Polen und Portugal ermitteln den ersten Halbfinalisten

Cristiano Ronaldo hat Ball und EM-Halbfinal im Blick
Cristiano Ronaldo hat Ball und EM-Halbfinal im Blick © KEYSTONE/AP/MICHAEL SOHN
Polen und Portugal eröffnen heute die Viertelfinals. Es kommt zwar zum Duell der Stars Cristiano Ronaldo und Robert Lewandowski, aber auch zum Spiel zweier Teams, die bisher nicht überzeugten.

Es hätte das Jahrhundertspiel der Schweizer Nationalmannschaft sein können, er erste Viertelfinal seit 62 Jahren. Wenn Eren Derdiyok im Achtelfinal gegen Polen seinen Kopfball kurz vor dem Ende der Verlängerung ins Tor gebracht hätte. Oder wenn alle Schweizer im Penaltyschiessen getroffen hätten. Oder wenn Yann Sommer bei zwei Elfmetern der Polen mehr als bloss fast dran gewesen wäre. Hätte, wenn und aber. Der Konjunktiv ist in diesen Tagen die Sprache der Achtelfinal-Verlierer.

Und deshalb also: Nicht die Schweiz, sondern Polen gegen Portugal im Stade Vélodrome. Ein Duell mit offensiver Sprengkraft, eigentlich. Denn Robert Lewandowski fordert Cristiano Ronaldo. Ein Transferwert von rund 80 Millionen Euro beim Einen (dem Polen), im Prinzip ohne Preis der andere (der Portugiese). Lewandowski und Ronaldo sind zwei der drei teuersten Spieler dieser EM. Als Tor- und damit als Spektakel-Produzenten sind sie nach Frankreich gekommen. Lewandowski schoss für Bayern München in der abgelaufenen Saison 42 Tore in Pflichtspielen. Ronaldo kam für Real Madrid sogar auf 51 Treffer.

Kein Traum-Viertelfinal

Und doch ist dieses Polen gegen Portugal kein Traum-Viertelfinal. Denn beide Teams blieben an der EM bisher unter den Erwartungen. Die hochbegabte polnische Offensive mit Lewandowski und Arkadiusz Milik produzierte in 390 Minuten nur drei Tore. Portugal hat in der regulären Spielzeit keines seiner vier Spiele gewonnen. Die Stürmer Nani und Ronaldo schossen immerhin je zwei Tore; Ronaldo bereitete zudem den Siegestreffer im Achtelfinal gegen Kroatien vor.

“Das Wichtigste ist, zu gewinnen. Wenn wir darauf verzichten müssen, schön zu spielen, um ein gutes Resultat zu erzielen, werden wir das auch gegen Polen tun”, erklärte Nani. Dass die weltweiten Beobachter die Nase rümpfen über die bisherigen Leistungen der “Selecção”, stört ihn nicht. “Wir haben eine gute Kameradschaft und rudern alle in die gleiche Richtung. Wir erleben die beste Zeit, seit ich in der Nationalmannschaft bin”, sagte Nani. Er spielt seit 2006 für Portugal und hat gegen Kroatien sein 100. Länderspiel absolviert.

Von einer guten Zeit berichten auch die Polen. Schliesslich stehen sie erstmals seit 34 Jahren bei einer Endrunde unter den letzten acht. Wen kümmert es da, was die Welt über diese Mannschaft schreibt. “Die haben alle ein anderes Spiel gesehen”, schrieb das Portal Sport.pl über die Berichte der internationalen Medien nach dem Sieg gegen die Schweiz. Nur die Polen selber haben dabei den Vorstoss der “Bialo-Czerwoni (“Rot-Weissen”) als verdient empfunden.

Polen gibt sich zurückhaltend

Vor dem Spiel gegen Ronaldo und Portugal geben sich die Polen in ihren Ankündigungen zurückhaltender als vor dem Duell gegen Shaqiri und die Schweiz. Hatten sie vor einer Woche eine an Arroganz grenzende Selbstsicherheit offenbart, tönt es nun so: “Auf dem Papier sind die Portugiesen die Favoriten. Sie haben grosse individuelle Klasse”, sagte Milik. Der Stürmer von Ajax Amsterdam war an der EM bisher gefährlicher als Partner Lewandowski, traf aber seit dem Startspiel und dem Siegestor gegen Nordirland auch nicht mehr.

Für das Sturmduo sprang Jakob Blaszczykowski ein. Weil er sowohl im letzten Gruppenspiel gegen die Ukraine als auch im Achtelfinal gegen die Schweiz getroffen hat, steht er nun vor einem polnischen Rekord. Mit einem Tor gegen Portugal wird er zum ersten Polen, der in drei aufeinanderfolgenden Endrundenspielen erfolgreich war. Bislang teilt er sich den Rekord mit dem aktuellen Verbandspräsidenten Zbigniew Boniek. Dieser schoss an der WM 1982 in Spanien zwei Tore in Folge gegen Peru und Belgien. Trifft Blaszczykowski erneut, steigen die Chancen, dass er auch mit dem Kollektiv weiterhin auf den Spuren von Boniek wandelt und Polen ebenfalls den Weg in die Top 4 weist.

(SDA)


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