Pilze sind nach Tieren das zweitgrösste Organismenreich der Erde

Ungeahnt vielfältig: Über 2,2 Millionen Pilzarten gibt es laut einer neuen Studie weltweit. Bekannt und beschrieben sind aber erst 120'000 Arten. (Archivbild)
Ungeahnt vielfältig: Über 2,2 Millionen Pilzarten gibt es laut einer neuen Studie weltweit. Bekannt und beschrieben sind aber erst 120'000 Arten. (Archivbild) © KEYSTONE/EPA MTI/MTVA/PETER KOMKA
Mit schätzungsweise 2,2 bis 3,8 Millionen Arten sind Pilze das zweitgrösste Organismenreich der Erde – nach den Tieren. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam aus Berlin und London. Pilze übertreffen die Pflanzen damit um etwa das Sechs- bis Zehnfache.

In der Vergangenheit reichten die Spekulationen von etwas mehr als einer halben Million bis zu mehr als fünf Millionen Pilzarten weltweit. Derzeit sind erst 120’000 Pilzarten bekannt und wissenschaftlich beschrieben. Dies entspricht nur etwa drei bis acht Prozent der geschätzten globalen Pilzvielfalt.

Mehr als zwei bis drei Millionen Pilzarten sind nach Angaben der Forscher also noch zu entdecken und zu beschreiben, wie die Freie Universität Berlin am Donnerstag mitteilte. Die Pilze sind damit das am wenigsten studierte der drei grossen Organismenreiche: Während bei den Pflanzen etwa 80 Prozent von geschätzten 390’000 Arten katalogisiert sind, sind es bei den Tieren rund 20 Prozent von geschätzten sieben Millionen Arten.

Jährlich werden von Wissenschaftlern allerdings nur etwa 1500 neue Pilzarten beschrieben. Viele Pilzarten sterben auch durch Zerstörung ihres Lebensraums oder nicht nachhaltiges Wirtschaften aus, bevor sie entdeckt werden.

Die Forscher vermuten viele unbeschriebene Pilzarten in sogenannten Hotspots wie den Tropen, wenig untersuchten Lebensräumen wie in Insekten sowie in unbearbeitetem Material naturkundlicher Sammlungen. Pilze sind in allen Ökosystemen vorhanden, sogar im Meer. Zum Reich der Pilze zählen Einzeller wie die Backhefe ebenso wie der makroskopische Fliegenpilz oder auch die Flechtenpilze.

Viele Pilze zersetzen totes organisches Material und sind damit ökologisch von zentraler Bedeutung im Nährstoffkreislauf. Pilze sind aber auch bedeutende Krankheitserreger bei Pflanzen, Tieren und auch dem Menschen. Abgesehen von Delikatessen wie den Trüffeln bilden Pilze die Grundlage für tägliche Lebensmittel wie Brot und Käse, alkoholhaltige Getränke und Medikamente wie Antibiotika.

Die von Wissenschaftlern des Botanischen Gartens und Botanischen Museums der Freien Universität Berlin sowie dem Londoner Royal Botanic Gardens, Kew und dem Natural History Museum erstellte Studie wurde im Fachjournal «Microbiology Spectrum» veröffentlicht.

(SDA)


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