“Symbol” Sawtschenko kehrt aus Russland heim in die Ukraine

Nadja Sawtschenko während der Gerichtsverhandlung im vergangenen März
Nadja Sawtschenko während der Gerichtsverhandlung im vergangenen März © KEYSTONE/EPA/MAXIM SHIPENKOV
Russland hat die verurteilte ukrainische Kampfpilotin Nadeschda Sawtschenko begnadigt und an ihr Heimatland überstellt. Die 35-Jährige landete am Mittwoch in der Ukraine, wie Präsident Petro Poroschenko mitteilte.

Poroschenko nahm Sawtschenkos Rückkehr als Anlass, den Anspruch Kiews auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim und die von den Rebellen beherrschten Gebiete im Osten zu behaupten. “Genau so wie wir Nadja zurückgebracht haben, werden wir uns den Donbass und die Krim zurückholen”, sagte er bei der Verleihung des Militärordens “Held der Ukraine” an die Rückkehrerin.

Sawtschenko erklärte: “Ich bin bereit, mein Leben erneut auf dem Schlachtfeld für die Ukraine zu geben.” Zudem kündigte an, sich für Landsleute in russischen Gefängniszellen einzusetzen: “Ich werde alles Mögliche tun, damit jede in Haft sitzende Person freikommt.”

Kremlchef Wladimir Putin habe die Soldatin begnadigt, teilte dessen Sprecher mit. Am Kiewer Flughafen Borispol hatten Poroschenko sowie Sawtschenkos Mutter, ihre Schwester und zahlreiche Parlamentarier die 35-Jährige gewartet. Sawtschenko habe bereits mit ihrer Mutter telefoniert.

“Ich freue mich – gemeinsam mit dem ganzen Land”, sagte der ukrainische Regierungschef Wladimir Groisman. Sawtschenko war in der früheren Sowjetrepublik zum Symbol und zum Gesicht des Krieges im Osten des Landes geworden. Sie hatte auf die Urteilsverkündung vor Gericht mit dem demonstrativen Singen der ukrainischen Nationalhymne reagiert. Sie sass in Russland fast zwei Jahre im Gefängnis.

Im Gegenzug entliess die Regierung in Kiew zwei mutmassliche russische Soldaten, die in der Ukraine zu Haft verurteilt worden waren. Die Männer seien in Moskau gelandet, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Den Begriff “Soldaten” benutzte er nicht. Ein Treffen mit Putin sei nicht geplant. Russland bestreitet den Einsatz aktiver Soldaten im Kriegsgebiet Ostukraine.

Ein Gericht in Kiew hatte im April gegen Protest aus Moskau die angeblichen Soldaten aus Russland zu je 14 Jahren Haft verurteilt. Sie sollen im Kriegsgebiet Donbass für prorussische Aufständische gekämpft haben.

Sawtschenko war in Russland in einem umstrittenen Prozess zu 22 Jahren Haft verurteilt worden – trotz internationaler Proteste. Die russische Justiz macht die Soldatin für die Ermordung von zwei russischen Reportern im Konfliktgebiet Ostukraine verantwortlich. Die 35-Jährige hatte die Vorwürfe stets bestritten.

Putin sagte nach dem Austausch, die Witwen der beiden getöteten Journalisten hätten ihn gebeten, “Sawtschenko zu begnadigen”. Er hoffe, die hauptsächlich aus “humanitären Gründen” getroffene Entscheidung werde zu weniger Konfrontationen in der Ost-Ukraine führen.

Sawtschenkos Anwalt Nikolai Polosow sagte, die Soldatin sei als “absolut freier Mensch” in die Ukraine gereist. Der Jurist wollte nichts dazu sagen, ob er oder die Pilotin Putin um die Begnadigung gebeten habe.

Das Schicksal der 35-Jährigen war immer wieder Thema von Krisengesprächen westlicher Politiker mit Putin. Poroschenko hatte Sawtschenkos Heimkehr als Priorität bezeichnet. Die junge Frau, die in russischer Haft immer wieder mit Hungerstreiks auf sich aufmerksam gemacht hatte, war in ihrer Heimat 2014 in Abwesenheit ins Parlament gewählt worden.

Auch die EU hatte ihre Freilassung gefordert. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz begrüsste die Überstellung als “gutes Signal”. Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini bezeichnete die Freilassung als “lang erwartete gute Nachricht”, die EU feiere dies gemeinsam mit der Ukraine. Frankreichs Präsident François Hollande lobte eine “bedeutende Geste” zur Umsetzung des Minsker Friedensabkommens für die Ostukraine.

(SDA)


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