings hängt auch das Verhalten anderer wichtiger Länder ab.

(SDA)


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